Selbstbewusst reckt sich die Halbinsel Ekkerøy in den Varangerfjord hinaus. Dieser geschichtsträchtige Winkel im äußersten Nordosten Norwegens hat tatsächlich einiges zu bieten.

Sommerfreuden am Varangerfjord

Ekkerøy ist ein etwas ungewöhnlicher Ort: Vor einem Jahrhundert lebten fast 300 Menschen auf der Halbinsel, während heute nicht einmal mehr 30 Einwohner hier gemeldet sind. Nichtsdestotrotz ist im Sommer einiges los, wenn die „Auswanderer“ zurückkommen und ihre alten Häuser beziehen und auch die „Städter“ aus dem benachbarten Vadsø nach Ekkerøy pilgern, um sich beim herrlichen Tropenklima der russischen Hochdruckgebiete zu sonnen und den Badefreuden hinzugeben.

Küstengeschichte

Die Fischerei war früher naturgegeben die Haupteinkunftsquelle der Dorfbewohner. Als Leitbetrieb fungierte das Kjeldsenbruket mit Fischannahme und Garnelenverarbeitung. Der älteste Teil stammt aus dem Jahr 1911 – somit überlebte der Betrieb als eine der wenigen Fischindustrieanlagen den 2. Weltkrieg, die deutschen Besatzer hatten sogar noch ein Gebäude hinzugebaut. 1969 musste die Garnelenfabrik aufgrund rückläufiger Fangzahlen jedoch geschlossen werden. Heute ist die Anlage restauriert und vermittelt als Teil des Museums Varanger anschaulich ein wichtiges Stück Fischindustriegeschichte. Im Sommer werden Führungen angeboten und im alten Kramerladen lädt das Museumscafé zu einer Pause ein. Ekkerøy, 1567 erstmals erwähnt, war inmitten einer stark von Seesamen und Finnen geprägten Region eine Art Enklave, in der die norwegische Sprache und Kultur dominierten.

Zeugen der Vorkriegszeit

Während der größte Teil der Bebauung in Finnmark am Ende des 2. Weltkrieges dem Erdboden gleich gemacht wurde, überstand Ekkerøy den Krieg nahezu unbeschadet. Im Herbst 1944 brach die Front bei Kirkenes ein und die Deutschen flohen Hals über Kopf von der gesamten Nordseite des Varangerfjords in Richtung Fjordende, um vor den Russen die Straße nach Westen zu erreichen. In der Kürze der Zeit konnte Ekkerøy nicht mehr zerstört werden – ein Schicksal, das die meisten anderen nordnorwegischen Siedlungen beim Rückzug der Deutschen ereilte – nur einige Fenster wurden eingeschlagen. Heute sieht man den Häusern ihr Alter kaum mehr an, denn sie wurden renoviert und mit Schwingfenstern ausgestattet. Einige wenige Häuser haben jedoch ihren historischen Charakter erhalten und zeigen, wie die Küstensiedlungen entlang des Varangerfjords vor dem Krieg aussahen.

Leicht zugänglicher Vogelfels

Der Fugleflåget ganz außen am Sporn der Halbinsel ist der am besten zugängliche Vogelfelsen Norwegens. Vom Ende der Straße, wo man das Auto abstellen kann, läuft man nur 5 Minuten und blickt dann bereits eine steile Klippe hinab, an der 15.000 Möwenpaare bei ohrenbetäubender Kakophonie nisten, ebenso Gryllteiste, Tordalke und Kormorane. Auch an anderen Stellen der Halbinsel sind zahlreiche Vögel zu sehen –insgesamt lassen sich 50 Arten auf Ekkerøy beobachten. Über die langgestreckten Strände trippeln Watvögel wie Austernfischer, Sandregenpfeifer und Meerstrandläufer, im Moor plustert sich der Kampfläufer auf und in Jahren mit hohen Beständen an Kleinnagern können sogar Schnee-Eulen gesichtet werden. Wenn all diese Sommergäste die Segel streichen und sich nach Süden aufmachen, kommen die hartgesottenen hocharktischen Entenarten aus Ostsibirien nach Varanger. Dann kann man die schönen Scheckenten und  Prachteiderenten beobachten, wie sie sich in dem für sie relativ warmen Wasser des Varangerfjords tummeln.

Überreste des 2. Weltkrieges

1941 befanden sich die Einwohner von Ekkerøy plötzlich direkt an der Front, da die deutschen Besatzer die Ostfinnmark als Aufmarschgebiet nutzten, um die Sowjetunion anzugreifen. Am höchsten Punkt von Ekkerøy wurden zwei Geschützstellungen errichtet, „Gerda“ und „Paula“, und eine kurze Eisenbahnstrecke führte von einem Steinbruch der Insel zur Baustelle. Sie sind noch in einem relativ guten Zustand und aufgrund der niedrigen Vegetation gut sichtbar. Der Beton-Raum ist zugänglich und direkt angrenzend stößt man auf große, künstliche Höhlen, die als Munitionslager genutzt wurden. Im Übrigen kann man auf der Halbinsel noch die Grundmauern von Gebäuden erkennen, die von den Deutschen errichtet wurden. Während des Krieges lebten zeitweise mehr Deutsche als Einheimische hier, eine Reihe von Häusern wurde für Soldaten beschlagnahmt und Ekkerøy auf diese Weise zu einem dicht besiedelten Ort.

Wandern auf Ekkerøy

Auch wenn Ekkerøy extrem weit nördlich liegt, ist das Wandern hier alles andere als extrem. Ein etwa 6 Kilometer langer, markierter Pfad führt um die gesamte Halbinsel herum. Dem Wanderer eröffnen sich sowohl die langgezogenen Strände als auch der Vogelfelsen und an klaren Tagen sieht man bis zur Fischerhalbinsel in Russland hinüber. Das Gelände ist leicht zu begehen und relativ flach, der Untergrund aus Heide und Gras ist weich und federnd. Wasserdichte Schuhe sind jedoch empfehlenswert, da der Weg durch einige feuchte Stellen führt. Ein kürzerer Spaziergang über eineinhalb Kilometer führt zu den Geschützstellungen hinauf, auch dieser verläuft über einige schöne, lange Strände.

Besuch in Ekkerøy

Ekkerøy liegt zwischen Vadsø und Vardø und somit direkt an der Norwegischen Landschaftsroute Varanger. Die Führung in der historischen Fischfabrik Kjeldsenbruket mit Kaffee und Waffeln im Museumscafé ist hier nahezu obligatorisch. Im Sommer ist auch das Restaurant Havhesten geöffnet, das Fischsuppe mit Königskrabbe und Rentierfleisch bietet, außerdem kann man eines der alten Häuser mieten und einige Tage auf Ekkerøy verbringen.

Nähere Informationen

Ekkerøy liegt 15 Autominuten östlich der Stadt Vadsø, die mit dem Bus, dem Postschiff Hurtigruten und dem Flugzeug erreichbar ist. Nach Ekkerøy fährt man allerdings am besten mit dem eigenen Auto, auch wenn es einige Busse gibt. Die Halbinsel liegt an der Norwegischen Landschaftsroute Varanger.

  • Die Internetseite des Ferienhausanbieters Ekkerøy Feriehus bietet viele nützliche Hinweise für Ekkerøy-Besucher.
  • Auf der Homepage des Restaurants Havhesten finden sich schöne Bilder und Geschichtliches über Ekkerøy.
  • Auch die Internetseiten des Varanger Museums bietet viel Wissenswertes über Ekkerøy