Nordnorwegen bietet keineswegs nur schöne Landschaft. Die ereignisreiche Geschichte dieses Landesteils, von der Steinzeit über die Wikingerzeit bis hin zur vielfältigen Küstenkultur des 19. Jahrhunderts, hinterlässt zahlreiche Spuren. Begleiten Sie uns auf eine geschichtliche Reise rund um den Vestfjord, Schauplatz des weltweit größten und traditionsreichsten Dorschfischfangs!

Rund um den Vestfjord

Diese Tour hat kurze, mit kulturhistorischen Erlebnissen angereicherte Tagesetappen, die durch eine fantastische Landschaft führen. Ausgangspunkt ist Bodø mit guten Flugverbindungen und mehreren Mietwagenunternehmen vor Ort. Als geschichtlich interessierter Reisender hat man bei dieser Rundtour genügend Zeit und Gelegenheit, sich auf die Spuren der Vergangenheit zu begeben, die traditionelle Küche zu genießen und an besonders geschichtsträchtigen Orten zu logieren.

1. Tag: Ankunft in Bodø

Viele Gebäude im Stadtzentrum der Großstadt Bodø sind von der Wiederaufbauarchitektur der Nachkriegszeit geprägt, so etwa das Rathaus, die Domkirche und das innovative Kulturhaus Stormen mit Bibliothek. Das Norwegische Luftfahrtmuseum veranschaulicht eindrucksvoll die Geschichte der norwegischen Luftfahrt. Zudem hat Bodø verlockende Einkaufs- und Ausgehmöglichkeiten.

Zwei Ausflüge vom Stadtzentrum aus sind ein Muss:

  • Der historische Handelsort Kjerringøy aus dem 19. Jahrhundert, bekannt aus den Romanen von Knut Hamsun, ist eine Perle ihresgleichen mit gut erhaltenem Interieur und interessanten Führungen. Als Vorbereitung bietet sich die Lektüre von Hamsuns Benoni und Rosa. Lesen Sie mehr.
  • Der Saltstraumen ist der stärkste Gezeitenstrom der Welt. Am besten erlebt man ihn bei einer der angebotenen Fahrten mit dem RIB-Boot. Aus den Gezeitentabellen der Touristinformation kann man ersehen, wann der Gezeitenstrom am stärksten ist. Lesen Sie mehr.

Unbedingt probieren: Møsbrømlefse – eine köstliche Energiebombe, Schokolade von Craig Alibone und Käse aus Kjerringøy. Es gibt viele gute Restaurants!

Übernachtung: Bodø bietet eine Reihe von Hotels.

2. Tag: Lofotenküste

Die vierstündige Überfahrt von Bodø nach Moskenes bietet einen fantastischen Blick auf die 100 km lange und 1000 Meter hohe Lofotenwand. Unter der Fähre laicht im Winter der Kabeljau und bietet so die Grundlage für den Lofotenfischfang, den größten Dorschfischfang der Welt. An der Lofotenküste liegen die farbenfrohen, gut erhaltenen Fischerdörfer malerisch am Fuße der imposanten, bizarren Gipfel. An den Aussichtspunkten und in den Dörfern lohnen sich ausgedehnte Stopps:

  • Das Norwegische Fischerdorfmuseum in Å erklärt anschaulich das System der „Dorfbesitzer” und Pächter, zeigt Boote und Gerätschaften und bietet im Sommer Führungen. Lesen Sie mehr.
  • Das Norwegische Trockenfischmuseum in Å beleuchtet alle Aspekte des ältesten Exportprodukts Norwegens – mit faszinierenden Führungen! Lesen Sie mehr.
  • Nusfjord ist ein vollständig erhaltenes historisches Fischerdorf-Ensemble mit Hauptgebäude, Laden und Rorbuhütten, die sich unter den steilen Felswänden um einen kleinen natürlichen Hafen gruppieren. Lesen Sie mehr.

Übernachtung: Viele der traditionellen Rorbuhütten, in denen die Fischer in der Fangsaison wohnten, sind heute saniert und mit dem nötigen Komfort ausgestattet. Man findet sie in mehreren Preisklassen.

Unbedingt probieren: Fisch! Einige wenige, aber gute Restaurants bieten saisonale Fischspezialitäten an. Auch die frischen Zimtschnecken im Fischereimuseum sind unwiderstehlich.  

3. Tag: Lofoten von West nach Ost

Dieser Tag gilt der Erkundung der Lofoten entlang der Norwegischen Landschaftsroute. Wie immer lohnen sich einige Abstecher zu malerischen Punkten wie den Rambergstrand oder das Dorf Eggum.

  • Wikingermuseum Lofotr auf Borg: Nach den Ausgrabungen eines Fürstensitzes aus der Eisen-/Wikingerzeit wurde das 80 Meter lange, imposante Haupthaus rekonstruiert. Lesen Sie mehr
  • „Duschkabine“: Skulptur im Rahmen des Kunstprojekts „Skulpturlandschaft Nordland“. Lesen Sie mehr.
  • Henningsvær ist ein traditionelles Fischerdorf, dessen Hauptstraße eine Meerenge ist. Die Galerie Lofotens Hus vermittelt die Entdeckung der Lofoten durch die Malerei des 19. Jahrhunderts, während die Ausstellung in der Kaviarfabrik moderne Kunst zeigt. Hier sollte man sich viel Zeit nehmen! Lesen Sie mehr
  • In Kabelvåg, dem ehemaligen Zentrum der Lofoten, thront die Lofotenkathedrale aus dem Jahr 1898. Mit 1200 Sitzplätzen ist sie Nordnorwegens größte Kirche – und während des Lofotenfischfangs voll besetzt! Lesen Sie mehr.
  • Das Lofotmuseum auf Storvågan bietet in den alten, eleganten Sälen des Wohnhauses eines „Dorfbesitzers“ einen breiten Einblick in die Geschichte der Lofoten. Lesen Sie mehr.  

Unbedingt probieren: Die Auswahl der Restaurants ist groß und reicht vom rustikalen bis eleganten Ambiente. Trockenfisch und Boknafisch, traditionell oder modern zubereitet, sollte man sich nicht entgehen lassen. Auch geräucherter Dorschrogen und Lofotenkaviar sind empfehlenswert, sowie Käse vom Hof Aaland Gård und der Hofkäserei Lofoten Ysteri.

Übernachtung: Auch hier gibt es zahlreiche Rorbu-Hütten. Im Gebiet Henningsvær/Kabelvåg/Svolvær sind darüber hinaus einige Hotels zu finden.

4. Tag: Von den Lofoten nach Hamarøy

Über die LOFAST-Straße verlässt man die Lofoten und fährt weiter durch eine fantastische, dünn besiedelte Landschaft. In Lødingen setzt man mit der Fähre nach Bognes auf Hamarøya über. Der Nachmittag ist der Erkundung der malerischen Hamarøya gewidmet.

  • Vor der Abfahrt von Svolvær empfiehlt sich ein Besuch des Kriegsmuseums, das mit einer beeindruckenden Sammlung die Geschehnisse des Zweiten Weltkrieges auf den Lofoten schildert, u.a. einem Gemälde von Adolf Hitler, das ein Geheimnis birgt ... Lesen Sie mehr.
  • In Leiknes, erreichbar durch einen kleinen Abstecher vom Fähranleger Bognes aus, stößt man auf eine Reihe von Felszeichnungen, die zu den ältesten Norwegens zählen. Am besten sind die eingeritzten Bilder im Abendlicht erkennbar. Lesen Sie mehr.
  • Das Hamsunzentrum interpretiert Literatur und bietet etwas ungewöhnliche, humorvolle Führungen. Gleich nebenan befindet sich der Hof, auf dem Knut Hamsun seine Kindheit verbrachte. Lesen Sie mehr.
  • Arran, das Kulturzentrum der Lulesamen, zeigt eine kleine Ausstellung über diese besondere samische Volksgruppe, die eine eigene Form des Samischen spricht. Lesen Sie mehr.

Unbedingt probieren: Das Café Knut im Hamsunzentrum bietet unter anderem traditionelle Gerichte, die von Hamsuns großem Roman „Segen der Erde“ inspiriert sind. Auch der Leuchtturm Tranøy und Dorotheas Hus sind einen Besuch wert.

Übernachtung: Auf dieser Etappe gibt es mehrere außergewöhnliche Übernachtungsangebote wie den Leuchtturm Tranøy Fyr und Edvardas Hus.

5. Tag: Von Steigen nach Bodø

Der heutige Tag ist einem Abstecher in die schöne Gemeinde Steigen gewidmet. Von Tømmernes (kleine Felszeichnung inmitten einer wilden, schönen Landschaft) geht es nach Westen durch den Steigentunnel, an dessen Ausgang man auf Kulturlandschaft trifft. Im Freilichtmuseum Steigen Bygdetun mit parkartigem Pfarrgarten sollte man sich ein wenig Zeit nehmen. Nachmittags geht es wieder zurück zum Ausgangspunkt Bodø, den man nach einer drei- bis vierstündigen Fahrt erreicht.

  • Die ältesten Bauteile der Kirche Steigen stammen etwa aus dem Jahr 1300. Der große Sigardshaugen aus der Eisenzeit bildet das historische Zentrum von Steigen. Lesen Sie mehr.
  • Vollmoa sind die Reste einer Militäranlage aus der Eisenzeit. Nach Information im Freilichtmuseum bietet sich eine Begehung des markierten Kulturpfades an.
  • Die Batterie Dietl ist eine riesige Festungsanlage aus dem 2. Weltkrieg. Sie wurde von den deutschen Besatzern für die Aufstellung großer Geschütze errichtet, die die Seezufahrt nach Narvik sichern sollten. Lesen Sie mehr.
  • Polarbahn: An der Gaststätte Kobbelv Vertshus in Sørfold mündet ein Tunnel, der Teil einer angestrebten Verlängerung der Nordlandsbahn durch die deutschen Besatzer war. Das Projekt Polarbahn wurde jedoch nie vollendet. Lesen Sie mehr.

Unbedingt probieren: Die Bäckerin Lefspia in Steigen ist bekannt für ihre fantastischen Møsbrømlefser, das Kobbelv Vertshus für eine schmackhafte regionale Küche. Zum Abschluss der Rundfahrt bietet sich der Besuch einer der Skybars in Bodø an. 

6. Tag: Abschied

Abreise von Bodø

Praktische Tipps:

Jahreszeit:

  • Die Tour bietet sich in erster Linie in den norwegischen Sommerferien an, da zu dieser Zeit häufige Fährverbindungen bestehen, alle Museen und Ziele lange Öffnungszeiten haben und auch alle Restaurants geöffnet sind.
  • Wer mehr Abenteuerlust verspürt, kann die Vestfjord-Runde natürlich auch im Winter absolvieren. Hier muss man allerdings die früh einsetzende Dunkelheit sowie die begrenzten Öffnungszeiten einberechnen. Dafür hat man die Lofoten fast für sich alleine – natürlich abgesehen von den Einheimischen! 
  • Die Frühlingsmonate April und Mai sind ebenfalls geeignet, da sie lange, oft trockene Tage haben. Im September und Oktober, wenn der Herbst die Landschaft in ein flammendes Meer taucht, bietet sich die Tour für Farbenfans an.

Fähren: 

  • Die Fähre Bodø-Moskenes ist den gesamten Sommer über stark nachgefragt, weshalb sich eine Reservierung empfiehlt.
  • Die viel kürzere Fährstrecke Lødingen-Bognes wird häufig bedient. Wer es nicht so eilig hat, kann sich hier einfach anstellen.

Übernachtung:

  • Eine Reservierung ist zu allen Jahreszeiten von Vorteil.