Unter dem Gletscher Longyearbreen verbirgt sich eine Welt großer Säle und enger Passagen, mit glitzernden Schneekristallen und Eiszapfen – alles bei angenehmen 3 Grad Celsius, während draußen der arktische Winter herrscht.

In der Unterwelt des Longyearbreen

Im Winter erkunden wir mit unseren Gästen die Höhlen und Gänge des Gletschers Longyearbreen. Der Longyearbreen ist von Longyearbyen aus zu Fuß erreichbar und einer der wenigen Gletscher weltweit, dessen „Innenarchitektur“ begehbar ist. Dieses einzigartige Erlebnis sollten Sie sich – eine normale körperliche Konstitution vorausgesetzt – nicht entgehen lassen.

Enger Zugang

Der Zugang zur Höhle ist ein wenig eng, so dass man den Rucksack abnehmen, sich auf den Hosenboden setzen und über 3-4 Meter relativ steil in die Höhle rutschen muss. Auf diese Weise landet man in einem relativ großen Raum, in dem sich die Gruppe sammelt, bevor es weiter in die Tiefen des Gletschers geht.

Schneekristalle und Eiszapfen

Die Decken der Höhlen sind wie mit einem Spitzenbesatz von Schneekristallen überzogen, die sich bei näherem Hinsehen als winzig kleine, auf dem Kopf stehende Tannenbäume erweisen. Von den Wänden hängen Eiszapfen herab, während der Höhlenboden aus glattgescheuertem Fels, Kies oder glattem, stahlblankem Eis besteht. Nirgends gibt es einen rechten Winkel, überall neigt und beugt sich der Raum.  

Erkundung der Eishöhlen

Vom äußeren Saal arbeiten wir uns durch enge Korridore weiter unter den Gletscher, wir ducken uns bei niedriger Deckenhöhe, biegen den Körper zur Seite, um durch schräge Hohlräume zu gelangen und überwinden Höhenunterschiede von mehreren Metern mit Hilfe eines Seils. Diese Art der Fortbewegung ist zwar etwas ungewohnt, wird von den Teilnehmern in der Regel jedoch nicht als unangenehm oder körperlich übermäßig anstrengend empfunden. Zwischen den engen Gängen eröffnen sich immer wieder große Räume mit hohen Decken, gut geeignet für eine Verschnaufpause bei ausreichend Bewegungsfreiheit.

Schmelzwasserkanäle

Im kurzen, arktischen Sommer beginnt das Eis zu schmelzen. Das Schmelzwasser – vermischt mit Sand und Kies, die vom Gletscher mitgeführt werden – gräbt Kanäle in das Eis und das darunterliegende Gestein. Im Sommer bewegt sich das Eis langsam talwärts und das Wasser strömt durch die Höhlen, deren Decken dann einbrechen können, wobei wieder neue Gänge angelegt werden. Zu dieser Zeit wäre ein Aufenthalt unter dem Gletscher nicht sicher. Im Winter jedoch, wenn eisige Temperaturen Longyearbyen fest im Griff haben, ist der Gletscher so eingefroren, dass er nahezu statisch und daher problemlos begehbar ist. Dann lassen sich jedes Jahr neue Höhlen und Eislandschaften erkunden, die der Gletscher im Sommer zuvor geschaffen hat.

Wer kann an der Eishöhlenwanderung teilnehmen?

Die Erkundung des Gletscher-Innenlebens ist kein Extremsport und daher wohl für die meisten geeignet. Voraussetzung ist eine normale körperliche Konstitution, da man sich im Sitzen in die Höhle gleiten lassen, geduckt gehen und eventuell ein bisschen kriechen muss. Für die meisten stellt das sicher keine Schwierigkeit dar. Als www.nordnorge.com eine der Höhlentouren begleitete, waren mehrere Tourenteilnehmer im Vorfeld wegen der engen Räume besorgt, bei der Begehung jedoch selbst überrascht, keinerlei Unbehagen zu verspüren – ein wenig Nervosität sollte Sie daher nicht vor einer Teilnahme zurückhalten. Falls Sie jedoch unter ausgeprägter Klaustrophobie leiden, sollten Sie die Eishöhlenwanderung nicht unternehmen.

Verschiedene Touren

In Longyearbyen werden von verschiedenen Veranstaltern unterschiedliche Eishöhlentouren angeboten. Um den Einstieg am Gletscher zu erreichen, werden teils Schneescooter, Raupen oder Hundegespanne eingesetzt. www.nordnorge.com wählte jedoch den Aufstieg auf Schneeschuhen und kam so in den Genuss einer herrlichen Tour von Nybyen am oberen Stadtrand von Longyearbyen zum Gletscher.

Sicherheit

Die Führung der Touren wird generell von zugelassenen Gletscherführern durchgeführt. Der Longyearbreen wird von Glaziologen des Universitätszentrums Svalbard laufend überwacht: Sollten Bewegungen im Gletscher registriert werden, werden die Eishöhlen gesperrt. Im Sommer dürfen die Höhlen generell nicht betreten werden. Ortsunkundige dürfen sich nicht auf eigene Faust in die Höhlen begeben, da die Gefahr des Verirrens oder Absturzes besteht.