Senja hat zwei Seiten: Eine liebliche, grüne und freundliche Innenseite - und eine raue, vom Wetter gegerbte Außenseite. Doch warum finden sich die charakteristischsten Siedlungen gerade dort draußen an der schroffen, windgepeitschten Westküste? Richtig, der Fisch ist einfach am besten.

Unbekanntes Reiseziel

Die Außenseite der Insel Senja gehört seit jeher zu den schönsten Landschaften Norwegens. Daher ist es schon ein wenig verwunderlich, dass dieser Teil der Insel als Reiseziel nur wenig bekannt ist. Die Begründung liegt wohl im Straßennetz: Lange gab es nur wenige, schmale und kurvige Verbindungen von Finnsnes aus zur Westküste, die jeweils dort endeten. In den letzten Jahren wurden jedoch Straßen und Tunnel gebaut, die die Orte an der Westküste miteinander verbinden und heute herrliche Entdeckungstouren direkt am offenen Meer ermöglichen. Im Sommer verkehren Fähren von Botnhamn nach Brensholmen, gerade einmal eine Stunde von Tromsø entfernt, und von Gryllefjord nach Andenes. Im Folgenden möchten wir Ihnen einige Höhepunkte auf der Strecke von Botnhamn im Norden nach Gryllefjord im Süden vorstellen, eine von 18 nationalen Landschaftsrouten Norwegens. 

Husøy, emsige Bastion mitten im Fjord

Husøy liegt eigentlich gar nicht auf Senja, sondern – wie der Name „öy“ schon sagt – auf einer eigenen Insel, über eine Mole mit Senja verbunden. Seitdem Husøy Schauplatz einer Reality-Show war, erstrahlt die Schutzmauer der Mole, im reinsten Blau. In und um die kleine Insel im Fjord herrscht reger Betrieb, denn in den zugehörigen Fischgründen werden große Mengen Dorsch gefangen und für hohe Summen exportiert. Doch die Lage ist nicht nur lukrativ, sondern auch so den Atlantikstürmen ausgesetzt, dass ein Teil der Dächer im Boden verankert werden musste.

Senjahopen und Mefjordvær

Die beiden Zwillingsdörfer Senjahopen und Mefjordvær zeichnen sich durch unterschiedlichen Rhythmus und Charakter aus. Senjahopen ist der größere der beiden mit vitaler Fischereiflotte und Fischindustrie. Mefjordvær dagegen ist das beschauliche Gegenstück mit historischer Bebauung. Der Leuchtturm gehört zu den beliebtesten Fotomotiven: Von hier aus hat man den Blick sowohl auf den Ort als auch auf die steile Westküste von Senja.

Okshornan

Am Erfjord, weit draußen an der brandungsumtosten Küste, erhebt sich das Okshornan aus dem Meer – eine Bergkette, die wie eine spitze Gebissreihe 600-700 Meter hoch nahezu senkrecht aus dem Meer ragt. Der bizarre Anblick ließ die Formation zu einem der beliebtesten Fotomotive werden. Um allen Reisenden das „Teufelsgebiss“ in seiner ganzen Schönheit zu erschließen, errichtete das norwegische Straßenbauamt einen preisgekrönten, modernen Holzsteg an der Küste.

Bøvær

Einen weiteren Höhepunkt bietet das malerische Bøvær mit weißen Stränden und fantastischem Blick auf den Bergsfjorden und die 98 Inseln im Atlantik. Hier liegt Kråkeslottet – das „Krähenschloss“ –, der Sitz eines ehemaligen Dorfherrn, heute als Gallerie genutzt.

Der Senjatroll

Trolle sind grauenhafte, furchteinflößende Wesen. Glücklicherweise werden die meisten zu Stein, sobald ein Sonnenstrahl sie trifft. Am Bergsfjord gibt es jedoch eine Ausnahme, den großen, freundlichen Senjatroll, mit Frau seiner Seite. Der humorvolle Erlebnispark voller Wesen aus dem norwegischen Volksglauben könnte kaum besser liegen als in dieser urtümlichen, mystischen Landschaft.

Hamn i Senja

Hamn i Senja, ein ehemaliger Industrie- und Handelsort, beherbergt heute ausschließlich Feriengäste. In den 1880er Jahren wurde hier einige kurze, jedoch intensive Jahre lang Nickel abgebaut. Hamn war zudem der erste Ort Nordnorwegens, der elektrischen Strom erhielt.

Torsken und Gryllefjord

Nur ein kleiner Berg trennt diese beiden Küstenorte und Konkurrenten. Gryllefjord, der größere, ist abhängig von der Fischindustrie und geprägt von einer kompakten, farbenfrohen Bebauung. Das viel kleinere Torsken beherbergt ein Kleinod, die kleine Holzkirche aus den 1780er Jahren, deren Ornamente bis in das Mittelalter zurückreichen.