Nordnorwegen wirklich verstehen zu wollen bedeutet, sich mit der Kultur der Samen auseinanderzusetzen. Der Winter ist hierfür bestens geeignet: Ein Gastaufenthalt im Lavvo, eine Fahrt mit dem Rentierschlitten, Museen und Festivals oder die aktive Beteiligung beim Hüten der Rentiere bieten unvergessliche Einblicke in einen faszinierenden Kulturkreis am Rande Europas.

Traditionell und modern zugleich

Seit mindestens 2000 Jahren ist die Kultur der Samen ein fester Bestandteil Nordnorwegens. Während noch vor einigen Jahrzehnten der „zehnminütige Besuch eines Samenlagers“ im Rahmen international organisierter Busreisen üblich war, nehmen die Samen das Besuchermanagement heute selbst in die Hand. Die Einnahmen tragen zur Erhaltung der samischen Kultur bei. Wer mit dieser auf Tuchfühlung gehen möchte, hat folgende Möglichkeiten:

Besuch eines Samenzeltes

Im Lavvo am Lagerfeuer zu sitzen und den mystisch anmutenden Klängen der Joiks zu lauschen, gehört zu den eindrucksvollsten Erlebnissen eines Nordnorwegen-Aufenthalts. Dabei gibt es wohltuend heiße Bouillon vom Ren, einen stärkenden Rentier-Eintopf und zum Nachtisch Moltecreme, anschließend wird duftender, grob gemahlener Kaffee filterlos über dem Feuer gebrüht, während spannende Anekdoten die Runde machen. Besuchern sind derartige Erlebnisse sowohl in den größeren samischen Siedlungsgebieten als auch bei einigen teilnomadisch lebenden Rentiersamen möglich, die in Nordnorwegen verstreut anzutreffen sind. Das Lavvo ist übrigens so praktisch, dass es mittlerweile auch von Nichtsamen gerne genutzt wird. Man darf jedoch unbesorgt sein: Erlebnisangebote, die als „samisch“ deklariert sind, sind garantiert echt!

Mit dem Rentierschlitten über die Tundra

Der traditionelle Rentierschlitten, auf dem man früher im Winter die Nordkalotte überquerte, ist heute zwar längst dem Auto und Motorschlitten gewichen, erfreut sich jedoch als Sportdisziplin und Freizeitaktivität noch immer großer Beliebtheit. Das beschauliche Gespann mit den gutmütigen Tieren eignet sich hervorragend, um die zauberhafte Winterlandschaft in aller Ruhe zu genießen.

  • In Kautokeino lädt Sokki Adventure zum Ausflug mit dem Rentierschlitten ein.
  • Sami Siida in Alta bietet kurze Schnupperfahrten.
  • In Tromsø bieten mehrere samische Familien Fahrten mit dem Rentierschlitten.

Mitarbeit auf der Winterweide

Das Leben in der Tundra besteht beileibe nicht nur aus Lagerfeuerromantik und sonntäglichen Spazierfahrten. Wer gerne auch einmal mit anpackt, kann die Rentierzüchter auch bei der Arbeit begleiten und erhält dabei einen guten Einblick in den traditionellen wie modernen Alltag auf der Winterweide.

  • Turgleder in Karasjok bringt Sie zum nächstgelegenen Lager einer samischen Familie mit Rentierherde. Sie begleiten die Familie in die Tundra und helfen mit, die Tiere zu hüten.
  • Bei Albmi in Beiarn lernen Sie, ein Lavvo aufzustellen und Bidos zu kochen, den traditionellen Rentierfleischeintopf.
  • Tromsø Lapland, ein in Kautokeino ansässiger Anbieter, lädt am Ende des Winters zum Frühjahrsabtrieb der Rentiere ein. 

Samische Festivals erleben

Wer die Gelegenheit hat, eines der winterlichen samischen Festivals zu besuchen, erlebt farbenfrohe Samentrachten, traditionelle und moderne samische Musik und vielleicht auch einen Rentierschlitten-Wettkampf.

  • Skabmamannu ist ein Polarnacht-Festival der Samengemeinde Lebesby.
  • Bei der Samischen Woche in Tromsø werden anlässlich des Tages der Samen am 6. Februar samische Traditionen begangen. Den Abschluss bildet die Rentierschlitten-Landesmeisterschaft, die mitten in der Stadt durch die lange, gerade Storgata verläuft.
  • Die Sami Music week in Alta feiert den Tag der Samen mit traditioneller und zeitgenössischer samischer Musik.
  • Die Gemeinde Tana organisiert ihr Winterfestival rund um den Finnmarksløpet, das nördlichste Hundeschlittenrennen der Welt, das im März durch das Gemeindegebiet führt.
  • Die samischen Osterfestivals am Ende des Winters bieten Großaufgebote samischer Kultur, wobei auch der Humor nicht zu kurz kommt.

Samische Kultur erklärt

Um Einblicke zu erhalten und Zusammenhänge zu verstehen, sollte man einige der regionalen Museen in die Reiseplanung einbeziehen, die zu den schönsten des Landes gehören. Sie sind ganzjährig geöffnet, während viele kleine Freilichtmuseen nur im Sommer zugänglich sind.

  • Die «Samischen Sammlungen» in Karasjok vermitteln einen tiefen Einblick in Duoddji – das Handwerk und die traditionellen Lebensformen der Samen.
  • Das Freilichtmuseum Kautokeino vermittelt den traditionellen Alltag in der vermutlich abgelegensten Gemeinde des Landes.
  • Die beiden samischen Kulturausstellungen des Museums Tromsø haben einen hohen künstlerischen Wert.
  • Das Samische Zentrum für Zeitgenössische Kunst zeigt aktuelle Entwicklungen der samischen Kunstszene.