Niemand ist fotogener als die majestätische Aurora borealis – ihre flatternde, mystisch strahlende Stola ist allerdings eine Herausforderung. Mit einer geeigneten Kamera lassen sich jedoch Aufnahmen machen, die man selbst nicht für möglich gehalten hätte.

Schwierigstes Fotomotiv

Vor dem Aufkommen der Digitalkamera zählte die Nordlicht-Fotografie noch zu den Herausforderungen, die wenigen Könnern vorbehalten war. Nun strömen fantastische Nordlichtfotos durch die sozialen Medien und wecken unweigerlich den Wunsch, den Profis nachzueifern. Die gute Nachricht ist, dass tatsächlich auch Laien schöne Ergebnisse erzielen können.  www.nordnorge.com fragte den erfolgreichen Nordlichtfotografen Petter Formo auf Sandhornøya südlich von Bodø, was man dafür braucht. Hier folgt eine Zusammenfassung seiner Tipps.

Diese Ausrüstung braucht man

Heute gibt es viele preiswerte und dennoch gute Kameras im Handel. Dasselbe gilt für das nötige Zubehör. Es kommt also nicht auf eine bestimmte Kamera an – wohl aber auf solide, warme Kleidung!

  • Ein Fotoapparat, der sich auch manuell bedienen lässt (M), z. B. eine Spiegelreflexkamera oder eine Hybridkamera. Seit kurzem können auch hochwertige Handykameras eingesetzt werden – allerdings nicht bei Vollautomatik.
  • Ein Stativ. Bei Nachtaufnahmen muss man mehrere Sekunden lang belichten – viel zu lange, um die Kamera mit der Hand ruhig halten zu können. Im Notfall kann man sie auf einem Geländer oder großen Stein aufsetzen.
  • Eine Fernsteuerung der Kamera ist sehr hilfreich, weil dann die Kamera beim Auslösen des Bildes nicht erschüttert wird. Man kann auch den Selbstauslöser betätigen, dann bleibt die Kamera im Moment der Belichtung ebenfalls unberührt. Viele Modelle lassen sich auch über das Handy fernsteuern.
  • Eine Stirnlampe – um die nötigen Einstellungen im Dunkeln vorzunehmen.
  • Vollständig geladene Akkus und am besten auch Ersatzakkus – Kameraakkus entladen sich in der Kälte rascher als sonst. Eine zusätzliche Speicherkarte ist auch nicht verkehrt – man weiß nie, ob Aurora nicht eine Extravorstellung plant.
  • Warme Kleidung mit Wollunterwäsche, Mütze und Fäustlingen, am besten auch ein heißes Getränk in der Thermoskanne – für die unvermeidliche Wartezeit auf der Jagd nach dem Nordlicht bei klirrender Kälte.

So stellt man die Kamera ein

Für die folgenden Tipps darf man gerne den Fotoapparat mit auf den Tisch legen, ebenso die Gebrauchsanleitung.

  • Stellen Sie den Fotoapparat auf „manuell“ ein („M“ am Funktionsrädchen).
  • Wählen Sie die größtmögliche Blendenöffnung. Die meisten Objektive haben eine maximale Blende von 3,5. Petters Kamera ermöglicht eine Blende von 2,8 – so gelangt noch mehr Licht durch das Objektiv.
  • Stellen Sie den ISO-Wert korrekt ein. Wer eine etwas ältere Kamera hat, sollte nicht über 1600 gehen, ansonsten fällt die Körnung des Fotos zu groß aus. Petters Kamera kann auch bei einem ISO-Wert von 6000 noch scharfe Nordlichtbilder aufnehmen. Der ISO-Wert lässt sich auch unterwegs anpassen.
  • Die Belichtungszeit sollte bei 10-15 Sekunden liegen. Zeigt sich das Nordlicht nur als weißer Dunstschleier, durch den die Sterne funkeln, kann man mit langen Belichtungszeiten von über 20 Sekunden arbeiten. Bei einem dynamischen, großen Nordlicht käme dabei nur ein grüner Klumpen heraus –in diesem Fall reichen 3-4 Sekunden aus, manchmal auch weniger als 1 Sekunde. So kann man auch die violetten Schleier mit rosa Rand einfangen, und auch die stab- und strahlenartigen Gebilde werden sichtbar.
  • Die Einstellung der Bildschärfe ist zugegebenermaßen etwas anspruchsvoll. Hier gibt es mehrere Möglichkeiten je nach Art des Objektivs. Befindet sich eine liegende Acht auf dem Objektiv, verfügt die Kamera über den Fokus unendlich, der für die Nordlichtfotografie geeignet ist.  Alternativ kann man das Objektiv auf den manuellen Fokus umstellen (nicht im Menü, sondern am Objektiv) und dann einen Stern oder ein anderes helles Objekt scharf stellen. Dann zoomt man den Stern heran und überprüft die Schärfe noch einmal. Durch Drehen am Objektiv lässt sich die Schärfe nun exakt einstellen.
  • Die Kamera sollte an einem Stativ angebracht sein. Bei starkem Wind sollte man das Stativ zusätzlich festhalten, oder man hängt zur Stabilisierung einen Beutel mit einem Stein daran. Teurere Stative sind oft schwerer und standfester.

Wer mit Begriffen wie „Blendenöffnung“ und „Belichtungszeit“ erst einmal nichts anfangen kann, ist gut bei einem der zahlreichen Fotokurse aufgehoben, die an vielen Orten Nordnorwegens angeboten werden. Man sollte den Kurs gleich am ersten Abend belegen, um die frisch erworbenen Kenntnisse direkt anwenden zu können.

Die Wahl des Motivs

Petter fotografiert das Nordlicht am liebsten in der malerischen Landschaft von Sandhornøya, aber auch in der Stadt Bodø. Folgende Dinge sollte man bei der Motivwahl beachten:

  • Vermeiden Sie „lichtverschmutzte“ Bereiche. Die nordnorwegischen Großstädte senden ihre Lichtglocke bis zu 20 km weit in den Himmel. Petter, der auf der Insel Sandhornøy lebt, meidet das künstliche Licht der Stadt Bodø lieber. Ein kleiner Weiler oder eine Straßenlaternenkette in der Ferne machen sich jedoch gut im Bild. Natürlich kann man das Nordlicht auch in der Stadt fotografieren – Petter ist der beste Beweis dafür – doch das ist wesentlich anspruchsvoller, da die Intensität des künstlichen Lichts bei Belichtungszeiten von 20 Sekunden zu einem grellen Las Vegas-Effekt führt.
  • Suchen Sie ein schönes Motiv – einen monumentalen Baum, ein Bootshaus am Strand oder eine Bergkette in der Ferne.
  • Soll sich Ihr Nordlicht im Wasser spiegeln? Dann ist ein guter Standort am Fjord, an einem See oder direkt an der Küste gefragt.
  • Der schwierigste Teil sind die Menschen am „Set“: Sie müssen in der Lage sein, über die gesamte Belichtungszeit in völliger Unbeweglichkeit zu verharren –andernfalls erscheinen die Liebsten als gespenstische Wesen.

Zu guter Letzt haben wir noch einen Trick für Fortgeschrittene: Wer ein gutes Bildbearbeitungsprogramm hat, sollte das Dateiformat auf das Rohdatenformat einstellen (RAW). Dann hat man mehr Möglichkeiten, das Bild anschließend am Rechner nach den persönlichen Vorlieben zu bearbeiten, z.B. kann man zu grelle Lichtquellen zurücknehmen und das Nordlicht angemessen betonen, so dass das Bild genau wiedergibt, was man tatsächlich gesehen hat.

Angebote für Hobbyfotografen

Wer auf der Suche nach Inspiration ist, kann Petter auf Instagram und Facebook folgen. An vielen Orten Nordnorwegens werden Nordlichtsafaris angeboten, die meisten sind gerne bei der Kameraeinstellung behilflich.