Wie gedenkt man am besten eines Kriegshelden –mit Paraden und Denkmälern? Die Region Indre Troms hat ihre eigene Art: Hier findet bei besten Schneebedingungen eines der härtesten Langlaufrennen der Welt statt.

Skiklassiker

Der Reistadløpet wird seit 1958 in Indre Troms ausgetragen. Die 50 Kilometer lange Strecke führt von Setermoen über das Gebirge nach Bardufoss, wobei eine Höhendifferenz von über 500 Metern zu überwinden ist. Ab 2017 geht der Reistadløpet in die Visma Ski Classics ein, eine europaweite Serie von 13 Langlaufrennen im klassischen Stil.

Anspruchsvolle Strecke

Die Strecke verläuft über zwei Gebirgsstöcke. Nach dem Start am Artilleriplassen in Setermoen geht es zunächst durch flaches Wald- und Moorgelände. Dann allerdings kommt schon der erste, steile Anstieg auf den fast 600 Meter hohen Berg Orta, dem eine steile Abfahrt zur Kampenhütte folgt. Schließlich sind weitere rund 250 Höhenmeter auf das Sundlifjellet zu „knacken“, bevor die Endabfahrt die Teilnehmer nach Bardufoss führt.

Bei Ostersonne im Diagonalschritt über Naturschnee

Der Reistadløpet findet um den ersten April herum statt – in Nordnorwegen die beste Skisaison, denn zu dieser Zeit haben sich die Winterstürme ausgetobt, die Eiseskälte verliert an Biss und die Frühjahrssonne erkämpft sich bereits eine ganze Reihe von Schönwetterstunden. Auf der Sonnenseite der Berge gibt es schon spürbare Plusgrade. Dennoch frönen die Teilnehmer in meterdickem Naturschnee – Schneekanonen sind hier auch in Zeiten der Klimaerwärmung ein Fremdwort. Das steile Gelände ist für ungewachste Skier allerdings eine große Herausforderung, deshalb: Wachsen nicht vergessen und hinein ins Vergnügen – wie in guten alten Tagen!

Überraschungssieg

Ole Reistad war Sportler und Offizier. 1928 bestritt er sein Olympiadebüt in St. Moritz in der damaligen Disziplin „Militärpatrouille“, einem Vorläufer des heutigen Biathlons. Vor einer langen Abfahrt, weit hinter den Finnen liegend, animierte er seine Mannschaftskameraden zu einer unkonventionellen Verfolgungsjagd, die Norwegen schließlich tatsächlich den Sieg vor Finnland und der Schweiz eintrug.

Kriegsheld

1940 war Reistad Chef der Aufklärungsstaffel in Kjeller bei Oslo. Während des deutschen Angriffs gelang es ihm, die Fokker-Maschinen der Abteilung nach Bardufoss in Sicherheit zu bringen, woraufhin er zum Chef des nordnorwegischen Heeresfliegerdienstes ernannt wurde. Bei den Kämpfen um Narvik spielte er eine tragende Rolle. Ende 1940 setzte er sich über die Sowjetunion nach Kanada ab, wo er von der Basis „Little Norway“ bei Toronto aus auf vorbildliche und motivierende Weise die norwegische Luftwaffe aufbaute. Nach dem Krieg wurde er Chef der nordnorwegischen Luftstreitkräfte, die er bis zu seinem Tod 1949 laufend weiterentwickelte.

Seit 1958

Der Reistadløpet wurde erstmals 1958 ausgetragen. Damals hatte er noch eine deutlich militärische Prägung, weshalb auch die Disziplinen Schießen und Entfernungsschätzung enthalten waren. Mit der Zeit entwickelte sich das Rennen jedoch zu einem zivilen Volksfest mit intensiver Beteiligung lokaler Sportler in zahlreichen Klassen bis hin zur Fitnessklasse ohne Zeitabnahme. Der Elitelauf jedoch findet wie einst auf der Langdistanz statt.

Die großen Skirennen

Ab 2017 wird der Reistadløpet Teil einer prestigeträchtigen Serie von europaweiten Langlaufrennen unter dem Dach der Organisation Visma Ski Classics. Auch der schwedische Vasaloppet, der italienische Marcialonga und der Birkebeinerrennet im Südosten Norwegens gehören zu den insgesamt 13 Veranstaltungen, bei denen sich die besten Langläufer und -läuferinnen der Welt messen.

Reistadløpet auf eigene Faust

Wer ein bisschen Wettkampfluft schnuppern möchte, ohne gleich selbst teilzunehmen, kann die Strecke auch auf eigene Faust begehen. Alexander Os vom Organisationskomitee schlägt vor, am Skistadion Setermoen zu starten und bei der Kampenhütte abzukürzen. So ergibt sich eine wunderschöne, etwa 30 km lange Tour, die wir ab Ende Februar bis in den April hinein empfehlen. Wichtig sind die richtige Tourenausrüstung und genügend Proviant, siehe die empfohlene Packliste des norwegischen Wandervereins DNT, denn es gibt keinerlei Bebauung an der Strecke. Dafür umso faszinierendere Landschaftserlebnisse: Auf der letzten Anhöhe etwa reicht der Blick vom Fjord in Sørreisa bis hin zur schwedischen Grenze im Südosten!

 

Zum Reistadløpet anreisen

Es ist relativ einfach, das Skiereignis live mitzuerleben: Der Flugplatz Bardufoss liegt nur wenige Kilometer vom Zieleinlauf entfernt. Eine interessante Alternative ist der Flug nach Tromsø oder Harstad/Narvik mit Hotelunterkunft in einer der Städte.