Beeren aus dem Wald und Gebirge, heimische Speiserüben, Lamm-, Schneehuhn- und Rentierfleisch, Seelachs und Heilbutt: der nordnorwegische Herbst ist eine segensreiche Zeit kulinarischer Genüsse.

Der Beerenherbst

Moltebeeren wachsen in allen nordnorwegischen Mooren. Mancherorts handelt es sich um Privateigentum, in den meisten Gebieten dürfen Moltebeeren jedoch frei gepflückt werden. Sie werden im Kuchen oder in Desserts verspeist und wer viel davon hat, genehmigt sich Molte-Marmelade zum Frühstück. Blaubeeren finden sich in großen Mengen in den trockeneren Waldgebieten und im Gebirge, sie sind in der Regel Anfang August reif. Preiselbeeren werden im September gepflückt, sie wachsen auf trockener Heide und Waldboden. Im Norden stellen sie eine obligatorische Beilage zu Fleischgerichten aller Art dar und sind auch als Dessertzutat sehr beliebt.

Pilze

Das Pilzesammeln ist in Nordnorwegen eine relativ unbekannte Tradition. Besucher aus Mittel- und Osteuropa sind zuweilen sehr erstaunt, dass hier kaum jemand Pfifferlinge, Steinpilze und andere Speisepilze sammelt –denn im August ist der Wald voll davon und der Korb füllt sich im Handumdrehen. Wer unsicher ist, findet an einigen Orten Pilzberatungsstellen.

Kartoffeln und Gemüse

Kartoffeln werden in Nordnorwegen im September geerntet, sowohl die zarten, ovalen Mandelkartoffeln als auch die runden, gelben Gulløye-Kartoffeln (”Goldauge”), die Markenschutz genießen, sowie viele weitere lokale Kartoffelsorten. Die gelben Målselv-Rüben sind knackig, süß und saftig und lassen sich nahezu wie Äpfel verspeisen. Da man in Nordnorwegen die meiste Zeit des Jahres von Importgemüse abhängig ist, stellt der Genuss von Möhren, Kohlrabi, Mangold und weiteren Gemüsesorten aus der Region von August bis Anfang Oktober einen sehnsüchtig erwarteten Höhepunkt dar.  

Aus dem Meer

Im Spätsommer zieht der Seelachs an die Küste. Wegen seiner etwas gräulichen Fleischfarbe ist er im Ausland nicht so nachgefragt. Die Einheimischen jedoch wissen, dass er der beste Speisefisch ist. Man kann ihn gleich am Strand mit Meerwasser kochen und mit Flachbrot anrichten, ihn mit Leber und Rogen als Seelachs-Mølje zubereiten oder als Seelachs-Steak mit gebratenen Zwiebeln und Rohkost genießen. Etwas später im Herbst wird Heilbutt gefischt. Dieser edle Speisefisch wird gedämpft oder gebacken und mit Kartoffeln und einer guten Sauce serviert. Das Fett wird getrocknet und als traditionsreiche Knabberei verkauft.

Wild

Die Schneehuhnjagd ist ein jährliches Ereignis und mit langen Touren durch Wald und Gebirge verbunden. Die meisten Schneehühner werden von den Jägern selbst verspeist, manchmal kann man jedoch in guten Restaurants eine Portion ergattern. Elch ist etwas leichter zu bekommen, vor allem als Dörrwurst und Gehacktes. Rentierfleisch dagegen ist allgemein zugänglich und wird gerne mit schmackhaften Wildsaucen, Wacholderbeeren, Herbstkartoffeln und grünem Gemüse serviert.

Lamm

Im Herbst werden die Schafe aus dem Gebirge ins Tal geholt. Dann gibt es frisches Lamm. Lofoten-Lamm, Heidelamm, Weideschaf: die Tiere haben nicht nur verschiedene Namen, auch das Aroma unterscheidet sich etwas. Wer an einem herbstlichen Sonntag am frühen Nachmittag durch die Wohngebiete spaziert, wird zuweilen den Duft von Fårikål vernehmen, einem beliebten Gericht aus Lamm- oder Schaffleisch, das schichtweise mit Kohl und ganzem Pfeffer zubereitet wird. In den Restaurants gibt es im Herbst Lamm in allen Varianten.