Im August und September tauschen wir den Sommer gerne gegen die Freuden des Herbstes ein – nun ist die Saison der Beerenernte und flammender Farbenspiele. Die wachsende Dunkelheit am Abend gewährt dem Nordlicht eine zunehmend breite Bühne für seinen Tanz auf leichten Füßen.

Dunklere Abende

Am 30. Juli taucht die Mitternachtssonne am Nordkap erstmals ins Meer. Nun zieht allmählich wieder nächtliche Dunkelheit über Nordnorwegen herein. Zunächst wird es nur um Mitternacht ein wenig dämmrig, mit der Zeit gehen jedoch auch die Straßenlaternen wieder an und die Menschen genießen den Abend bei Kerzenschein. Immer hört man dann auch «Ich finde das gemütlich…».  Bis zur Tag-und-Nachtgleiche am 21. September sind die Abende jedoch noch relativ hell. Anfang August werden die höchsten Jahrestemperaturen gemessen, es kann aber auch vorkommen, dass die Bergspitzen morgens schon überzuckert sind. Der Schnee verschwindet jedoch schnell wieder, denn der Winter ist noch Monate entfernt.

Auf Bergtour

Im August ziehen sich die Bremsen und Mücken im Wald zurück, ebenso die Altschneereste im Gebirge, das Wasser in Bächen und Seen ist klar und die Temperaturen sind angenehm. Viele warten bis jetzt, um die höchsten Gipfel zu erklimmen, auch weil die klare Luft gute Sicht bietet. Die Hundstage im August erreichen oft sommerlich warme Temperaturen, während herbstliche Touren im September einen Wollpullover im Gepäck für alle Fälle erfordern.

Farbenspiel von Sommer bis Herbst

Der August ist vom überbordenden Lila der Weidenröschen am Straßenrand geprägt, von intensiv roten Vogelbeeren und tiefgrünem Laub. Ende August färbt sich die Zwergbirke im Gebirge ocker mit randlichem Orange und das Blaubeerkraut wird flammend rot. Im September kriechen die Farben in den Waldgürtel hinab – erst die zitronengelbe bis signalrote Espe, dann erhält die Vogelbeere einen tiefgelben bis leuchtend orangen/tiefroten Anstrich, der schließlich ein überraschendes Lila annimmt. Etwa zeitgleich kleidet die Birke ganze Berghänge in Knallgelb. Ein oder zwei Wochen lang prägen intensive Farben die Landschaft, dann fegt ein Herbststurm sie hinweg.

Das Nordlicht

Die ersten Strahlen des Nordlichts erscheinen bereits Mitte August, wenn die Dunkelheit der Nacht zurückkehrt. Erfahrene Nordlichtjäger fangen dann zuweilen schon fantastische Bilder der ersten zarten Schleier ein. Alle anderen sollten bis September warten. Ab der Tag-und-Nachtgleiche am 21. September bestehen bereits optimale Chancen, Auroras Vorstellungen beizuwohnen – bei angenehm milden Herbsttemperaturen.

Der Beerenherbst

Im Norden erwartet man den Beerenherbst mit Freude. Die orangen Moltebeeren der Bergheide gelten als Delikatesse - manchmal schon im frühen August im Überfluss vorhanden, während jedoch auch ein Übermaß an männlichen Blüten oder ein später Frühjahrsfrost die Ernte vernichten können. Die Blaubeeren im August sind eher von der richtigen Kombination aus Regen und Sonne abhängig. Die Preiselbeeren im September sind säuerliche Vitaminbomben mit einer langen Haltbarkeit. Die Schwarze Krähenbeere ist weniger schmackhaft, wird jedoch gepflückt, um einen dunkelroten Saft daraus herzustellen. Das Sammeln von Pilzen ist im Norden weniger verbreitet, weshalb Pilzliebhaber im August teils köstliche Pilzarten finden.

Schulbeginn

In der dritten Augustwoche beginnt die Schule wieder. Dies ist der Startschuss für zahlreiche gesellschaftliche Aktivitäten. In den Universitätsstädten prägen frisch gebackene Studenten das Leben. Chöre, Orchester und Vereine treffen sich wieder – kurz gesagt, das normale Leben beginnt wieder und man trifft auf glückliche, nach den Sommerferien ausgeruhte Nordnorweger, die für den Alltag bereit sind. Die Kulturhäuser, Theater, Orchester und Galerien präsentieren ihr Herbstprogramm und in den Bars und Cafés herrscht allgemeine Wiedersehensfreude.