Eine Stunde flussaufwärts über den Reisaelva, zwischen steilen Berghängen und tiefem Kiefernwald, liegt der 269 Meter hohe Wasserfall Mollisfossen. Nur wenige Menschen haben bislang den Regenbogen gesehen, der sich in der gewaltigen Gischt spiegelt, denn der Mollisfossen in Nordreisa in Troms ist noch weitgehend unentdeckt.

Über den Reisafluss

Ein langes, schlankes Boot mit ortskundigem Bootsführer trägt uns den Fluss hinauf. Am Ufer wachsen Birken, Erlen und Espen, die Heideflächen weiter oben sind mit dichtem Kiefernwald bedeckt. Hier und da sehen wir Boote, die am Ufer flussaufwärts gezogen werden, und aufgeschlagene Zelte. Es ist Lachssaison und die Lachsangler machen gerade ihren Mittagsschlaf. Die Landschaft wird allmählich wilder und die steilen Berghänge rücken immer näher an das Ufer heran, bis sich das Tal zur Schlucht verengt. Kleine Bäche sprudeln malerisch über den glatten Fels und suchen sich ihren Weg durch Geröllhalden.  

Kreuz und quer mit dem Flussboot

Unser Bootsführer fährt mitten auf dem Fluss, reißt das Gefährt jedoch plötzlich herum in Richtung Flussufer, wo wir uns unter niedrigen Birkenzweigen hindurch ducken. An einigen Stellen teilt sich der Fluss in mehrere schmale Arme auf, andernorts türmen sich Kiesbänke auf oder Felsblöcke versperren den Weg – doch das Boot windet sich gekonnt an allen Hindernissen vorbei. Plötzlich verspüren wir jäh kurze Schläge gegen das Boot – wir überwinden gerade eine Stromschnelle – und ebenso schnell finden wir uns in ruhigem Fahrwasser wieder. Einige Male schrammt das Boot nahezu am Grund entlang, was sich im Spätsommer nicht ganz vermeiden lässt. Doch unser Bootsführer kennt den Fluss wie seine eigene Westentasche und weiß genau, welche Route am sichersten ist.

Zum Wasserfall

Der Wasserfall ist bereits vom Fluss aus zu sehen. Wir werden am Ufer abgesetzt und folgen einem Pfad in den Wald, während der Wasserfall bereits deutlich zu hören ist und zwischen den weißen Birkenstämmen hindurchblitzt. Dann offenbart er sich in all seiner Pracht über einer Blumenwiese übersäht von Storchschnabeln, Trollblumen und Pechnelken. Der Anblick der herabstürzenden Fluten ist überwältigend, Worte sind überflüssig. Und das ist auch gut so, bei den tosenden Wassermassen würde man ohnehin nichts verstehen.

Ganz nah dran

Direkt am Fels können wir in den Kolk unter dem Wasserfall blicken, über dem das Sonnenlicht in der Gischt einen Regenbogen abbildet. Das in den Kolk stürzende Wasser erzeugt starken Wind, der an der gegenüberliegenden Seite den Hang hinauf fegt, schwer von der ewigen, im Sonnenlicht glitzernden Gischt. Wir schießen eine Menge Fotos, verbringen jedoch die meiste Zeit damit, mit den Augen fasziniert den Wassermassen bis hoch in die Schlucht hinauf zu folgen. Anschließend genießen wir den Lagerfeuerkaffee unten am Fluss, erfüllt von den Eindrücken des Tages.

Der Mollisfossen

Der Mollisfossen hat eine Fallhöhe von insgesamt 269 Metern, 140 Meter davon im freien Fall. Er liegt im Fluss Mollešjohka, direkt an der Mündung in den Reisaelva und ist einer der höchsten Wasserfälle Nordnorwegens, zudem einer der schönsten in ganz Norwegen. Aufgrund seiner Abgelegenheit ist er noch immer ein Geheimtipp. Im Sommer verkehren jedoch regelmäßig Boote zum Wasserfall. Die Fahrt dauert etwa eine Stunde einfach und beinhaltet eine knappe Stunde Aufenthalt am Mollisfossen, während der Bootsführer unten am Flussufer ein Lagerfeuer anzündet und Kaffee kocht.

In die Wildnis

Der Mollisfossen liegt am Eingang des Nationalparks Reisa, einer großen, unberührten Wildnis, die sich über den gesamten inneren Teil von Nordreisa sowie in die Gemeinde Kautokeino in Finnmark erstreckt. Bergerfahrene Besucher starten hier längere Touren, die in Kautokeino oder in Kilpisjärvi in Finnland enden – fantastische Wanderungen, die eine gute körperliche Konstitution, Erfahrung und Ausrüstung erfordern. Kürzere Touren, beispielsweise zur Nedrefosshütte und zum Imofossen, sind ebenfalls möglich –In diesem Fall muss man jedoch mit dem Veranstalter Elvebåtsenteret vereinbaren, dass man abgeholt wird. Alternativ kann man auch ein Kanu das Flusstal hinauf tragen und anschließend den Fluss hinunter paddeln. Der Reisaelva ist einer der besten Lachsflüsse Norwegens, der auch große Meeresforellen beherbergt. Die Fischer nutzen hier natürlich Flussboote als Transportmittel.

Leicht zugängliches Ziel

Die Tour zum Mollisfossen ist für Groß und Klein, für Senioren und sogar viele Behinderte geeignet, denn sowohl die Bootsfahrt als auch der kurze Spaziergang zum Wasserfall sind leicht zu meistern. So gesehen ist das Angebot eine einzigartige Möglichkeit, unberührte Wildnis zu erleben. Vom Gemeindezentrum Storslett fährt man eine knappe Stunde über die Streusiedlungen im Reisatal nach Bilto, bzw. Saraelv, wo die Straße endet und die Wildnis das Zepter übernimmt.

Zwei Firmen bieten Flussfahrten an (am besten mit Vorbuchung):