Stellen Sie sich eine leichte Wanderung in großartiger, unberührter Natur aus Bergen, Tälern und Wasserfällen vor. Legen Sie dann eine große Menge Kulturgeschichte und ein Drama aus unglücklicher Liebe dazu, dann haben Sie den Wanderweg Rallarveien bei Narvik.

Ein Arbeitsweg

Der Rallarveien wurde nicht für Touristen gebaut, sondern war eine Hauptverkehrsader während des Baus der Ofotbahn. Der Bau ging in zwei Etappen voran. Erst baute eine englische Gesellschaft in der Zeit zwischen 1885 bis 1889 eine Bahn von Narvik nach Katterat, bevor das Unternehmen in Konkurs ging. Die Arbeit wurde 1898 wieder aufgenommen, bis sie 1902 abgeschlossen war. In diesen beiden Zeiträumen wurde das Gelände von umherreisenden Bahnarbeitern, den sogenannten Rallars, eingenommen. Diese gründeten ganze Dorfgemeinschaften um den Bau der Bahn. 1902 packten sie zusammen und zogen weiter.

Die Natur

Das Hundalen (das Tal der Bärenjungen) ist ein menschenleeres Tal zwischen der schwedischen Grenze und dem Rombaksbotn. Es ist  umgeben von Bergen und schneebedeckten Gipfeln. Hoch oben an der südlichen Talseite geht die Bahn entlang, was man aber hört ist der Wasserfall. Der helle, leichte Birkenwald oben am Katterat wird immer dichter, je weiter man hinab kommt. Hier wachsen Espen, Kiefern und Ebereschen. Der Waldboden ist bedeckt mit Farnen und Blumen.

Katterat

Der hübsche, rot bemalte Bahnhof von Katterat, ist umgeben von Wohnhäusern aus der Zeit, als Katterat eine kleine Bahnhofsstadt für die Bahnangestellten und ihre Familien war (etwa 30 – 40 Menschen). Sogar eine Parkanlage gibt es hier. Ästhetik und Bürgerinformation waren damals wichtig für den Bau von Bahnhöfen. Heute werden die alten Wohnhäuser als Hütten genutzt. Katterat wurde verlegt, als die Gleisumstellung in den 60-iger Jahren automatisiert wurde.

Das Leben der Rallars

Entlang der ganze Route treffen wir auf die Spuren der Rallars. Gleich unterhalb von Katterat liegen die Mauerreste der Häuser, die dort zur Zeit der Engländer standen. Daneben findet man auch die Reste eines Kraftwerks für die neuen Druckluftbohrer, die hier getestet wurden. Am andern Flussufer kann man einen Mast erkennen, der Teil einer Seilbahn war, die Baumaterial transportierte. Himbeeren, Johannisbeeren und Weidenröschen weisen auf Spuren menschlicher Aktivität hin.

Cognac-Nisse

Am Wasserfall Storfossen steht ein großer Stein. Hier stand eine einfache Hütte mit diesem Stein als vierte Wand, in der der Cognac-Nisse sein Cafè zur Zeit des Eisenbahnbaus betrieb. Alkohol war auf dem Arbeitsgelände verboten, aber der Cognac-Nisse umging gewitzt die Polizei. Er nahm Eheringe und Taschenuhren als Pfand. Am Ende der Bauzeit kam er auf das Gelände gestürmt und erzählte erschüttert, seine Frau hätte ihn mit all den gepfändeten Wertsachen verlassen. Später ging das Gerücht, er und seine Frau seien in der Bierhalle in Tromsø gesehen worden.

Der schwarze Bär

Eine der Legenden, die es entlang des Arbeitsweges gab, handelt von Svarta Bjørn, vom schwarzen Bären, einer Köchin, die möglicherweise Anna Rebekka Hofstad hieß. Den Beinamen bekam sie von einem Samen aus der Gegend, als er ihre große, starke Erscheinung und die dunklen Haaren sah. Viele, teils gegensätzliche Geschichten ranken sich um sie. Leidenschaftlich wurde sie mit Eifersuchtsdramen und unglücklicher Liebe verwoben. Sie starb entweder an Tuberkulose oder im Kampf mit einer anderen Köchin um den gleichen Mann. Das Holzkreuz mit der Inschrift „ Anna, Norwegen“ auf dem Rallarfriedhof in Tomehamn auf der schwedischen Seite, steht über ihrem vermutlichen Grab. Da sowohl ihre Identität als auch der Handlungsverlauf äußerst unklar sind, wachsen die Mythen um sie im Volksmund, in Literatur, in Liedtexten und im Film.

Die Schwesternbäche

Während man zwischen silbernen Birkenstämmen durch das Tal wandert, kann man hoch oben zwischen den Baumkronen zwei Streifen erkennen, Søsterbekkene, die Schwesternbäche. Wild rauschen sie die Bergseite hinab, bevor sie unter der Fußgängerbrücke ineinander fließen. Wenn man sich einen Rallarhut besorgt hat muss dieser lautet Tradition in den Schwesterbächen getauft werden. Wenn Sie auf einen Hügel unterhalb des Weges steigen, haben Sie eine gute Aussicht über den flachen Talboden, der 1959 von der Sturmflut überschwemmt wurde.

Rombaksbotn

Fast unten am Meer liegt die alte Gleisarbeiterstadt. Zur aktiven Zeit wohnten rund 500 Menschen hier. Es gab Läden, Frisöre, eine Kegelbahn, eine Limonadenfabrik, Hotels und Kneipen. Im „ Jokkeborg“ wurden Dienste von eher niederem Charakter angeboten. Als die Bahn fertiggestellt war, wurden die Holzhäuser abgebaut und an einen anderen Ort geschafft. Es gibt sie über ganz Ofoten verteilt. Um die ganze Stadt vor sich zu sehen braucht man die Hilfe guter Infotafeln. Die Natur hat sich Rombaksbotn nämlich zurückgeholt.

Wanderung auf dem Rallarveien

www.nordnorge.com suchte sich die einfachste Variante aus. Wir fuhren mit dem Zug bis Katterat und wanderten die sechs Kilometer hinab zum Rombaksbotn. Von hier aus wurden wir zurück nach Narvik mitgenommen. Man kann aber auch am Bahnhof in Bjørnfjell aussteigen. Dann ist die Wanderung 13 km lang, geht aber abwärts. Der Weg ist gut instand gehalten und hat Stufen. Jeder, der gut zu Fuß ist kann ihn also benutzen. Die Tour ist nicht anstrengend, da es bergab geht. Unterwegs gibt es viele Bänke und Plätze für Lagerfeuer.  Das imponierendste aber sind die vielen Infotafeln entlang des Weges. Sowohl Fakten als auch Legenden werden mit Hilfe von Text und Schwarz-Weiß-Bildern vermittelt. www.destinasjonnarvik.no hat alle praktischen Informationen für Sie.