Das Nordkap ist ein Reiseziel vergleichbar mit dem Kap der guten Hoffnung oder dem Kap Horn – man muss es einfach gesehen haben. Das nördliche Ende Europas lässt den Besucher für einen Moment innehalten.

Der italienische Pfarrer Francesco Negri schrieb nach seiner Reise ans Nordkap 1664:

„Hier bin ich nun am Nordkap, am äußersten Punkt Finnmarks, und ich kann ohne Weiteres sagen am äußersten Punkt der Welt, denn weiter nördlich gibt es keinen von Menschen bewohnten Ort mehr. Mein Wissensdurst ist nun gestillt, und ich will nach Dänemark zurückkehren, und so Gott will, in mein Heimatland.“

Europas nördlichster Punkt

Das Nordkap liegt auf Magerøya, nördlich des 71. nördlichen Breitengrades und etwa 2000 km südlich des Nordpols. Der Felsen mit dem Plateau ragt 307 m senkrecht aus dem Nordpolarmeer. Etwas weiter den Berghang hinunter liegt die Klippenformation Nordkapphornet, eine alte Kultstätte der Samen. Blickt man vom Plateau nach links, sieht man die 1 km nördlich gelegene Landzunge Knivskjellodden. Genaugenommen müsste das Nordkap daher eigentlich zweitnördlichster Punkt Europas heißen.

Mitternachtssonne am Nordkap

Am nördlichsten Punkt Europas steht auch die Mitternachtssonne am längsten am Himmel (vom 14. Mai bis zum 29. Juli). Jedoch wird man sie nicht immer sehen können, da kalte und warme Meeresströme im Nordpolarmeer für eine Menge Nebel sorgen. Umso schöner ist es, wenn die Sonne dann doch mal über dem bronzefarbenen Meer steht – aber man kommt ja nicht nur wegen der Sonne, sondern auch um das „Ende der Welt“ zu sehen.

Das Nordkap im Winter

Reizvoll ist das Nordkap auch im Winter, das dann einmal täglich von einem Bus angesteuert wird, ggf. unterstützt durch einen Schneepflug. Gut gerüstet mit der entsprechenden Kleidung machen einem die niedrigen Temperaturen und eisigen Winde nichts aus.

Von Knyskanes zum Nordkap

Im Jahre 1553 umrundete der Kapitän Richard Chancellor das Nordkap auf der Suche nach der Nordostpassage nach Asien. Dort sah er einen aus dem Meer ragenden Felsen, den er North Cape nannte, das heutige Nordkap. Die Einwohner der Insel Magerøya, auf der das Nordkap liegt, benutzten jedoch viele Jahre lang noch den alten Namen Knystkanes. Richard Chancellor war im Übrigen bei seiner Suche nach einem Weg nach China kein Erfolg beschert. Aber er stieß auf die Bucht Kvitsjøen und legte damit den Grundstein für eine Handelsroute zwischen Westeuropa und Russland.

Berühmte Besucher

Der italienische Pfarrer Francesco Negri war der schriftlich nachweisbar (1664) erste Mensch, der das Nordkap bereiste. Später, 1795, besuchte Louis Philippe d’Orléans, der spätere König Ludwig der XVIII. von Frankreich, das Nordkap. Einen richtigen Sprung nach vorne erlebte der Tourismus aber erst 1873, als der junge Oskar II., König über Schweden und Norwegen, die 307 m von Hornvika zum Nordkap erklomm. 1907 bereiste auch Rama V., König von Siam (heute größtenteils zu Thailand gehörend), das Nordkap.

Der Tourismus im Aufschwung

Ab dem ausgehenden 19. Jh. wurde das Nordkap ein beliebtes Reiseziel für Touristen aus Großbritannien, Deutschland und Frankreich. Passagierschiffe gingen in Hornvika vor Anker, und die Passagiere erklommen den Berg bis oben zur Spitze. 1892 baute man einen kleinen Pavillon auf dem Plateau, der aber den kräftigen Winden nicht standhielt. 1959 baute man einen Unterstand aus Stein, der seither mehrfach umgebaut wurde. Seit 1965 führt eine Straße zum Nordkap hinauf, sodass das Klettern unterbleiben kann. Heute suchen über 200 000 Menschen das Nordkap im Laufe des Sommers auf, und auch im Winter nehmen einige Touristen den Weg auf sich.

Man sollte sich Zeit lassen

Viele Reisende planen für den Nordkap-Besuch nur einen Abend ein, was sich jedoch als viel zu kurz erweisen kann. Manchmal spielt zudem das Wetter nicht mit. Man hat daher mehr davon, wenn man sich Zeit nimmt, die ganze Insel Magerøya zu erkunden. Von Gjesvær werden Vogelbeobachtungs-Touren auf der Westseite von Magerøya nach Gjesværstappan angeboten. Dort trifft man auf hunderttausende Papageientaucher, Tordalken, Trottellummen und Basstölpel. Vom nördlichsten Fischerdorf Skarsvåg erreicht man Kirkeporten, einen wie ein großes Tor geformter Felsen, durch dessen Öffnung man das Nordkap sieht. Trainierte Wanderer brauchen zur Landzunge Knivskjellodden und zurück 8 bis 9 Stunden. Von dort erblickt man das Nordkap aus südlicher Richtung. Danach hat man sich im Gasthaus Nøden in Honningsvåg wahrlich ein Bier verdient.

Weitere Information

Das Website des Fremdenverkehrsamtes, Visit Nordkapp, bietet noch viel mehr Information und praktische Auskünfte www.nordkapp.no