Ein Fischverarbeitungsbetrieb in Kjøllefjord aus der Wiederaufbauzeit wurde zum Museum, Kulturzentrum und Hotel. Wer hier ein wenig Zeit verbringt, erlebt traditionelle Küstenkultur und die Nostalgie der 1950er Jahre.

Küstenkultur

Der Fischannahme- und -veredelungsbetrieb Foldalbruket wurde 1946/47 errichtet. Er umfasst auch die Wohnung des Verwalters und die Quartiere für die Saisonarbeiter und Fischer. Das Ensemble aus der ersten Generation der Nachkriegs-Fischverarbeitungsbetriebe orientiert sich noch stark am traditionellen Baustil in dieser Küstenregion. Am Hang hinter den Gebäuden befinden sich die Trockenfischgestelle – Trockenfisch war die Haupteinnahmequelle.

Verwalterwohnung

Der Verwalter wohnte „standesgemäß“ – seine Wohnung gleicht einer Möbelausstellung aus den 50er Jahren. Ein Radiogerät, Sofas mit Springfedern und Armlehnen in Walnuss, geschwungene Wandleuchter und auf den Regalen verteilte Nippesgegenstände – das Interieur begeistert und weckt Erinnerungen. Die Küche mit schräg gestellten Schiebetüren und einem großen Tisch am Fenster ist in der Mitte des Hauses untergebracht, was bei Landhäusern nicht unüblich ist.

Büro und Arbeiterquartier

Im Büro des Verwalters sind die damals gebräuchlichen Rechenmaschinen und Auftragsbücher zu sehen. Auf der Rückseite des Hauses befindet sich ein Zimmer für die «Månedskaran» - Saisonarbeiter, die aus der Umgebung anreisten, um hier ihr Geld zu verdienen. Die Arbeiter waren zu neunt in dieser Kammer untergebracht und schliefen in Stockbetten – dafür mussten sie nur einen winzigen Obulus für ihren Aufenthalt entrichten. Ein Holzofen diente als Kochstelle und Heizung.

Museum

Die Produktionsanlage ist komplett erhalten. Die Besucher können mitverfolgen, wo der Fisch verarbeitet wurde, bevor er zum Trocknen auf die Gestelle gehängt und anschließend sortiert und exportiert wurde. Auch die Utensilien der Fischer und die Gerätschaften für die Fischveredelung sind ausgestellt. Außerdem zeigt ein Modell, wie Kjøllefjord vor dem Krieg ausgesehen hat: Weiß getünchte Wohnhäuser und Packhäuser am Wasser in Schwedenrot gruppieren sich um die kleine Kirche aus dem 18. Jahrhundert – all dies wurde 1944 Raub der Flammen. Die heutigen bunten Farben der Wohnhäuser in Kjøllefjord kamen also erst nach dem Krieg auf. Im Trockenfischspeicher erhält man einen geschichtlichen Überblick über die Finnmark, der die Kultur der Samen, die Besiedlung durch Norweger und die Aufteilung des Siedlungsgebietes der Samen auf Norwegen, Schweden, Finnland und Russland beleuchtet.

Fischerunterkünfte

Die „Zimmer“ waren Räume, die an die Mannschaften der Fischerboote vermietet wurden. Sie kamen vor allem aus der Region Troms und wohnten hier während ihres Aufenthaltes als Saisonfischer. Die meisten Fischer waren im Herbst, beim Frühjahrsdorschfang und im Sommer hier anzutreffen. In den 50er Jahren galt der Standard der Zimmer als gehoben. Die gemütlichen, farbenfroh eingerichteten Räumlichkeiten werden heute an Feriengäste vermietet, mit Zugang zu einer großen Küche aus den 50er Jahren und einem heute völlig unmodernen Wohnzimmer im Retro-Stil.

Streifzug durch die Geschichte

Gründer des Foldalbruket war Nils Foldal, der in den 1920er Jahren in den Fischhandel einstieg. Im November 1944 wurde die gesamte Bebauung Kjøllefjords während des Rückzugs der deutschen Truppen niedergebrannt oder anderweitig zerstört. Im Frühjahr 1945 kehrte Foldal an den menschenleeren Fjord zurück. Nach dem Neubau 1946-47 konnte er die Fischverarbeitungsanlage wieder in Betrieb nehmen, gefördert vom Lebensmittelmangel im kriegsgebeutelten Westeuropa.

Stilllegung und Neubeginn

Während das Unternehmen in den 1950er und 60er Jahren eine Blütezeit erlebte, traten in den 1970er Jahren zunehmend Schwierigkeiten auf. Die letzten Fischeinkäufe wurden 1980 getätigt. 1987 ging das Trockenfisch-Restlager nach Nigeria und die Anlage wurde stillgelegt. In den 1990er Jahren sprachen sich viele dafür aus, die Gebäude abzureißen. Der Küstenverein Kjøllefjord setzte sich jedoch für eine groß angelegte Restaurierung des Ensembles ein. Zehntausende ehrenamtlicher Arbeitsstunden über 15 Jahre hinweg erreichten schließlich, dass Kjøllefjord heute über eine Sehenswürdigkeit, Übernachtungsangebote mit Flair und ein stimmungsvolles Kulturhaus verfügt.

Kulturkalender

Der Küstenverein Kjøllefjord stellt alljährlich ein reichhaltiges, ganzjähriges Kulturangebot mit Konzerten und Veranstaltungen zusammen. An zentraler Stelle steht das Chrisfestival im Juni, dessen Name auf den verstorbenen Blues-Musiker Kristen Lyngedal aus Kjøllefjord zurückgeht.

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