Das Stadtzentrum von Tromsø ist die größte Ansammlung historischer Holzhäuser nördlich von Trondheim und eine der bedeutendsten Gebäudekonzentrationen im Empire-Stil.

Empire in Tromsø

Empire ist eine internationale Stilrichtung, die vom Griechenland und Rom der Antike inspiriert war, doch in Tromsø erhielt der Empirestil eine einheimische Note, man verwendete nämlich Holz anstatt Stein. Man sieht weiße Portale mit Halbsäulen und Zahnschnittfries an der Fensterumrahmung, und es ist alles aus Holz. Da Tromsø früh im 19. Jahrhundert heranwuchs, ist es vom Empirestil geprägt, und das Stadtzentrum bildet eine der bedeutendsten Gebäudekonzentrationen im Empirestil in Norwegen.

Eindrucksvolle Hofanlagen

Reiche Kaufleute in der heranwachsenden Stadt bauten Anlagen mit Hauptgebäuden, die in grau, weiß oder gelb gestrichen waren. Im Hinterhof lebten die Dienerschaft und die Haustiere, und hier baute man bescheidenere Häuser, die mit billiger, roter Tranfarbe gestrichen wurden. An den Hinterhöfen ist die Zeit nicht ganz so spurlos vorübergegangen wie an den Hauptgebäuden, aber an einigen Stellen gibt es gut erhaltene Hinterhöfe.

Vertäfelungen nach Bergenser und Trondheimer Art

Die Kaufleute waren oft jüngere Söhne von Kaufmannsfamilien in Bergen und Trondheim, die nach Norden zogen, um an der atemberaubenden Entwicklung in der Fischerei teilzuhaben. Sie brachten die Bautraditionen aus ihrer Heimatstadt mit. Das sieht man an den Häusern: waagrechte Vertäfelung aus Bergen und senkrechte Vertäfelung aus Trondheim. Bei einem Trondheimhaus befindet sich die Tür in der Mitte der Fassade, bei einem Bergenhaus gibt es eine Tür auf jeder Seite.

Arbeiterhäuser

Im Norden des Stadtzentrums, wo die Lichtverhältnisse schlechter sind, sowie südlich des historischen Zentrums lebten die Arbeiter. Die Arbeiterhäuser sind bescheidener, und häufig mit der billigen roten Farbe gestrichen, aber auch mit der blauen Farbe, von der es heißt, dass sie mit den russischen Pomoren aus Karelien gekommen sei. Einige von ihnen haben eine seltsame Form, weil sie kleine Anbauten haben, die hinzugefügt wurden, wenn die Arbeiterfamilie Geld hatte.

Brygger

„Brygger“ ist die Bezeichnung für Speicherhäuser, Packhäuser entlang des Strands. Sie wurden auf Pfählen ins Wasser hinaus gebaut, so dass ein Be- und Entladen vom Boot aus möglich war. Fotos aus der unmittelbaren Nachkriegszeit zeigen, dass die gesamte ans Meer grenzende Seite der Stadt aus solchen Kaihäusern bestand. Brände und Abbruch haben den Kaihäusern stark zugesetzt, aber einige wenige stehen in Tromsø noch.

Neogotik und Schweizerstil

Ab etwa 1850 wurde das Empire vom Historismus verdrängt. Der Historismus bezog seine Anregungen aus der ganzen Kunstgeschichte, nicht nur aus der Antike. In Tromsø wurde dieser Stil auf Holz „übertragen“. Der Dom von Tromsø und die kleine Vår Frue-Kirche, wurden beide im Stil der Neogotik gebaut. Der farbenreiche Schweizerstil mit den dekorativen Schnitzereien prägt sowohl Stadtbauten als auch Villen am Rande des Stadtzentrums. Kioske, die von Bauten aus dem Nahen Osten inspiriert waren, schmückten jede Ecke, und eine Handvoll davon ist erhalten.

Pflicht zu Mauerwerk

Der Stadtbrand in Ålesund im Jahr 1904 machte einen so starken Eindruck auf die Nation, dass an allen Marktorten die Pflicht zu Mauerwerk eingeführt wurde. Im Stadtzentrum gibt es eine Reihe von schönen Häusern im Jugendstil, jener Stilart, die das frühe 20. Jahrhundert prägte. Die großen Veränderungen im Stadtbild kamen jedoch erst in den 1960er Jahren, als Tromsø eine der am schnellsten wachsenden Städte des Landes war und das Alte dem Neuen weichen musste. Erst in den siebziger Jahren fasste der Gedanke des Bewahrens Fuß, und heute erscheint das Stadtzentrum von Tromsø wie eine ungeordnete Mischung aus Alt und Neu. Bildschön wird es wohl nie, aber es wird auch nie langweilig.

Mehr über Tromsø

Das Fremdenverkehrsamt www.visittromso.no bietet noch mer Tromsø-Information auf seinem Website. http://www.ub.uit.no/baser/arkinord/ is der Architekturführer für Nord-Norwegen, mit viel Tromsø-Architektur.