In Nordnorwegen spricht man vom Wetter wie von einem launenhaften Zeitgenossen: «Er ist heute sauer» ist tatsächlich ernst gemeint, denn der Alltag der Menschen spielt sich vor der Kulisse ungemein wechselhafter, aber deshalb auch ausgesprochen unterhaltsamer Darbietungen von oben ab. Von Besuchern hört man dagegen meist «Es ist gar nicht so kalt wie ich dachte!».

!Gracias México!

Aufgrund der gemäßigten Wassertemperaturen des Golfstromes kommen Nordnorwegen und Svalbard in den Genuss des weltweit mildesten Klimas in derartigen nördlichen Breiten. Auf der Insel Værøy, weit nördlich des Polarkreises, sinken die winterlichen Durchschnittstemperaturen in manchen Monaten nicht einmal unter den Gefrierpunkt – in Norwegen werden solche Perioden dann auch gar nicht als Winter eingestuft. Die Küste bleibt ganzjährig eisfrei – bis nach Südwest-Svalbard hinauf. 

Hochdruckeinfluss aus Russland

Im Sommer fegen zuweilen Hitzewellen aus Südost über Nordnorwegen, die für Tropennächte und Tagestemperaturen von über 30 Grad Celsius sorgen, oft mit den höchsten Temperaturen in der östlichen Finnmark. Vornehm blasse Nordnorweger am Strand erklären dann im Brustton der Überzeugung vor laufender Fernsehkamera, sie würden in Richtung Süden auswandern, sollte es noch wärmer werden. Ebenso häufig ist im Sommer der Nordostwind, der glasklare Sommertage mit Temperaturen von 12 bis 18 Grad bringt.  

Handschuhe für den Sommer

Übernimmt jedoch mitten im Juli der Nordwestwind die Regie, fallen die Temperaturen an der Finnmarksküste auf 4-5 Plusgrade ab und die Berggipfel in Troms präsentieren sich mit „Zuckerguss“. Winde aus Südwest sorgen hingegen für mildes, sehr feuchtes Wetter, wobei ganz im Süden die meisten Niederschläge fallen. Auf einer sommerlichen Ferienreise durch Nordnorwegen sollte man daher mit allem rechnen und für jedes Wetter gerüstet sein – mit Badehose und Sonnenbrille, aber auch Mütze und Handschuhen. Sonnenverwöhnte Nischen im Binnenland, etwa in Mo i Rana, Skibotn und Alta, weisen die höchsten Sommertemperaturen auf, während draußen im Atlantik frischere Temperaturen mit höheren Niederschlägen herrschen.

Der Herbst

Der nordnorwegische Herbst ist mild und lang. Herbststürme bringen hohe Niederschläge, während Hochdruckeinflüsse für milde, angenehme Tagestemperaturen und strenge Nachtfröste sorgen. Im Norden gibt es mit ziemlicher Sicherheit schon früh im September die erste kurzzeitige Schneedecke, während den Menschen im südlichen Helgeland meist erst zu Weihnachten die ersehnte weiße Pracht vergönnt ist.

Schneereicher Küstenwinter

In weiten Teilen der Nordlandsküste herrschen im Winter milde Temperaturen bei geringen Schneemengen, der laue Südweststurm im Hafen von Bodø gilt als eindrucksvolles Erlebnis. Die weiter landeinwärts gelegenen Fjordregionen, etwa in Narvik oder Mo i Rana, sind jedoch schneeverwöhnt. Kalte, feuchte Nordwestwinde lassen zuweilen die Küste der Vesterålen sowie von Troms und Finnmark im Schnee versinken. Bei Lawinengefahr werden Häuser in Hammerfest evakuiert und die Bewohner von Tromsø schippen auf ihren Dächern Schnee. Manchmal rast eines der gefürchteten polaren Tiefdruckgebiete plötzlich und unerwartet vom Nordpolarmeer auf die Finnmarksküste zu, so dass die Fluggesellschaft Widerøe den Betrieb kurzerhand einstellt und die Europastraße E6 gesperrt wird. Doch wie alle Wutausbrüche von oben geht auch dieser schnell vorüber.

Kalter, trockener Winter im Binnenland

Die weitläufige Tundra der Finnmarksvidda weist die niedrigsten Temperaturen des norwegischen Festlands auf. Karasjok hält den Kälterekord mit -51 Grad Celsius. Auch die inneren Teile der Regionen Troms, Salten und Helgeland haben ein typisches Kontinentalklima mit kalten Wintern bei stabilem Hochdruckwetter. Aufgrund der trockenen Luft spürt man die Kälte nicht so stark, weshalb man sich gut eingepackt durchaus eine Weile im Freien aufhalten kann, um dem Nordlicht nachzujagen – das sich ohnehin in den trockenen Regionen am häufigsten zeigt.

Kurzer, kraftvoller Frühling

Der Frühling ist die trockenste und sonnenreichste Jahreszeit. Im Saltfjell-Gebirge und in den Regionen Troms und Finnmark sowie auf Svalbard liegt weit bis in den April hinein Schnee, der zum Skifahren, Scooterfahren und Eisangeln einlädt, während man sich an der Küste der Region Nordland zu dieser Zeit bereits auf die Sonnenterrasse wagt. Im Mai setzt der Frühling den Skifreuden überall in Nordnorwegen ein Ende, doch vor einem späten Schneeschauer ist man auch dann noch nicht sicher: Die „Kalveria“ um Pfingsten herum konfrontiert die neugeborenen Rentierkälber schon im zarten Alter mit der harten Realität des Lebens.

Man spricht über das Wetter

Die folgende Liste zeigt die Durchschnittstemperaturen an ausgewählten Orten Nordnorwegens, von Süd nach Nord. In Küstenregionen wie Vega, Røst und Vardø herrscht ein relativ milder Winter, der Sommer ist jedoch kühl. Das Binnenland, beispielsweise um Mosjøen, Bardufoss, Alta und Karasjok ist von kalten Wintern und warmen Sommern geprägt. Bodø, Harstad und Tromsø liegen klimatisch gesehen dazwischen. 

  • Vega: 12,5 (Juli), -0,9 (Januar)
  • Mosjøen: 13,0 (Juli), -6,9 (Januar)
  • Bodø 12,5 (Juli), -2,2 (Januar)
  • Røst: 10,7 (Juli), 1,1 (Januar/Februar)
  • Harstad: 12,3 (Juli), -2,8 (Januar)
  • Bardufoss: 13,0 (Juli), -10,4 (Februar)
  • Tromsø: 11,8 (Juli), -4,.4 (Januar)
  • Alta: 13,4 (Juli), -8,7 (Januar)
  • Karasjok: 13,1 (Juli), -17,1 (Januar) 
  • Vardø: 9,2 (Juli), -5,4 (Februar)
  • Longyearbyen: 5,9 (Juli), -16,2 (Februar)

Rekorde seit Menschengedenken:

Die Finnmarksvidda hält sowohl den Kälte- als auch Wärmerekord, während das Obere Salttal am Polarkreis den wärmsten Sommer aufweist. Die Insel Røst, mitten im Golfstrom gelegen, hat den mildesten Winter. Auf der Insel Lurøy und in der Region Helgeland regnet es ganze 3 Meter im Jahr, während das Divital in der inneren Region Troms von einem trockenen Steppenklima geprägt ist. Sogar auf Svalbard hat man schon über 20 Grad Celsius gemessen!

  • Kälterekord: Karasjok -51,4
  • Wärmerekord: Sič'čajav'ri 34,3 
  • Höchste Durchschnittstemperatur im Januar: Røst 1,1
  • Niedrigste Durchschnittstemperatur im Januar: Karasjok -17,1
  • Höchste Durchschnittstemperatur im Juli: Oberes Salttal 13,8
  • Niedrigste Durchschnittstemperatur im Juli: Kleptovgebirge 8
  • Niederschlagsärmster Ort: Divital 282 mm/Jahr
  • Niederschlagsreichster: Lurøy 2935 mm/Jahr
  • Kälterekord Svalbard: Green Harbour -49,4
  • Wärmerekord Svalbard: Flugplatz Svalbard 21,3 Grad