Musiker aus ganz Sápmi – dem grenzüberschreitenden Siedlungsgebiet der Samen in Nordeuropa – und Vertreter von Urvölkern weltweit versammeln sich im Juli auf der Festivalwiese des sonnenverwöhnten Olmmáivággi bzw. Manndalen. Hier ist eine urige Atmosphäre garantiert – allein schon der traditionellen Zelte wegen, die zur Lagerfeuerromantik einladen. Dieses Event muss man erlebt haben!

Sprache im Rampenlicht

In der zweiten Juliwoche 2013 wird wieder zum Riddu Riđđu geladen. Da dieses Jahr landesweit zum Jahr der Sprachen erklärt wurde, nutzt das Festival die Gelegenheit, das Samische in den Fokus zu rücken. Darüber hinaus gibt es zahlreiche interessante Musikbeiträge aus ganz Sápmi sowie allen Kontinenten, Theater, Kunst, Seminare und die Neuheit Riddu Siida – einen sozialen Treffpunkt im Zeltlager. Hier sind interessante Begegnungen, Exotik und jede Menge Spaß garantiert!

Volksgruppen des Nordens präsentieren sich

Traditionsgemäß widmet Riddu Riđđu jedes Jahr einem im Norden lebenden Volk besondere Aufmerksamkeit. 2013 sind die Ainu von der Insel Hokkaido im nördlichen Japan an der Reihe. Konzerte, Filme, Kurse und Seminare präsentieren die Kultur dieser Volksgruppe und der Künstler OKI vereint mit dem traditionellen Saiteninstrument Tonkori die traditionelle Musik der Ainu mit Reggae und Dub. Die ganze Woche über und verstärkt am 13. Juli, dem „Tag des nördlichen Urvolkes“, locken verführerisch duftende, japanisch inspirierte Gerichte an die Essensstände.

Urvölker aus aller Welt

Buffy Sainte-Marie, die bekannte kanadische Künstlerin indianischer Abstammung, ist dem Riddu-Festival seit Langem treu und zieht ein großes Publikum an. Der norwegisch-sambische Admiral P singt Reggae auf Nyanja und Norwegisch. Moana & The Tribe vollführen Maori-Kunst aus Neuseeland, wobei der kriegerische Haka ebenso zum Programm gehört wie Melodisches in der klangvollen Maori-Sprache. Und Radik Tyulyush aus Tuva in Ostsibirien sendet den eigentümlichen Obertongesang durch den Raum.

Samisches Großaufgebot

Das Riddu Riddu präsentiert stets die interessantesten Strömungen der samischen Musikfront. Elin Kåven aus Karasjok gibt mit ihrem Gesang eine Kostprobe ihrer kürzlich herausgegebenen Scheibe. Violet Road, eine Rockband aus Kåfjord, hat bereits mehrere Radiohits platziert. Lovisa Negga lädt zur Uraufführung auf Lulesamisch. Ailu Valle aus Utsjok in Finnland verblüfft mit samischem Rap und die bekannte Kautokeino-Gruppe Sančuari gibt melodischen Joik-Rock zum Besten.

Gemeinschaftsaktivitäten im Riddu Siida

Das Festival - in steter Weiterentwicklung begriffen - bietet dieses Jahr eine weitere Neuheit: Das Riddu Siida ist ein Bereich für gemeinschaftliche Aktivitäten, angelehnt an das traditionelle Netzwerk Siida, zu dem sich die Samen für die Rentierhaltung gerne zusammenschlossen. Eine Gamme, eine Jurte, ein Tschum und mehrere Lavvos – allesamt traditionelle Behausungen der Urvölker – bieten spontan Gelegenheit für Kulturbeiträge, Sessions oder Kurse und werden zum kulinarischen Treffpunkt mit Kostproben aus der traditionell-innovativen Küche.

Bühne, Galerie, Seminar, Literatur

Beaivváš Sámi Našunálateáhter, das samische Nationaltheater, zeigt das Bühnenstück «Mein Heim ist mein Herz». Sotz’il Jay, eine Gruppe der Maya aus Guatemala, präsentiert entrückten Tanz, der sich dem Kampf zwischen den guten und bösen Mächten widmet. Zwei Kunstprojekte machen die Sprache zum Thema: Kristin Tårnesvik spielt mit Missverständnissen und Stereotypen, während der Künstler Raymond Boisjoly aus British Columbia in Kanada die Sprache von Urvölkern als Experimentierfeld der Identitätsfindung nutzt. Das Seminarprogramm greift sechs tagesaktuelle Themen auf, die von der wirtschaftlichen Rentierhaltung bis hin zur Sprache und Identität von Urvölkern aus Kanada, Neuseeland und Japan reichen.

Übernachtung im Nomadenzelt

Manndalen hat eine außerordentlich geringe Hotelkapazität –doch kaum ein Festivalteilnehmer hat etwas dagegen, auf der Wiese zu übernachten. Schließlich bleibt es die ganze Nacht über hell und im Lavvo um das Lagerfeuer herum wird es erst so richtig gemütlich. Möglicherweise zieht einmal ein Regenschauer über das Gelände, der jedoch bald wieder verebben wird – denn Manndalen, im Regenschatten der Lyngsalpen gelegen, ist von einem eher trockenen Klima geprägt.

Sonstige Aktivitäten in Manndalen

Für Manndalen sollte man sich ein wenig Zeit nehmen, denn dieser Ort hat viel Außergewöhnliches zu bieten. In der Grenebua etwa, dem Laden des Heimkunstvereins Manndalen, kann man hervorragend die Machart der Heimtextilien studieren, die von den Seesamen hergestellt werden. Die Tradition der Grener, großer Webteppiche, reicht über Jahrtausende in die Vergangenheit zurück. Und Bonkos-Fäustlinge sind so warm, dass sie bei Nordpolexpeditionen eingesetzt werden! Auch das Sjithælveteskåken ist einen Besuch wert – ein einfaches Holzhaus, das nach den Zerstörungen des Krieges aus dem Holz von Baracken gezimmert wurde, die die deutschen Besatzer hinterlassen hatten. Als der Staat Bezahlung für das Material verlangte, erwiderte der erboste Eigentümer, man solle nur kommen und die „Scheißhöllenbude“ – Sjithælveteskåken – holen. Ebenso lohnt es sich, der Ziegenalm einen Besuch abzustatten.

Nähere Informationen

Aktuelle Informationen über das nächste Festival bietet die Internetseite www.riddu.no . 2017 läuft der Festival vom 12. bis zum 16. Juli.