Die Finnmarksvidda ist wie geschaffen für das Mountainbike. GLØD Explorer führt in Kleingruppen offroad in die Wildnis.

Entdeckungsfahrt in die Tundra

Sanfte Hänge, Moore, flache Täler und Seen: Die riesige Finnmarksvidda ist nahezu menschenleer. Doch ein Netz von Pfaden führt fast unsichtbar kreuz und quer über die Tundra. Auf diesen Routen bewegt sich der Tourenanbieter GLØD Explorer. www.nordnorge.com begleitete eine 3-tägige Tour über die Finnmarksvidda.

Im Altatal

Am ersten Tag fuhren wir eine mehrstündige Testrunde im Altatal –das abwechslungsreiche Gelände verläuft u.a. durch Kiefernwälder und Weidengebüsch. Die Route führt am steilen Ufer des Altaflusses entlang oder über ausgetretene Pfade, auf denen man nicht zu langsam fahren sollte, um die Baumwurzeln zu überwinden. Gelegentlich hielt der Guide mit der Bemerkung an «Jetzt müssen wir etwas Abstand halten», und plötzlich waren wir im grünen Tunnel, wo Weidengebüsch Dach und Wände bildet. An manchen Stellen gibt es überhaupt keinen Pfad, dort mussten wir fester treten, um uns durch Heidekraut und Moos zu arbeiten, oder der Pfad ist so schmal, dass sich der Fuß beim Treten im Heidekraut verfing. Einmal steckten wir in lockerem Flusssand vollkommen fest – um schließlich die Technik zu lernen, wie man auch dieses Gelände meistert. Die vielfältigen Herausforderungen sorgten für eine abwechslungsreiche und spannende Mountainbiketour, wobei die Tourenführung darauf achtete, wie die einzelnen Teilnehmer zurechtkamen, um das Programm der nächsten beiden Tage auf die Fertigkeiten der Gruppe anpassen zu können. An einer Landzunge am Altafluss füllten wir unsere Flaschen auf und fotografierten die eindrucksvolle Felswand Raipas auf der gegenüberliegenden Seite.

In der Finnmarksvidda

Am zweiten Tag durften wir unser Können in der Finnmarksvidda testen. In Tutteberget am oberen Ende des Altatals bestiegen wir den Sattel und nahmen Kurs auf die Tundra. Wir folgten einer steinigen Traktorspur in die Tundra, wobei das Gelände immer unwegsamer wurde. Einige Moorsenken sorgten dann auch für nasse Füße. Die Finnmarksvidda ist nicht flach: Immer wieder geht es bergauf, was allerdings mit herrlichen Abfahrten belohnt wird. Von einem Hügel aus blickten wir über den Jiešjav’ri, Finnmarks größten Binnensee, und bis zu den Gaissene, den fernen Berggipfeln östlich des Sees.

Übernachtung in der Jotka-Hütte

Die Jotka ist eine der Berghütten, die im 30-Kilometer-Abstand in der Finnmarksvidda verstreut liegen. Wir wurden mit dem bekannten Rentiereintopf Bidos empfangen und die Wirtin erklärte uns, wie man dieses Gericht bei einer samischen Hochzeit serviert. Danach ging es in die Sauna, die Abkühlung erfolgte direkt im eiskalten Fluss daneben. Eine warme Dusche gibt es hier nicht, aber die Sauna ist mehr als ein Ersatz – sie reinigt bekanntermaßen nicht nur den Körper, sondern auch den Geist. Nach diesem Programm schliefen wir wie Kinder tief und fest in unseren Vierbettzimmern.

Langdistanz über die Tundra

Am dritten Tag radelten wir über 30 Kilometer. Von Jotka aus ging es zunächst steil den Berg hinauf – die Fittesten hielten sich durchgehend im Sattel, während wir andere es vorzogen, das Rad zu schieben. Vom Aussichtspunkt am Gipfel eröffnete sich der Blick über die weite Tundra und die in der Sonne blitzenden Seen, während weit unten schwedenrot unsere Hütte heraufgrüßte. Dann folgte eine abwechslungsreiche Route in hügeligem Gelände, bevor wir einen steilen Anstieg erreichten, dieses Mal gänzlich ohne Pfad. Glücklich oben angekommen erreichten wir die „Autobahn“ der Finnmarksvidda: Wir folgten einem sanften Bergrücken nach Norden mit wenig Steinen und einer breiten Traktorspur - dem alten Postweg von Alta nach Kautokeino. Hier konnten wir ein wenig „Gas geben“ und gleichzeitig den freien Blick in alle Richtungen genießen. Das Mittagessen – gegrillte Käsebrote und Cowboy-Kaffee am Lagerfeuer – nahmen wir an einem sonnigen Hang neben einem glucksenden Bach ein. Zum Schluss erblickten wir den Altafjord mit der Stadt Alta in der Ferne, und hier verblieben nur noch einige halsbrecherische Abfahrten, die kollektiv für Adrenalin sorgten.

Wer kann sich einer Mountainbiketour anschließen?

Um die Tour voll genießen zu können, sollte man das Radfahren etwas gewohnt sein –dann wird auch der Sattel nicht so schmerzen. Außerdem ist eine allgemeine Fitness von Vorteil, da das Fahren im Gelände anstrengender ist als bei Straßentouren. Die Tourenleitung passt jedoch sowohl die Geschwindigkeit als auch die Route an die Fertigkeiten der Teilnehmer an – man muss also kein Hochleistungssportler sein. Eingehendere Erfahrung mit dem Mountainbike ist ebenfalls nicht zwingend erforderlich, da die Tourenleitung sehr engagiert die nötigen Techniken vermittelt. Und sollte es einmal zu arg bergauf gehen, steigt man eben einfach ab und schiebt. Die Abfahrten erfordern etwas mehr Technik, doch auch hier kann man schlimmstenfalls Teilstrecken zu Fuß zurücklegen. Unsere Gruppe war konditionell sehr unterschiedlich zusammengesetzt, was der Tourenleiter jedoch elegant mit Hilfe häufiger Pausen löste – an Orten mit interessanter Geologie, schöner Aussicht und interessanter Geschichte.

GLØD Explorer

Der Tourenanbieter GLØD Explorer hat diverse Touren im Programm – von Tagestouren im Altatal bis hin zu fünftägigen Expeditionen in die Finnmarksvidda. Sie finden in Kleingruppen statt mit kompetenter Führung, die auch durchlöcherte Fahrradschläuche flicken und herausgesprungene Ketten wieder einsetzen kann. Das Mittagessen wird meist draußen im Freien eingenommen. Das Abendessen findet dann in der Hütte statt, bevor man sich im Mehrbettzimmer zur Ruhe begibt.