Die kleine, 35 Einwohner starke Inselgemeinde Støtt bietet Gourmetspeisen vom Feinsten in historischem Ambiente mit Logis in antiken Betten unter echten Daunendecken. Die alte Handelsstation – früher Nothafen für vom Wetter bedrängte Fischer – ist heute Rückzugsort für gestresste Städter.

Geschützter Hafen

Støtt ist ein altes Fischerdorf ganz im Norden von Helgeland, das sich um einen geschützten Hafen gruppiert. Die Fischer warteten hier günstige Wetterbedingungen ab, um dann die Passage durch das tückische Meer um den Vorberg Kunna zu wagen. Im Zeitalter der Segelboote nahm Støtt somit eine zentrale Stellung ein. Im Westen liegt Helgelands Insellabyrinth, im Osten erheben sich die monumentalen Berge des Saltfjell-Svartisen-Massivs. Hier haben Eva Andersen und ihr Bruder die alte Handelsstation übernommen und in ein außergewöhnliches Hotel mit stimmungsvollem Restaurant verwandelt.

Historischer Handelsort

Die Wurzeln der historischen Handelsstation Støtt gehen bis ins frühe 19. Jahrhundert zurück. Man handelte mit Fisch und transportierte Trockenfisch mit Segelfrachtschiffen zum Verkauf nach Bergen. Auf dem Rückweg gelangten begehrte Importwaren wie Mehl und Kaffee in die Region. Støtt verbanden lange Zeit enge Familienbeziehungen mit der aus den Romanen von Knut Hamsun bekannten Handelsstation Kjerringøy, bis 1897 Evas Urgroßvater die Anlage übernahm. Ab etwa 1900 nahm die Bedeutung der Handelsstation ab, nachdem ein Großteil der Transportaufgaben auf die Postschiffroute Hurtigruten übergegangen war. Zudem erübrigte sich aufgrund der Motorisierung der Fischerboote die Notwendigkeit für die Fischer, auf den äußersten Inseln zu leben, um ihrem Tagewerk nachgehen zu können.

Ehemaliger Laden

Während der Blütezeit der Handelsstation war natürlich der Laden das Zentrum allen Geschehens. Hinter der breiten Theke reihten sich die Handelswaren dicht an dicht in den Regalen und hingen sogar von der Decke. Die Werbeplakate an den Wänden sind noch original. Das Büro im Hinterzimmer ist eine wahre Fundgrube an Dokumenten, unter anderem stieß man auf eine Reklamation wegen mangelhafter Warenabwicklung durch die Nordenfjelder Dampfschiffgesellschaft. Eine Wand des Büros dient heute als Galerie für Ausstellungen, die jeden Sommer wechseln. 1960 wurde der Laden geschlossen und als Lager genutzt, daher fand die Familie von Eva Andersen unter meterdickem Gerümpel die nahezu intakte Ladeneinrichtung vor.

Restaurant „Alter Laden“

Heute genießt der Laden neue Aufmerksamkeit – als Restaurant. Alte, lackierte Tische laden zur geselligen Runde ein und die Speisekarte bietet Köstlichkeiten, die einer ehemals bedeutenden Handelsstation an der Nordlandsküste würdig sind: hochwertige lokale Zutaten veredelt zu international inspirierten Gerichten. Gedämpfter Heilbutt, Fischsuppe und Bacalao aus eigener Herstellung gehören zu den beliebtesten Gerichten. Da Eva Andersen viele Jahre in der Hauptstadt wirkte, hat sie sich ein beachtliches Wein-Wissen angeeignet, das im perfekten Zusammenspiel von Speise und Wein zur Geltung kommt. An den Sommerabenden verlagert sich das Geschehen auf die Terrasse, wo man sorglos den ewigen Tag genießt – denn die Sonne geht nicht unter, sondern streift allenfalls den Horizont. Im Herbst wird es im Gastraum richtig gemütlich, wenn die entzündeten Kristallkronleuchter eine festliche Stimmung in das blaue Abendlicht senden, die zu tiefsinnigen Gesprächen anregt.

Weiche Betten inmitten von Antiquitäten

Die Gästezimmer sind in den alten Rorbuhütten und im Speicherhaus untergebracht. Die Rorbuhütten wurden früher nicht nur als Fischerhütten genutzt, sondern auch als Köder- und Lagerschuppen. Bei der Restaurierung traf Eva Andersen einige mutige, ungewöhnliche Entscheidungen. Statt des ansonsten üblichen groben, rustikalen Stils wählte sie die Stilrichtungen, die in der Blütezeit der Handelsstation im 19. Jahrhundert modern waren: Empire, Biedermeier und Historismus. Bauchige Kommoden, Bettkopfteile mit klassischen, italienischen Säulen, abgerundete Biedermeier-Sofas, Pendeluhren und Kronleuchter wurden bei Auktionen und Antiquitätenhändlern zusammengekauft. Die schimmernden elfenbeinweißen und lindgrünen Wände kamen unter dicken, später aufgebrachten Farbschichten zum Vorschein und bilden nun einen neutralen Hintergrund, der die Möbel angemessen zur Geltung kommen lässt. Die Betten verwöhnen mit herrlich behaglichen Daunendecken und -kissen, die gepflegten Sanitärräume sind modern gehalten.

Zu den Bunkern

Als Gast auf Støtt muss man eigentlich nicht viel tun, eine Wanderung um die Insel gehört jedoch dazu. Während des 2. Weltkrieges wurde die kleine Inselgemeinde von 200 deutschen Soldaten mit russischen Kriegsgefangenen überrannt, die auf den Höhenrücken zum Meer hin Kanonenstellungen errichteten. Mit deren Hilfe kontrollierten sie die Schifffahrtsroute nach Norden in Richtung Narvik. Die Anlage wurde nach dem Krieg weitgehend demontiert, denn die Menschen in Støtt hatten natürlich das Bedürfnis, sämtliche Spuren dieser schlimmen Zeit auszuradieren. Einige Mauern und Betonreste sind dennoch erhalten. Das Fantastischste hier draußen ist ohnehin der Blick direkt auf das offene Meer, wo sich die Konturen von Værøy, Røst und der südlichen Lofotenspitze abzeichnen. Im Süden erkennt man die wunderlich-bizarren Bergformationen Helgelands – Rødøyløva, Hestmona und Træna, während im Norden die Gipfel der Fugløya in Salten herübergrüßen.

Anreise nach Støtt

Støtt ist von Bodø aus mit der Schnellbootlinie Nordlandsekspressen und vom Gemeindezentrum Ørnes aus mit dem Lokalboot erreichbar. Wer es rasant mag, kann in Ørnes ein RIB-Boot nehmen, auch in Verbindung mit einer Rundtour durch das Meløybecken. Für Übernachtung und Verpflegung wird um Reservierung gebeten, die Fahrpläne der Schiffe können bei Eva Andersen erfragt werden.