Skreimølje (Kabeljaueintopf) im Februar, gekochter Seelachs im Sommer, selbstgefischte Königskrabben, Lefse (norwegisches Fladenbrot) auf der Fähre und Rentierfleisch in einem Lavvu, einem samischen Zelt. Auf einer Reise durch Nordnorwegen entdecken Sie viele Gaumenfreuden.

Die nordnorwegische Küche

Die Speisen Nordnorwegens zeichnen sich durch ihre Einfachheit aus. Warum in die Ferne schweifen, wenn gute, frische Zutaten in Meer, Flüssen und auf Fjellen reichhaltig vorhanden sind?

Frischer Fisch

Das Meer vor Norwegen zählt zu den fischreichsten Gewässern der Welt, da hier kalte und warme Meeresströme aufeinandertreffen. In der Zeit nach Weihnachten, wenn in der kalten Winterzeit die Kabeljauschwärme an der Küste vorbeiziehen, essen die Nordnorweger gerne Kabeljaueintopf. Man trifft sich dann gerne zum „Møljeslag“, einem Schmaus mit viel frischem Dorsch, Leber und Rogen, Dorschbacken und Dorschzunge, und fühlt sich danach gesättigt und zufrieden. Im Sommer isst man traditionell Seelachs, au naturel, mit norwegischem Fladenbrot. Zu Weihnachten wird häufig Heilbutt gereicht, dessen Fleisch dann ganz besonders fest und fein ist.

Getrockneter und gereifter Fisch

Getrockneter Dorsch zählt zu den ältesten Exportartikeln der Gegend, der zu Weihnachten traditionell als Lutefisk (dt: Laugenfisch) gereicht wird. Dabei handelt es sich um in einer Lauge aus Birkenasche bzw. Ätznatron gewässerten Trockenfisch. Die meisten Nordnorweger trocknen ihren eigenen Fisch vor ihren Häusern, um ihn in halbtrockenem Zustand zu kochen und mit Bauchspeckstückchen als Boknafisk zu verspeisen. Zur Herstellung des traditionellen Gammelsei wird gesalzener Seelachs für ein Jahr zum Reifen in eine Tonne gelegt.de r Fisch darf aber zuvor nicht ausgeblutet sein.

Neueste Gerichte aus dem Meer

Für alte, erfahrene Fischer hatten Meeresfrüchte wie Garnelen, Kammmuscheln, Pferdemuscheln, Miesmuscheln und Seeigel nur Bedeutung als Köder zum Fischen. Vom Frischfisch verwöhnt kam man daher erst vor wenigen Jahren auf die Idee, diese Meeresfrüchte in Gerichten zu verarbeiten. Entlang der gesamten Küste servieren Restaurants mittlerweile saftige, frische Schalentiere, die übrigens im Winter besonders schönes festes Fleisch haben.

Die Königskrabbe

Die ursprünglich aus dem Pazifik stammende Königskrabbe (auch Kamtschatka-Krabbe genannt) setzten die Russen in den 1960ern in der Barentssee aus. Mittlerweile breiten sich diese riesigen Tiere immer weiter nach Westen entlang der Finnmarkküste aus und sind bereits bis Troms gelangt. Östlich des Nordkaps findet man die meisten ihrer Art. Auf einer Königskrabben-Safari in der Finnmarkt werden die Krustentiere ganz rustikal mit Majonäse, Brot und etwas Weißwein gereicht, während Gourmetrestaurants köstliche Saucen und Kräuter dazu servieren.

Gerichte aus Rentierfleisch

Zu einer samischen Hochzeit mit tausenden Gästen kocht man gerne den samischen Rentiereintopf Bidos mit Kartoffeln und Mohrrüben. Ein weiteres, oft gegessenes Rentiergericht ist Finnebiff. Es besteht aus hauchdünnen Scheiben Rentierfleisch in Sahnesauce, abgeschmeckt mit Wacholder. Besonders gefragt ist getrocknetes Rentierherz und daher nicht leicht zu bekommen. Von der getrockneten Rentierkeule, einer traditionellen samischen Delikatesse, essen Nordnorweger gerne ein Stück zum Kaffee.

Landwirtschaft in der Arktis

Ziegen, Schafe und Rinder zählen zu den wichtigsten Nutztieren der Landwirtschaftsbetriebe entlang der nordnorwegischen Fjorde. Das Schafsfleisch schmeckt nach den saftigen Fjellwiesen, und das milde Ziegenfleisch erfreut sich immer größerer Beliebtheit. In milderen Fjordgegenden erntet man von Juli bis August Erdbeeren. Frische Mohrrüben und eine alte Speiserübensorte, die Målselvnepa, sind knackige Delikatessen des Spätsommers.

Süß und lecker

Die Menschen im Norden halten sich mit Kaffee wach, der bei sozialen Anlässen häufig getrunken wird. Dazu werden oft Lefser serviert, die traditionellen norwegischen Fladenbrote aus mehrschichtigem Mürbeteig, mit Butter, Zucker, Zimt und dem braunen Mesost, dem Käse aus eingekochter Ziegen-, Schafs- oder Kuhmolke. Eine besondere Variante ist das warme „Møsbrømlefse“ in Salten, ein mit Sauerrahmn, Butter und Mesost üppig belegtes Fladenbrot.

Auf Beerensuche in Nordnorwegen

Jeden Sommer bietet die Ernte der Moltebeeren Anlass für reichlich Gesprächsstoff, wenn Jung und Alt im August vornüber gebeugt die Beeren im Moor pflücken. Blaubeeren werden von Juli bis August und Preiselbeeren im September geerntet. Seit jeher sind Beeren wichtige Vitaminquellen und dienen auch zur geschmacklichen Abrundung anderer Speisen.

Spezialitäten, die Sie unbedingt probieren sollten

Nicht jedem Gaumen schmeckt alles, aber Probieren geht über Studieren.
• „Kobbesveiver“ – Seehundflossen. Gekocht, mit einer braunen Sauce.
• „Kveiterekling“ (Heilbuttstreifen) – getrocknetes Fett vom Heilbutt, gereicht als Snack für zwischendurch.
• „Møsbrømlefse“ – warmes Fladenbrot aus der Region Salten, üppig belegt mit dem braunen Käse „Mesost“, Butter und Sauerrahm.
• „Boknafesk“ – halbtrockener Dorsch. Traditionell auf der eigenen Terrasse getrocknet.
• „Spikkauar“ – gepökelter Rotbarsch, ist eine delikate Vorspeise.
• „Auarshau“ – Rotbarschköpfe, deren Inhalt mit dem Mund herausgesogen wird.
• „Kvæfjordkaka“ – mit Rumcreme und Mandeln, Norwegens Nationalkuchen
• „Balsfjordosten“ – ein weißer Ziegenkäse
• „Gammelsei“ – nicht ausgebluteter, gesalzener Seelachs, der ein halbes Jahr in einer Tonne gereift ist.
• Ziegenfleisch – sowohl Zickleinfleisch als auch Ziegensteak erleben eine Renaissance.
• Wal – als Steak serviert, und frisches Walfleisch im Sommer.

Seelachs zur Mitternachtssonne

Der Seelachs beißt meist nur in der Nacht heißt es. Oder handelt es sich dabei bloß um eine Entschuldigung, um des Nachts fischen zu gehen? Auf jeden Fall sollten Sie eine Feuerstelle am Wasser finden und mit Treibholz ein Feuer machen. Für das dann zuzubereitende Essen nehmen Sie folgende Zutaten:

• Frischen Seelachs
• Fladenbrot
• Butter

Salzwasser in einem Topf über der Feuerstelle zum Kochen bringen. Den Fisch in dicke Scheiben schneiden. Wenn das Wasser kocht, nimmt man den Topf zur Seite und legt den Seelachs in das siedende Wasser. Jetzt muss er ziehen. Sobald er seine Farbe ändert, ist er gar. Den Fisch auf mit Butter bestrichenem Fladenbrot servieren. Ein leckeres Fischgericht, dem eine luststeigernde Wirkung nachgesagt wird.