Nördlich des Polarkreises scheint im Sommer die Mitternachtssonne, im Winter herrscht Polarnacht. Vereinfacht ausgedrückt. Somit bildet der Polarkreis die Grenze zur Arktis.

Was ist der Polarkreis?

Der Polarkreis, sowohl auf der Nord- als auch der Südhalbkugel der Erde, ist die (theoretische) Grenze für Mitternachtssonne und Polarnacht. Nördlich des nördlichen Polarkreises bleibt die Sonne im Winter eine Zeit lang gänzlich unter dem Horizont, dafür geht sie im Sommer auch nachts nicht unter. Auf der Südhalbkugel verhält es sich ebenso, nur anders herum, und in unserem Sommer herrscht dort Winter und umgekehrt.

Neigung der Erde

Ursache dieses Phänomens ist die Neigung der Erde. Ebenso schräg wie ein Tischglobus in seiner Halterung verankert ist, steht auch die Erde zur Sonne. Wenn auf der nördlichen Halbkugel Sommer herrscht, ist die gesamte Nordkappe der Erde der Sonne zugewandt, weshalb hier die Sonne rund um die Uhr scheint. Im Winter hingegen ist dieser Teil der Erde von der Sonne abgewandt. Da der übrige Planetenkörper nun die Sonnenstrahlen verdeckt, ist die Sonne auch tagsüber nicht zu sehen – es herrscht Polarnacht.

Nicht ganz so einfach

Hier muss jedoch einiges präzisiert werden. In Bodø beispielsweise genießen die Menschen ganze fünf Wochen lang die Mitternachtssonne. Nun sollte man meinen, die Sonne sei im Winter fünf Wochen lang verschwunden - doch am Tag der Wintersonnenwende zeigt sie sich immer noch 50 Minuten lang. Dies ist auf die Brechung der Lichtstrahlen in der Atmosphäre zurückzuführen, die sogenannte atmosphärische Refraktion: Wenn die Lichtstrahlen der Sonne auf die Atmosphäre treffen, werden sie gebrochen und sind daher in einem größeren Bereich sichtbar. Dasselbe Phänomen zeigt sich, wenn man einen Gegenstand durch ein Glas Wasser betrachtet – er fließt aus seinen Konturen und erscheint durch das Wasser größer. Aufgrund dieses Effekts bleibt den Menschen nördlich des Polarkreises die Mitternachtssonne länger erhalten und die Polarnacht ist kürzer. Direkt südlich des Polarkreises, etwa bis 50 km weit, ist im Sommer die Mitternachtssonne ebenfalls eine kurze Zeit lang zu sehen und die Gebiete direkt nördlich davon, wie Bodø, bleiben von der eigentlichen Polarnacht verschont. Somit ist nichts wirklich absolut auf diesem Feld.

Wandernder Polarkreis

Darüber hinaus gibt es ein weiteres Phänomen: die Neigung der Erde ist nicht konstant, sondern schwankt zwischen 22,1 und 24,5 Grad. Das wiederum heißt, dass der Polarkreis zwischen Brønnøysund im Süden und Moskenes im Norden hin- und herwandert. Beispielsweise befindet sich der tatsächliche Polarkreis derzeit etwa einen Kilometer nördlich des Polarkreiszentrums an der E6, der Hauptverkehrsader Nordnorwegens. Die derzeitige Verschiebung wird jedoch 41.000 Jahre lang dauern, weshalb sie für uns hier und jetzt weniger von Bedeutung ist. Aktuell wandert der Polarkreis 14 Meter pro Jahr nach Norden.

Überquerung des Polarkreises

Der Polarkreis, den wir auf der Karte sehen und der in der Landschaft mit kleinen Metallgloben gekennzeichnet ist, folgt einer gedachten Linie entlang der mittleren Neigung der Erde, die 23 Grad und 27 Minuten beträgt. Somit befindet sich der in Nordnorwegen „erlebbare“ Polarkreis auf 66°3342,5 nördlicher Breite. Das bekannteste Wahrzeichen, ein großer Metallglobus, ist in 650 Metern Höhe im Saltfjellet anzutreffen, dem großen Gebirgsmassivs im Zentrum des Bezirks Nordland. Im daneben befindlichen Polarkreiszentrum kann man sich eine Urkunde ausstellen lassen, die bestätigt, dass man selbst am Polarkreis war. Eine ganz andere Stimmung vermittelt eine Schifffahrt, bei der man die kleine Insel Vikingen in der Gemeinde Rødøy passiert, ob mit der Autofähre von Kilboghamn nach Jektvik im Rahmen einer Fahrt entlang der der Küstenpanoramastraße oder mit dem Postschiff Hurtigruten. Hier präsentiert sich der Globus allein auf weiter Fläche mit prächtiger Aussicht auf die nordhelgeländische Inselwelt. 

Nähere Informationen

Der Polarkreis erstreckt sich quer über die Region Helgeland. Nähere Informationen zu Helgeland