Ein niedriges Gebäude mit geschwungenen Linien beherbergt einen verblüffenden Schatz: traditionell samischen Silberschmuck und modernes Silberdesign. Die Silberschmiede ist das Lebenswerk von Frank und Regine Juhls.

Abenteuerlust

In den 1950-Jahren war Kautokeino eine isolierte, wegelose Gemeinde, in der die traditionelle Lebensweise der Samen noch dominierte. Hier arbeitete ein junger dänischer Abenteurer, Frank Juhls, als „Mädchen für alles“, während Regine, eine junge Frau aus Deutschland, als Gehilfin bei einer Familie angeheuert hatte, die Rentierzucht betrieb. Die Abenteuerlust führte beide zusammen und sie ließen sich in diesem außergewöhnlichen Lebensraum nieder.

Silberschmuck der Samen

Eine der vielen Tätigkeiten von Frank Juhls war das Reparieren von Silberschmuck. Die Schmuckgegenstände waren nicht von den Samen selbst hergestellt worden, sondern als Handelsware in den Norden gelangt. Sonnenräder aus Ostsibirien, Marienlöffel und Silberkreuze aus der katholischen Zeit, Filigranbroschen aus den Silberschmieden in Bergen – diverse Accessoires aus unterschiedlicher Tradition mit unterschiedlicher Bedeutung wurden mit der Samentracht kombiniert, weil sie schön aussahen. Damit erhielten die Gegenstände eine neue Bedeutung.

Bedeutung des Silbers im Wandel

Da Nomaden in der Regel auf der Wanderschaft sind, hat sich das Silberschmiedehandwerk hier nicht etabliert. Silber eignet sich jedoch gerade für Nomaden hervorragend, um Kapital anzulegen. Es ist leicht zu tragen und der Besitzer hat die Möglichkeit, seinen Reichtum darzustellen –Nomaden bauen schließlich keine prächtigen Häuser, mittels derer sie ihren Wohlstand ausdrücken können.

Silberschmuck gelangt zur Blüte

Die Samen waren also Großverbraucher von Silberschmuck, fertigten jedoch die Stücke nicht selbst. Als sie nun vor Ort Zugang zu einem Silberschmied erhielten, konnten sie den Schmuck nach ihren eigenen Vorstellungen gestalten und weiterentwickeln lassen – etwa mit einer zusätzlichen Perlenreihe auf der Filigranbrosche oder mit größeren, auffallenderen Haken und Ösen an der Herrentracht. Daher durchlebt samischer Silberschmuck seit den 1950er Jahren eine rasante Entwicklung. Die Filigranbroschen der Frauen wurden größer und farbenfroher und die Haken, Knöpfe und Gürtelnieten der Herrentrachten prächtiger.

Moderne Schmiedekunst

Regine Juhls lernte ebenfalls das Handwerk der Silberschmiedin. Für sie standen jedoch die künstlerischen Ausdrucksmöglichkeiten im Vordergrund – ihre Kollektion „Tundra“ gilt heute als moderner Klassiker. Juhls Arbeiten sind durch fantasievolle, oft netzartig gewobene filigrane Linien geprägt, inspiriert von der Vegetation und dem Licht der Tundra. Tochter Sunniva Juhls, heute Leiterin der Galerie, hat ebenfalls eine eigene Kollektion entworfen, wiederum in moderner, zeitgenössischer Bildsprache. Ihre runden Ohrringe, Broschen auf schlichter Fläche und Ringe in starkem, klaren Design sind ebenso von der Natur der Finnmarksvidda geprägt.

Architektonisches Ensemble im Wachstum

Das Galeriegebäude auf dem Hügel mit weitem Blick über Kautokeino gehört zu den außergewöhnlichsten Kulturbauten Nordnorwegens. Anders als der erste Eindruck vermitteln mag, handelt es sich nicht um ein geplantes Ensemble. Die Galerie bestand zunächst nur aus einem einfachen Holzhaus, dessen Baumaterial über den Kautokeinofluss geflößt und den Hang hinaufgetragen werden musste. Das Dach des zweiten Abschnitts aus den sechziger Jahren folgt der Schneewehe, die sich immer zwischen Haus und Holzschuppen auftürmte. Danach wurde in jedem Jahrzehnt ein weiterer Anbau hinzugefügt.

Verblüffende Details

Das Gebäude steckt voller Überraschungen – etwa der kleine Stall mit Glaswand zum Ausstellungsraum hin, in dem Hühner und Schafe den Besuchern Gesellschaft leisten. Einer der Räume ist den Reisen des Ehepaars Juhls nach Afghanistan in den Jahren vor der sowjetischen Invasion 1979 gewidmet. Hier stießen die Juhls auf eine Nomadenkultur, die zahlreiche Ähnlichkeiten mit derjenigen der Samen aufwies. Eine kleine Abteilung widmet sich alten, in den 50er und 60er Jahren weggeworfenen oder -gegebenen Gegenständen, als Kunststoff und Stahl an die Stelle von Holz und Knochen traten. Hier kann man alte Trachten, Käseformen und Löffel aus Knochen bewundern, für die man keine Verwendung mehr hatte. Auch die Silberschmiede ist in diesem Gebäudeteil untergebracht.

Weitere Entwicklung

Das Silberschmiede ist in ständigem Wandel begriffen. In der größten Halle gestaltet Regine nun die hintere Wand zu einem monumentalen Mosaik aus Glas- und Fliesenscherben mit eingearbeiteten Gegenständen um, deren Fertigstellung sich über Jahre erstrecken wird. Auch Frank hinterlässt einen unübersehbaren „Fingerabdruck“ – in Form eines überdimensionalen Daumens aus Mosaiksteinen. Somit bleiben auch künftige Besuche immer interessant, denn es wird stets etwas Neues zu sehen geben.

Nähere Informationen

Unter www.juhls.no finden Sie aktuelle Informationen über die Juhls Silvergallery. Sie ist das ganze Jahr über geöffnet, bietet ein Café und ein ganzjähriges Kulturprogramm.