Das Sametinget in Karasjok scheint direkt dem Kiefernwald entwachsen. Wer sich dem Parlamentsgebäude nähert, entdeckt zahlreiche architektonische Finessen. Ein Rundgang durch das Gebäude eröffnet dem Besucher die Symbolkraft dieses modernen Ensembles.

Eingebettet in die Waldlandschaft

Das Sametinget erweckt nicht den Eindruck, als wolle es mit aller Macht aus dem Kiefernwald hervorstechen. Die Außenwände der Gebäude kleiden breite Bohlen aus sibirischer Lärche, die bereits ein wenig ergrauen und in einigen Jahren, regelmäßig vom Eis der klirrenden Karasjok-Winter überzogen, eine silberartige Farbe annehmen werden. Der am ehesten monumental wirkende Teil des Ensembles ist der markante, Samenzelt-förmige Plenarsaal: Einige schlichte, jedoch raffinierte Gestaltungselemente verleihen ihm Licht, Raum und Größe und lassen ihn gleichsam über die Kiefernwipfel hinauswachsen. Die übrigen Gebäude des Ensembles fügen sich in bescheidener Harmonie in die Landschaft ein – warten jedoch bei näherer Betrachtung mit verblüffenden Details auf.

Wandelhalle

Wer den Haupteingang durchschreitet, gelangt zunächst in die große Wandelhalle, die als Foyer und Bibliothek gleichermaßen fungiert. Die schlichten Deckenlampen sind vom Sternenhimmel inspiriert, während das Geländer der Balustrade in Anlehnung an das winterliche Nordlicht einen Bogen beschreibt. Große Fenster stellen die Beziehung zu den umgebenden Wäldern her.

Samische Raritäten in der Bibliothek

Die Bibliothek umfasst 30 000 Bände und stellt die größte Sammlung von Büchern und Dokumenten über die samische Sprache und Kultur in Norwegen dar. Hier findet sich Lesestoff sowohl auf Nordsamisch als auch in den acht übrigen samischen Sprachen, ebenso vielfältige Fachliteratur in skandinavischen Sprachen sowie u.a. auf Englisch, Latein und Deutsch. Kinderbücher auf Ostsamisch oder Vulle Vuojaš, der nordsamische Donald Duck, sind allgemein zugänglich, während die umfangreichen lateinischen Werke aus dem 17. Jahrhundert auf Anfrage ausgegeben werden. Die Bibliothek ist für Jedermann zugänglich und nutzbar.

Gefördert von Seiner Majestät

Ein Vlies an der Wand der Bibliothek, signiert von König Olav im Rahmen der Eröffnung der ersten Parlamentssitzung der Samen 1989, zeugt von der Unterstützung der Gründung dieses politischen Organs seitens des norwegischen Staates. Das Parlamentsgebäude selbst, entworfen von Stein Halvorsen und Christian Sundby, wurde im Jahr 2000 von König Harald eingeweiht.

Geschichtsträchtige Flure

Bei einem Rundgang auf Alta-Schiefer durch die Gänge der Gebäude stößt man auf zahlreiche Schätze. Die Gemälde-Serie etwa, ein Jahrhundert alt, stammt von der Künstlerin Astrid Aasen, die die Teilnehmer der ersten Zusammenkunft der nordeuropäischen Samen in Trondheim am 6. Februar 1917 porträtierte. Diese Geburtsstunde des Samenparlaments ist für den politischen Werdegang der Samen zentral und wird daher heute in vier Ländern als samischer Nationalfeiertag begangen. In der Bibliothek sind Werke des Fotografen Kåre Kivijärvi und der Malerin Synnøve Persen ausgestellt. An den Holzwänden finden sich, in Metall gemeißelt, samische Sprichwörter und Redewendungen.

Plenarsaal

Im Plenarsaal angekommen, dem Herz des Parlamentgebäudes, überwältigt den Besucher zunächst der monumentale Wandkreisel von Hilde Schanke Pedersen –eine Betonplatte mit abstrakter Malerei, deren intensiv blauer Grundton mit eingesprenkeltem Gold die arktische, von zauberhaftem Licht durchflutete Landschaft in den Raum hineinzuprojezieren scheint. Hoch angebrachte Fenster lassen das Tageslicht in den halbrunden, oben spitz zulaufenden Saal strömen, wo es auf ein schlichtes, in hellem Holz gehaltenes Interieur trifft. Die kegelartige Form des Plenarsaals ist inspiriert von der Gewohnheit der Völker im feuchtkühlen Norden, Holz zum Trocknen zeltartig aufzustellen.

39 Abgeordnete

Das Siedlungsgebiet der Samen ist in 7 Wahlbezirke eingeteilt, einer davon deckt auch Südnorwegen ab. Aus den Wahlbezirken werden insgesamt 39 Abgeordnete in das Sametinget entsandt. Diese repräsentieren sowohl rein samische Parteien als auch die norwegischen Parteien. Im norwegischen Einwohnermelderegister der Samen sind 14 000 Menschen registriert. Um das Wahlrecht ausüben zu dürfen, benötigt man mindestens einen Urgroßelternteil, der Samisch spricht oder sprach, zudem muss man sich selbst als Same fühlen. Das Register enthält nicht alle Samen, denn aufgrund langjähriger Versuche des norwegischen Staats im 20. Jahrhundert, Samen zu Norwegern zu machen, verzichteten viele Samen auf die Eintragung. Heute ist die Anzahl der Wähler jedoch wieder im Steigen begriffen.

Besuch des Sametinget

Das Sametinget bietet regelmäßig Führungen auch in englischer Sprache an. Homepage des Sametinget: www.samediggi.no