Eine 42 km lange Zugreise von Narvik an die schwedische Grenze geht vom Fjord ins Hochgebirge durch wilde, dramatische und menschenleere Landschaft. Die Geschichte um den Bau der Erzbahn bis 1902 und während des Krieges 1940 bildet einen ebenso dramatischen Hintergrund.

42 aktionsreiche Kilometer

Die Ofotbahn hat keine Verbindung zum restlichen norwegischen Eisenbahnnetz. Die Bahn geht jedoch nach Kiruna in Schweden und von dort ins schwedische Eisenbahnnetz. Die erste Kurve nach der Abfahrt in Narvik kennzeichnet den nördlichsten Punkt des westeuropäischen, normalspurigen Eisenbahnnetzes. Von Narvik aus können sie mit dem Zug nach ganz Europa fahren oder Sie nehmen den Zug zur Grenze und zurück um die abwechslungsreiche Natur und die herrliche Landschaft zu erleben.

Erst Sommer, dann Frühling, dann Winter

Als www.nordnorge.com sich Mitte Juni auf den Weg machte, schien die Sonne bei der Abfahrt von Narvik über eine vorsommerlich grüne, ruhige Fjordlandschaft. In den Rombakfjord  fährt die Bahn hoch über den Fjord mit großartigen Aussicht auf die schneebedeckten Berge. Weit unten im Fjord sieht man das rostige Wrack eines deutschen Jägers, der 1940 versenkt wurde. Im Hundalen macht die Bahnlinie einen großen Bogen Richtung Talseite, ansonsten sieht man nur Gipfel, Täler und Wälder. Zum Schluss kommt man ins Hochgebirge, wo Weidendickicht und Zwergbirken zwischen Steinblöcken und großen Schneeflecken hervor lugen.. Auf Vassijaure, gleich drüben auf der schwedischen Seite, wechselt man den Zug und fährt hinab- erst in den Frühling und dann wieder zurück in den Sommer.

Bahnhöfe

Die Bahnhöfe der Bahnlinie stehen mit ihrer gepflegten und formvollendeten Architektur – entworfen von den eigenen Architekten der Eisenbahn - in starkem Kontrast zur wilden Landschaft. Langsam ziehen wir am denkmalgeschützten Wasserturm des Bahnhofs von Rombak vorbei. Die Bahn hält kurz in Katterat mit seinem roten Bahnhofsgebäude. Hier gibt es auch eine Gartenanlage aus der Zeit als die Eisenbahn noch eigene Gärtner beschäftigte. Katterat war ein Kreuzbahnhof. Seit die Gleisumstellung automatisiert wurde ist Katterat unbewohnt.

Die Erzbahn

Die Existenz der Bahn und die der Städte Narvik, Kiruna und Gällivare ist nur dem Eisenerz zu verdanken. Die reichen Mineralvorkommen in Nordschweden waren schon früh bekannt, aber schweres Erz mit Rentieren über die Berge zu transportieren lohnte sich nicht. Mit der Dampfmaschine kam die Idee für eine Eisenbahn zur eisfreien norwegischen Küste , denn die Häfen am Bottnischen Meerbusen sind im Winter durch das Eis unzugänglich.

Englischer Versuch und norwegisch-schwedische Vollendung

1884 begann eine englische Gesellschaft mit dem Bau der Bahn. Das arktische Klima und das unwegsame Gelände stellten die Engländer jedoch vor unerwartete und große Herausforderungen. 1889 ging die Gesellschaft in Konkurs. Bis 1898 lag das Projekt auf Eis. Der schwedische Reichstag und das norwegische Parlament beschlossen daraufhin das Vorhaben als Staatsprojekt zu vollenden. Am 15.November 1902 fuhr die erste Erzbahn von Kiruna nach Narvik.

Die Rallars

Innerhalb von 5 Jahren wurde die Bahn gebaut und Narvik entwickelte sich zur Stadt. Die Wanderarbeiter, die sogenannten Rallars, machten den Job. Sie kamen aus Schweden und Norwegen und stellten in den fünf hektischen Jahren des Bahnbaus die kleinen Gemeinden des inneren Ofoten auf den Kopf. Der liebe Friede war dahin. Gleichzeitig aber gab es bei der rasanten Entwicklung gutes Geld zu verdienen. Man kann die Rallars mit Präriecowboys vergleichen - Pioniere und Abenteurer, mit denen man sich identifizierte.

Der Krieg an der Bahnlinie

Das Dritte Reich wollte die Erzbahn, den Exportweg für Europas größtes und wichtigstes Eisenerzvorkommen, gerne unter Kontrolle bekommen. Für die Alliierten war es dagegen genauso wichtig die Zufuhr zu verhindern. Deshalb spielte sich während der Schlacht bei Narvik viel Kriegsgeschehen an der Eisenbahnlinie ab. Man versuchte die Norddalsbrücke im innersten Hundalen zu sprengen, aber durch das Eis in den Kammern fiel die Explosion eher klein aus und die Brücke ließ sich leicht reparieren. Am 28.Mai wurde Narvik von den Alliierten zurückerobert und der Verschiffungshafen gesprengt. Anfang Juni 1940 hielten die Deutschen nur noch ein kleines Gelände am Bahnhof von Bjørnfjell besetzt.

In großem Stil

Während der Personenverkehr eher bescheiden ist, nimmt der Erztransport große Dimensionen an. Es ist Europas einzige Bahn mit 30 Tonnen Achsendruck. Die kräftigsten Elektrolokomotiven der Welt ziehen 68 Wagen  mit 100 Tonnen Erz pro Wagen. 10 solcher Züge transportieren genug Erz um damit 70 000 Autos herzustellen. Wenn die schweren Züge vor Narvik abbremsen, werden 3500 kwh produziert- genug um einen leeren Zug zur Grenze zurückzuschicken! Die Belastung, gemessen in der Anzahl der Achsen ist bei der Ofotbahn genauso groß wie im Oslotunnel (Die am meisten befahrene Bahnstrecke in Norwegen). Das Erz aus Kiruna macht 60% des Gewichtes des norwegischen Imports per Zug aus. Die Zahlen zur Ofotbahn sind beeindruckend.

Die moderne Rallarzeit

Das starke Wirtschaftswachstum in Asien und die dazugehörigen hohen Rohstoffpreise haben dem Grubenbetrieb der Nordkalotten zur Renaissance verholfen. Die alte Grubengesellschaft LKAB möchte ihre Kapazität in den kommenden Jahren beträchtlich erhöhen. Die kanadische Grubengesellschaft Northland begann 2013 mit dem Erztransport von Narvik. Die Ofotbahn ist nicht in erster Linie ein Touristenzug - in erster Linie ist sie die Voraussetzung für viele Arbeitsplätze in drei Ländern.

Mit dem Erzzug reisen

Zwei Mal täglich können Touristen mit dem Zug zur Grenze bei Bjørnfjell fahren. Die Fahrkarten kann man am Automaten im Narviker Bahnhof kaufen. Dann muss man es sich nur noch bequem machen. Eine Tour mit der Bahn dauert unter 3 Std., inklusive eines Zugwechsels an der schwedischen Grenze. Sie können auch in Katterat oder Bjørnfjell aussteigen und den Rallarweg hinunter zum Rombaksbotn gehen. Informieren Sie sich über die Rückfahrt von Rombaksbotn in die Stadt bei der Touristeninformation in Narvik. Im Winter wimmelt die Bahn von Skifahreren auf dem Weg zu den Hütten und Hotels an der schwedischen Grenze. www.destinationnarvik.no hat noch mehr Info zu Narvik.