Hier gibt es unzählige vorgelagerte Inseln, alte Handelsniederlassungen, Fischerhütten und -siedlungen. Auf dem Wasser sieht man Ruderboote, Kajaks und die Schiffe der Hurtigruten und an der Küste begegnet man lebensfrohen Menschen. Hier erzählt man sich Geschichten, Anekdoten und Sagen und hat Kultur in Form von Musik, Literatur und Kunst zu bieten. Der Tisch ist mit Meeresfrüchten reich gedeckt, denn hier gibt es die fischreichsten Fanggründe der Welt. Seit 1000 Jahren wird Fisch exportiert, was die Menschen entlang der nordnorwegischen Küste geprägt hat.

Ältester Exportartikel des Landes

Je karger das Land nach Norden hin wird, desto fischreicher ist das Meer. Schon vor 1000 Jahren begann man, Trockenfisch nach Mittel- und Südeuropa zu exportieren, denn die Katholiken brauchten ihn als Fastenspeise. Das war der Auftakt zu blühendem Handel! Die Reformation und die Konkurrenz aus Neufundland führte im 17., 18. und 19. Jh. zu einem Rückgang, wobei es im Laufe des 19. Jh. wieder zu einer Erholung kam. Heute ist Fisch nach Erdöl der zweitwichtigste Exportartikel Norwegens.

Große Fischschwärme

Seit Jahrtausenden zieht der nordatlantische Kabeljau nach Weihnachten von der Barentssee kommend entlang der Küste der Verwaltungsbezirke Finnmark, Troms und Vesterålen zu den Laichgewässern bei den Lofoten. In keinem anderen Bereich der Weltmeere wird mehr Kabeljau gefangen, als hier. Im Frühjahr zieht es die Jungfische (Dorsch genannt) wieder zur Küste der Finnmark. Fischer der gesamten Küste finden sich hier zum saisonalen Fischen ein, während sie die restliche Zeit in heimischen Gewässern fischen und nebenbei etwas Landwirtschaft betreiben.

Stock- und Klippfisch, Frisch- und Gefrierfisch

Entlang der Küste von Nordnorwegen herrscht während des Winters ein ausgeglichenes Klima. Die Fische können daher zum Trocknen an Gerüsten aufgehängt oder ausgebreitet werden, eine Methode, die sich seit Jahrtausenden bewährt hat. Der größte Teil des Stockfischs wird heute nach Italien exportiert, wo er Stoccafisso genannt wird. Ab dem 17. Jahrhundert wurde der Fisch vor dem Trocknen gesalzen, und hieß fortan Klippfisch. Der so getrocknete Fisch wird heute nach Portugal und Brasilien (Bacalhau), Italien (Baccalá), Spanien, die Dominikanische Republik und Mexico (Bacalao) exportiert. Nach dem 2. Weltkrieg wurde vor allem Gefrierfisch exportiert, der jedoch zugunsten von Frischfisch rückläufig ist. Letzterer wird nämlich von den Küchenchefs europäischer Restaurants bevorzugt.

Fischerhütten, Speicher und Bootsschuppen

Wenn Holz Jahrhunderte lang der Witterung ausgesetzt ist, nimmt es eine graue Farbe an. Alte hölzerne, auf Pfählen errichtete Kaianlagen mit Speichern zum Be- und Entladen von Schiffen gibt es entlang der gesamten Küste. Die Boote werden in Schuppen untergebracht, die hier „Naust“ heißen. Da die Fischer an Land ein Dach über dem Kopf haben wollten, bauten sie sich Schuppen, auf den Lofoten „Rorbuer“ genannt. Nachdem sie lange Zeit vernachlässigt worden waren, werden die alten Häuser und Kaianlagen heutzutage frisch bemalt und als Restaurants, Läden oder Freizeitdomizile genutzt.

Handel und Wandel

Kaufleute kauften und exportierten den gefangenen Fisch, gaben den Fischern Kredit, wenn die Fänge ausblieben und verkauften ihnen Mehl und Kaffee. An günstigen Stellen entlang der Küste liegen die Handelsniederlassungen, bestehend aus rot gestrichenen Speichern, Bootshaus, Viehstall und einem repräsentativen Haus, rot oder ockerfarben gestrichen. In einigen von ihnen kann man noch die alte Einrichtung bewundern, mit Plüschsofa, Seidentapeten und Kronleuchtern und in den zugehörigen Läden sieht man Gummistiefel, Zinkwannen und Zuckerwerk.

Auf Jagd im Eismeer

Im 19. Jh. begannen kühne Jäger aus Hammerfest und Tromsø in arktischen Gefilden (Spitzbergen, Grönland usw.) mit der Jagd auf Robben, Walrösser, Polarfüchse und Eisbären. Sie zogen zumeist im März aus und kamen im Juni zurück, wobei einige von ihnen auch in Hütten überwinterten, um Jagd auf Polarfuchs und Eisbär zu machen.

Ehemalige Fischersiedlungen

Viele Fischersiedlungen sind verlassen worden, weil sich der Hafen nicht für moderne Kutter eignete oder man etwas weiter von der Küste entfernt leben wollte. Von einigen Siedlungen sind nur noch Grundmauern zu sehen, während andere während der Urlaubszeit von Leben erfüllt sind, weil man sich hier einquartiert. Da es mancherorts sogar Kunstateliers und Andenkenläden gibt, herrscht hier mehr Leben, als je zuvor.

Geschäftige Fischersiedlungen

In manchen Fischersiedlungen wird richtig Geld verdient, z. B. in Røst, von wo aus Stockfisch nach Italien exportiert wird. Pro Kopf der Bevölkerung kommen Hunderttausende von Kronen an Warenwert zusammen. Von Sommarøy aus werden tiefgefrorene Heringe für mehrere hundert Millionen an Japan geliefert, während der Kabeljau von Båtsfjord in alle Welt versandt wird. Die Sommerurlauber glauben oft, dass die Küstenbewohner etwas behäbig sind, doch sie sollten sie mal zur Fangsaison im Winter erleben!

Nisthäuschen für Eiderenten

Eine weitere Einnahmequelle bestand im Verkauf von Eiderdaunen. Die Eiderenten wurden fast wie Familienmitglieder betrachtet, und man setzte ihnen Nisthäuschen auf die Felsen. Während das Weibchen auf dem Nest brütete, konnte man vorsichtig Daunen herausklauben. Da während der Nistsaison genug Daunen für ein Federbett zusammenkamen, war das ein wichtiger Nebenerwerb.

Typische Boote

Ein Boot dieser Gegend ist leicht an seinem hohen, geraden Steven zu erkennen. Es gibt sie in vielen Ausführungen von 15 bis 48 Fuß Länge, die je nach Anzahl der Ruderer verschiedene Namen tragen (Færing, Seksring, Åttring und Fembøring). Mit dem „Færing“ ruderte man zum Kaufmann und angelte im Fjord Fische, während das „Fembøring“ für die Fischerei vor den Lofoten und der Finnmark benutzt wurde. Um 1900 begann die Motorisierung der Boote und allmählich gehörten knatternde Bootsmotoren und Ruderhäuschen zum Alltagsbild. Heutzutage sind die Fischereifahrzeuge zumeist aus Stahl und die Holzboote „landeten“ bei Liebhabern und in Museen.

Eine der schönsten Küstenstraßen der Welt

Die Küste von Nordnorwegen ist oft als schönste Küste bezeichnet worden und die Lofoten gehören lt. National Geographic zu den schönsten Inselgruppen weltweit. Folgerichtig führt die Fahrt der Hurtigruten-Schiffe entlang einer Küste, wie sie schöner kaum sein kein.