Im Frühjahr 1940 erlitt Hitler durch norwegische, britische , französische und polnische Kräften seine erste Niederlage in Narvik. Das Kriegsmuseum des Roten Kreuzes arbeitet die Schlacht bei Narvik in ihrer ganzer Bandbreite auf.

Der Krieg um das Eisenerz

Die Kontrolle über Bodenschätze und andere Ressourcen ist die Ursache fast aller Kriege. Bei der Schlacht um Narvik 1940 ging es um die Kontrolle der größten Eisenerzvorkommen Europas und die Transportwege dorthin. Narvik war und ist Verschiffungshafen für das Eisenerz aus den wichtigen Gruben in Kiruna in Nordschweden. Hitlerdeutschland versuchte die Kontrolle darüber zu sichern, während die Alliierten dies zu verhindern suchten.

Der Angriff

Am 9. April 1940 wurden die wichtigsten Küstenstädte Südnorwegens sowie Narvik in einem koordinierten Angriff von deutschen Kräften überrascht. Während es schneite liefen 10 deutsche Zerstörer in den Hafen von Narvik ein. Hier lagen die zwei alten Marineschiffe „Eidsvold“ und „Norge“. Sie verteidigten den Hafen, wurden aber unter großem Verlust von Menschenleben sofort versenkt. Dann  legten die Jäger am Kai in Narvik an und ließen 2000 österreichische Gebirgsjäger an Land. Die Deutschen hatten Narvik besetzt.

Die erste Seeschlacht

Nach der Aufgabe  der norwegischen Neutralität am 8.Juni und der Verminung der Küstenlinie von Hustadvika  bis Bodö reagierten die Briten rasch auf den Angriff. Am 10.Juni griffen fünf britische Zerstörer die deutschen Schiffe im Narviker Hafen an. Zwei von ihnen wurden versenkt, ein drittes stark beschädigt. Sieben weitere deutsche Seefahrzeuge und mehrere Handelsschiffe sanken ebenfalls,, welches eine verheerende Wirkung auf die Versorgungssituation hatte. Auch die Briten erlitten Verluste: Zwei der fünf Zerstörer sanken, auch hier wurde ein dritter stark beschädigt. Der Narviker Hafen lag voller Schiffswracks.

Die zweite Seeschlacht

Am 13. April kamen die Briten mit dem Schlachtschiff HMS ”Warespite” und 9 Jägern zurück. Sie versenkten 8 deutsche Schiffe im Narviker Hafen und im Rombakfjord. Die Deutschen hatten nun keine Seestreitkräfte mehr. Fast alles an Munition, Kriegsausrüstung und Proviant lag in die Tiefe. Die meisten Marinesoldaten wurden jedoch gerettet und mit den eroberten norwegischen Uniformen ausgestattet.

Der Landkrieg

Die 2000 österreichischen Gebirgsjäger, die am 9. April an Land gegangen waren, arbeiteten systematisch daran ihren Brückenkopf im Narvikgebiet auszuweiten. Bald darauf bekamen sie Verstärkung von den 2600 geretteten Marinesoldaten der versenkten deutschen Schiffe. Am 16. April schlugen sie eine norwegische Kompanie von 200 Mann in Bjørnfjell auf der Grenze und konnten somit die ganze Länge der Ofotbahn besetzen und Verstärkung von Personal und Ausrüstung über Schweden absichern. Sie gingen von Bjervik aus nach Norden über die Berge zum Gratangsbotn um den Bardufoss- Flughafen zu erreichen. In Lapphaugen trafen sie auf norwegischen Widerstand von Abteilungen der 6. Division unter Leitung von General Carl Gustav Fleischer. Systematisch wurden nun Berggipfel und Anhöhen von den Norwegern zurückerobert bis die deutsche Frontlinie an der schwedischen Grenze verlief.

Allierte Landgänger

Die Briten etablierten ihr Hauptquartier am 14.April  in Harstad. Ab dem 28. April bekamen sie Verstärkung durch ein französisches Expeditionscorps. Am 9. Mai kamen vier polnische Exilbataillone dazu. Am 13. Mai gingen französische Fremdenlegionäre in Bjervik an Land. Bald operierten die Polen auf der Südseite der Fjorde, somit wurden die Deutschen in Narvik von zwei Seiten angegriffen.

Der erste Sieg der Alliierten

Die Deutschen waren nun von jeglicher Verstärkung abgeschnitten und hatten nur bescheidene Unterstützung aus der Luft. Eine ständig besser koordinierter norwegischer und alliierter Druck trieb sie zurück. Am 28. Mai gingen norwegische und französische Kräfte von Norden aus an Land der Narvik- Halbinsel, während die Polen von Süden aus angriffen. Die Deutschen sprengten und zerstörten den Narviker Hafen, bevor sie sich ins Stadtinnere zurückzogen. Dies war der erste Landsieg der Alliierten während des 2. Weltkrieges.

Evakuierung

Die Deutschen hatten nur noch ein kleines Gebiet nahe der schwedischen Grenze unter Kontrolle. Sie planten, sich in das neutrale Schweden internieren zu lassen, was jedoch nicht durchgeführt wurde. Schon nach der Rückeroberung von Narvik hatten die Alliieren nämlich beschlossen sich aus Norwegen zurückzuziehen. Die Situation in Frankreich zu diesem Zeitpunkt war kritisch und die Streitkräfte wurden dort gebraucht. Der Sieg in Narvik war jedoch die Vitaminspritze für den Kriegseinsatz der Alliierten: „Look to Narvik“ sagte Winston Churchill. Zwischen dem 4. und 8. Juni wurden die alliieren Kräfte aus Narvik evakuiert. Am 8. Juni wurde die Stadt erneut von den Deutschen besetzt. Zwei Tage später kapitulierte der norwegische Widerstand.

Das Kriegsmuseum und die kriegsgeschichtliche Landschaft

Mitten im Zentrum von Narvik liegt das Kriegsmuseum des Roten Kreuzes. Mit Plakaten, Bildern und Gegenständen wie Uniformen, Waffen und Medaillen werden die verschiedenen Stadien der Schlacht bei Narvik vermittelt. Auch andere Themen zum  2.Weltkrieg werden beleuchtet, wie etwa die sowjetischen Kriegsgefangenen und die Versenkung der Tirpitz. Die Stadt hat auch eine Friedenskapelle und einen großen Soldatenfriedhof. In der kriegsgeschichtlichen Landschaft  um Narvik, wo die Kämpfe vonstatten gingen, wurden sechs künstlerisch gestaltete Denkmäler aufgestellt.

Menschenschicksale

Das Kriegsmuseum des Roten Kreuzes wird von Menschen vieler Nationen besucht, die durch ihre Familienangehörigen eine direkte Verbindung zur Schlacht haben. In Paris liegt die Metrostation Narvik. In Polen tragen Universitäten und Gymnasien den Namen Narvik. Viele Spanier kamen direkt aus dem spanischen Bürgerkrieg in die französische Fremdenlegion. Die Sowjetunion war damals noch nicht dabei, aber in den Kriegsjahren waren u.a. 75% der 105 000 russischen Soldaten unter schrecklichen Bedingungen Kriegsgefangene in Nordnorwegen,. Sowohl australische als auch indische Soldaten leisteten ihren Dienst in der britischen Armee. Bis zu 350 000 deutsche und österreichische Soldaten waren während der Besetzung Norwegens vor Ort. Die wenigen Überlebenden und die vielen Nachkommen finden ein Museum vor, das die Geschichte auf sehr faktenorientierte, sachliche und vielseitige Art und Weise vermittelt. Das Grauen des Krieges wird den Besuchern erst nach einiger Zeit bewusst. Groß ist das Museum nicht, aber es braucht eine Weile alles zu verarbeiten.

NB! DAS MUSEUM IST JETZT GESCHLOSSEN. ALLERDINGS ÖFFNET IM LAUFE DES SOMMERS 2016 DAS NEUE FRIEDENSZENTRUM MIT NEUEN AUSSTELLUNGEN. 

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