Die mächtigen Atlantikwellen, die sich in der Bucht von Unstad auftürmen, sind in Surferkreisen heiß begehrt. Profis kommen im stürmischen Herbst und Winter, während Anfänger im Sommer perfekte Bedingungen finden.

Surfbrettbasteln im Werkunterricht

1963 ist die Geburtsstunde der Surferszene in Unstad. Einige Jungs aus dem Dorf sind gerade von einer größeren Seereise zurückgekommen. Dabei hatte es sie unter anderem nach Australien verschlagen, wo sie sich in der edlen Kunst des Wellenritts versuchten. Wieder daheim fertigen sie – inspiriert vom Cover einer Beach-Boys-Schallplatte – im Werkunterricht der Schule ihre eigenen Surfbretter an, testen sie in der heimischen Bucht und stellen fest, dass die heimischen den australischen Wellen durchaus das Wasser reichen können. Und ganz nebenbei – dass sich ein Surfbrett perfekt eignet, um die Aufmerksamkeit der Mädchen auf sich zu ziehen... Bis 1990 ist das Surfen in Unstad einfach nur ein schöner Zeitvertreib, dann nimmt es auch hier professionellere Züge an. Marion Frantzen von Unstad Arctic Surf, der lokalen Surfschule, beschreibt das Surfen als gewaltiges Naturerlebnis – «Es ist ein verrücktes Gefühl, auf dem Meer zu liegen».

Im Surfer-Paradies

Weil das Meer vor Unstad einen halben Kilometer tief ist, können sich die Wellen von Grönland aus ungebrochen in Richtung Lofoten aufbauen. Hier, direkt vor der Küste, befindet sich jedoch eine langgestreckte Untiefe. Wenn die Wellen mit ihrer ganzen Energie hier auflaufen, türmen sie sich wie in der Old Spice-Werbung hoch und schäumend auf – dann sollte man startbereit auf dem Meer liegen. Nirgends in Nordeuropa sind die Wellen so sicher wie in Unstad – das kleine nordnorwegische Dorf konkurriert mit berühmten Surfer-Paradiesen wie Biarritz in Frankreich und Nazaré in Portugal um den besten Surfstrand Europas.

Stürmischer Herbst und Winter

In der kälteren Jahreszeit sind die Wellen am stabilsten, dann kommen erfahrene Surfer aus aller Welt, um Aktiv-Urlaub der besonderen Art zu verbringen: Die vom Herbststurm gejagte, von links auf die Bucht zurasende Welle gehört zu den besten der Welt und man darf getrost davon ausgehen, den größten Teil des Tages auf dem Surfbrett zu verbringen. An stürmischen Tagen bleibt Unstad zwar erfahrenen Surfern vorbehalten, die hier an ihrer Technik feilen können. Doch auch Anfänger finden geeignete Möglichkeiten: in Flakstad weiter im Südwesten der Lofoten, wobei Unstad Arctic Surf den Transport dorthin vermittelt. Die Elite der weltweiten Surferszene ist der Auffassung, Unstad sei ein ganz besonderer Ort: Hier muss sich niemand anstellen, um surfen zu können, es ist Platz genug für alle auf der Jagd nach der Monsterwelle. Und die einzigartig schöne Landschaft, das abendliche Nordlicht am Winterhimmel und die zauberhaft bläuliche Atmosphäre sorgen für eine Stimmung, die so ganz anders ist als an den traditionellen Surforten.

Sommer-Surfspaß für Anfänger

Im Sommer sind die Abstände zwischen den höheren, raueren Wellen größer. Die sanfteren Wellen dazwischen sind für Anfänger bestens geeignet. Dann kommen Familien, Erwachsene ohne Surferfahrung und Rentner, um sich ein Wochenende lang in der Kunst des Wellenreitens zu versuchen. Professionelle Lehrer mit langjähriger Erfahrung auf allen Surfstränden der Welt stehen für Tipps und Anleitung bereit. Als Anfänger bleibt man zunächst im Flachwasser, um die ersten Schritte gefahrlos zu lernen. Je sicherer man wird, desto weiter hinaus kann man sich wagen. Eines ist jedoch garantiert: Jeder schafft es, sich auf das Brett zu stellen! Hat man den richtigen Kniff erst einmal herausbekommen, kann man bei günstigen Bedingungen an jedem Surferstrand der Welt mitmischen.

Extremsport?

Marion Frantzen von Unstad Arctic Surf versichert: Surfen gehört keineswegs zu den Extremsportarten. Bei den Surfercamps im Sommer ist jeder dabei, von Familien mit Kindern bis hin zu Rentnern, und alle schaffen den Balanceakt auf dem Brett. «Das ist wie beim Fahrrad fahren: Hat man es einmal gelernt, kann man es!». Unstad Arctic Surf hat in die besten Neoprenanzüge und sichersten Bretter investiert und hält routinierte Abläufe in Bezug auf Sicherheit und Rettungsmaßnahmen bereit. «Bisher hat es hier noch keinen ernsthaften Zwischenfall gegeben, und das soll auch so bleiben», sagt Marion.

Surfen in Unstad

Unstad Arctic Surf vermietet Surfbretter und Neoprenanzüge, bietet einfache Unterkünfte in Hütten und sorgt für die Verpflegung. Man kann die Leistungen entweder separat oder als Pauschale buchen. Erfahrene Surfer bevorzugen den Winter und die Übergangszeiten, während Anfänger das ganze Jahr über kommen können. An stürmischen Tagen können Letztere nach Flakstad ausweichen, wo das Meer nicht ganz so ungehobelt ist.

Nähere Informationen

Die Internetseite von Unstad Arctic Surf bietet alle wichtigen Informationen rund um das Surfen. Der lokale Tourismusverband Destination Lofoten informiert über alle weiteren Aktivitäts- und Erlebnismöglichkeiten auf den Lofoten.