Svalbards ereignisreiche Geschichte und besondere Natur sind die Leitthemen des preisgekrönten Svalbard-Museums. Bevor Sie sich aufmachen, um Svalbard – im deutschen Sprachgebrauch besser als Spitzbergen bekannt – zu erkunden, empfehlen wir einen Museumsbesuch, um sich einen Einblick in die Geologie, Fauna und Kultur dieses Außenpostens der Zivilisation zu verschaffen.

Arktische Flora und Fauna

In der Hocharktis sind nur wenige Arten in der Lage, an Land zu überleben, beispielsweise das Spitzbergen-Schneehuhn und das kleine, gedrungene Spitzbergen-Ren. Im Meer tummeln sich jedoch zahlreiche Tiere, da aufeinandertreffende warme und kalte Meeresströmungen für eine reichhaltige Nahrungsgrundlage sorgen. Eismeer-Ringelrobbe, Bartrobbe, Walross und viele Walarten laben sich an Fisch und Plankton, während die etwa 3000 Eisbären auf Robbenjagd gehen. Die Vegetation erreicht nur einige Zentimeter Höhe, doch es wachsen immerhin Svalbard-Mohn, diverse Steinbrecharten und die Polarweide. Im Dung unterhalb der Vogelfelsen gedeiht Echtes Löffelkraut, auch Skorbutkraut genannt.

Gestein und Fossilien

Die Gesteinsarten der Inselgruppe sind aufgrund der kargen Vegetation leicht mit bloßem Auge zu erkennen. Svalbard lag vor Jahrmillionen viel näher am Äquator. Dies erklärt sowohl die großen Kohlevorkommen aus dem Karbon als auch die zahlreichen Fossilien aus dem Jura. Plesiosaurier und Flugsaurier, gepanzerte Urfische und weitere Meeresfossilien unterschiedlicher Erdzeitalter sind heute auf ganz Svalbard leicht zu finden.

Svalbard wird entdeckt

Gegen Ende des 16. Jahrhunderts rüsteten die westeuropäischen Länder Expeditionen aus mit dem Ziel, einen kürzeren Seeweg nach Asien zu finden. 1596 tauchte eine niederländische Expedition unter der Leitung von Willem Barentsz vor Svalbard auf – man wollte versuchen, nördlich des asiatischen Kontinents nach China zu gelangen. Die Männer töteten zunächst einen Eisbären nahe einer Insel, die daraufhin den Namen Bjørnøya – Bäreninsel – erhielt. Dann fuhren sie an einer Küste mit spitzen Bergen entlang, auf Niederländisch Spitsbergen, und beobachteten große Mengen an Walen und Walrossen. Bei Novaja Zemlja weiter im Osten wurden sie schließlich vom Eis eingeschlossen, mussten überwintern und konnten am Ende doch noch eine menschliche Siedlung in Nordwestrussland erreichen. Die Expedition war ein Fiasko, doch Svalbard mit seinen reichhaltigen Naturressourcen war fortan fester Bestandteil der Landkarten.

Zeit der Walfänger

1612 gelang es, einen Wal zu erlegen – dies war der Startschuss für eine Klondyke-artige Goldgräberstimmung im hohen Norden. In den Fjorden auf der Westseite von Svalbard wurden von kleinen Booten aus Grönlandwale harpuniert. Das Fett der Tiere wurde in großen Kochereien an Land, in denen mehrere hundert Mann vollauf beschäftigt waren, zu Tran verarbeitet. Etwa 1650 zogen sich die Wale jedoch infolge der Walfangaktivitäten aus der Region zurück, weshalb man dazu überging, die Jagd weiter im Norden am Rande des Polareises von Schiffen aus fortzusetzen –und Svalbard somit weitaus geringer frequentierte. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts waren die Wale nahezu ausgerottet.

Die russische Periode

Ab 1704 richteten die Russen Überwinterungsstationen auf Svalbard ein, um Jagd auf Walrosse und Pelztiere wie Fuchs, Robbe und Eisbär zu machen –als Teil eines koordinierten russischen Engagements in den nördlichen Gebieten. Die Jagdstationen – relativ große Anlagen mit mehreren Räumen – waren aus Holzstämmen errichtet, die man von der Weißmeerküste antransportiert hatte. Große orthodoxe Kreuze sicherten nicht nur das Wohlwollen heiliger Mächte, sondern dienten auch der Orientierung. Gegen 1800 nahmen die Aktivitäten der Russen ab, 1840 wurde sie gänzlich eingestellt.

Jäger überwintern auf Svalbard

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts begannen auch skandinavische Jäger in einfachen Hütten auf Svalbard zu überwintern, die meisten stammten aus Nordnorwegen. Die Jagd richtete sich auf Pelztiere wir Polarfuchs, Eisbär und Robbe, man sammelte die Daunen der Eiderente und schoss Vögel und Rentiere, um sich mit Frischfleisch zu versorgen. Insgesamt kam man auf über 1000 Überwinterungen in diesem Zeitraum, größtenteils vor 1940. Die Jäger waren dabei vermutlich mindestens so stark von Abenteuerlust getrieben wie vom Geld, das der Verkauf der Felle einbrachte.

Bergbau

Kurz vor 1900 wurden die Kohlevorkommen auf Svalbard entdeckt. Menschen aus zahlreichen Ländern erwarben Schürfrechte. Orte wie Svea, Pyramiden, Grumantbyen, Barentsburg und Longyearbyen wurden zu dauerhaften Bergbausiedlungen. Die Norweger und Russen bzw. Sowjets waren am längsten zusammenhängend aktiv, zeitweise engagierten sich auch Schweden, Amerikaner und Niederländer intensiv. Die Bergbausiedlungen waren ganzjährig in Betrieb, von November bis Juni lebten Hunderte von Männern vom Festland abgeschnitten.

Besuch des Svalbardmuseums

Das Svalbard Museum, Sieger des Europarat-Museumspreises 2008, gehört zu den modernen Museen „zum Anfassen“. Texte halten sich in Grenzen, zahlreiche Fotos aus einem umfangreichen historischen Archiv wecken die Neugierde, Aktive können durch einen Bergwerksstollen kriechen, einen Blick in die Jagdhütte werfen, dem Eisbären einen Besuch abstatten oder über die Tundra und zwischen Eisschollen herumwandern. Hier wählt der Museumsbesucher selbst, ob er sich die Museumsinhalte eher anlesen oder lieber mit den eigenen Sinnen erfassen möchte. Das Museum befindet sich im Forschungspark Svalbard, relativ zentral in Longyearbyen, und ist das ganze Jahr über geöffnet. Nähere Informationen über das Museum gibt es unter www.svalbardmuseum.no, unter www.svalbard.net erhält man touristische Informationen über die Inselgruppe.