In der bewegten Geschichte des ältesten Hotels Norwegens, Fru Haugans Hotel in Mosjøen, stößt man auf starke Frauen und einen Arsenik-Mord ...

Über 200 Jahre alt

1794 erhielt der Frachtschiffkapitän Erik Sjursen die königliche Erlaubnis, ein Gastgewerbe mit Bauernhandel zu betreiben. Diese beinhaltete nicht nur Handelstätigkeit, Gemischtwarenladen und Branntweinverkauf, sondern auch einen Hotelbetrieb. Insgesamt entstand so am Fluss Vefsna einer der über 200 Handelsorte an der nordnorwegischen Küste –lange bevor Mosjøen als Stadt in Erscheinung trat.

Aufstieg und Niedergang

1827 starb der Händler Peter Heitmann beim Lofotenfischfang, angeblich aufgrund einer Arsenik-Beigabe im Proviantkästchen, das ihm seine Frau Anne Christine Clausdotter mitgegeben hatte. Sie heiratete daraufhin ihren Geliebten, den Frachtschiffkapitän O.H. Schrøder, der sich zu einem geschickten Kaufmann entwickelte. Später übernahm Schrøders zweite Frau den Handelsort, konzentrierte sich jedoch auf den Hotelbetrieb, da die Hochzeit der Handelsorte bereits der Vergangenheit angehörte, während das benachbarte Mosjøen auf Basis der Holzwirtschaft zur Stadt erblühte – zeitweise herrschte dort sogar richtige Goldgräber-Stimmung. 1866 entstand der älteste Teil des heutigen Hotelkomplexes. 1882 war das Hotel jedoch nicht mehr zu halten und es musste Konkurs anmelden.

Frau Haugan übernimmt

Ellen Haugan zog 1885 von Ålesund nach Mosjøen. Ihr Mann hatte Konkurs und anschließend einen Nervenzusammenbruch erlitten. Um ihr Leben zu bestreiten, griff sie zu, als das Hotel zum Verkauf oder zur Verpachtung ausgeschrieben war. Zunächst pachtete sie es, erwarb es jedoch nach 13 Jahren für 15.000 Kronen. Beherzt machte sie das verfallene Objekt zu einem gut geführten Hotel, das für eine hochwertige Küche und guten Service bekannt war, und baute es abschnittsweise aus.

Funktionaler Anbau

Frau Haugans Tochter, Eli Jensen Hals, leitete die Erweiterung in den 1930-er Jahren, als das Hotel 40 neue Zimmer in einem gesonderten Anbau aus Beton erhielt –neue Zeiten brachten eine neue Architektur mit sich. 1940 beschlagnahmten die deutschen Besatzer das Hotel, Eli sägte vor der Übergabe jedoch noch den Fahnenmast ab, um zu verhindern, dass die Hakenkreuzfahne gehisst wurde. In den neunziger Jahren wurden erneut Erweiterungen vorgenommen und 2015 der vorläufig letzte Anbau vollendet.

Weiblicher Unternehmergeist

Im ältesten Teil des Hotels, der Elistuen, blickt die Ahnengalerie der Hotelbetreiberinnen auf den Besucher nieder: die Gründerin und Namensgeberin Ellen Haugen, ihre jüngste Tochter Eli Jensen Hals, deren Nichte Eli Jürgensen (ab 1970) sowie wiederum deren Nichte Bjørg Jürgensen Johannessen (ab 1991). Heute leitet Ellen Løvold Strand, Bjørgs Tochter, die Geschicke des Familienbetriebs –kein anderes Hotel in Norwegen ist seit derart langer Zeit in Familienbesitz. Das alte Hotelgebäude beherbergt heute das Ellenstuen Restaurant und die Fruen Bar mit historischem Interieur, das von der langjährigen Hotelgeschichte zeugt.

Hotelmuseum

Das Hotelmuseum ist im ältesten Haus des alten Handelsortes untergebracht, das Ende des 18. Jh. entstand –zunächst als Wohnhaus des ersten Kaufmanns, später wurde es als Vorratshaus, Küche und Dienstwohnung genutzt. Mit der Zeit sammelten sich hier alte Gegenstände an, weshalb das Gebäude schließlich zum Museum wurde. Die Küche ist mit Steinzeug von Egersund Fayance bestückt, einer alten Eismaschine und einem Kühlschrank aus der Zeit, als es noch keinen Strom gab – die Kühlung erfolgte mittels Eisblöcken. Ein schöner Jugendstilsalon, Himmelbetten, Waschkommoden und eine Orgel aus Dønna gehören ebenfalls zu den Raritäten.

Renaissance-Garten

Der schöne Hotelgarten am Vefsna bestand schon zu Zeiten des Handelsortes. Entsprechend dem Zeitgeist wurde er im Renaissancestil mit strenger Symmetrie angelegt und mit Gartenlaube, Wasserspiel, Stauden und großen Laubbäumen bestückt.

Übernachtung im Fru Haugans Hotel

Vermutlich erhält man eines der behaglichen Zimmer im neuen Flügel des Hotels. In den alten Salons, dem alten Restaurant und in der Bar ist man jedoch von historischen Details umgeben. An schönen Tagen sollte man natürlich die Gartenlaube im Renaissancegarten besuchen. Zusammen mit Sjøgato, dem alten Stadtteil von Mosjøen, bildet das Hotel Fru Haugans ein historisches Ensemble, das die schöne Stadt an der Mündung des Vefsna prägt. 

 Nähere Informationen

  • Die Homepage des Fru Haugans Hotels informiert umfassend über Geschichte und Angebot.
  • Helgeland Reiseliv informiert über zahlreiche Erlebnis- und Freizeitmöglichkeiten in Mosjøen und Helgeland.