Welches Fischerdorf ist das schönste im Land? Nusfjord hätte in diesem Wettbewerb beste Chancen: In einer stillen Bucht unter den mächtigen Bergflanken der Lofoteninsel Flakstadøya präsentiert es sich malerisch in Ocker und Rot.

Komplett erhaltene Fischersiedlung

1905 reisten alljährlich 1500 Lofotenfischer nach Nusfjord, um hier auf Fang zu gehen. Nur die wenigsten dieser Saisonfischer stammten von den Lofoten, die meisten lebten an der Festlandsküste. Ein Teil schlief eng zusammengepfercht in Rorbu-Hütten. Wer sich derartigen „Luxus“ nicht leisten konnte, drehte abends einfach das Boot um und hatte so ein Dach über dem Kopf. <}0{>

Ab 1847 war die Anlage im Besitz der Familie Dahl, die den Standort noch bis 2005 kontrollierte. Seine Blütezeit erlebte Nusfjord von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis in die ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts, doch seine zentrale Bedeutung als Fischerort blieb bis zur Jahrtausendwende bestehen –nicht zuletzt dank der geschützten Lage des Hafens, der die Siedlung gut vor den Winterstürmen des nahegelegenen Lofotmeers abschirmte.

50 Rorbu-Hütten

Etwa 50 alte, rot gestrichene Rorbu-Hütten – rote Farbe war damals am billigsten – gruppieren sich um das Hafenbecken. Sie bieten heute einen Standard, von dem die Fischer nie zu träumen gewagt hätten. Äußerlich vermitteln sie jedoch unverändert die Idylle von damals.

Fischereiindustrie-Gemeinde

Nusfjord war seiner Zeit ein effizienter Fischereistandort. In der 1910 angelegten Trankocherei wurde noch bis 1990 Fischtran hergestellt, sowohl der feine, gesunde Tran für medizinische Zwecke als auch der grobe, den man für Anstriche und zum Schmieren von Maschinen verwendete. In der kleinen Räucherei oben am Hang wurde Lachs geräuchert. Im Rødnaustet, dem roten Bootsschuppen von 1877, bewahrte man Fischereiutensilien auf, unter anderem Garn und Wannen zum Imprägnieren von Garn. Im Bootshaus Nordnaustet ist ein altes Achtriemen-Klinkerboot aus dem ausgehenden 19. Jahrhundert ausgestellt, das als Kirchenboot und zur Langleinenfischerei genutzt wurde. Die Bäckerei von 1877, einst Brotlieferant für die Rorbu-Fischer, ist heute wieder in Betrieb. Etwas weiter oben am Hang stößt man auf die Kraftwerksstation von 1905, die drittälteste Nordnorwegens, die genügend Strom für das Wohnhaus des Dorfbesitzers sowie einige Maschinen der Fischveredelungsanlage lieferte.

Gastlichkeit in historischem Ambiente

Der alte Tante-Emma-Laden von 1907 ist in seiner ursprünglichen Form erhalten: Hier tritt man an eine lange Theke, hinter der sich bis zur Decke Regale türmen. Obenauf thront eine historische Registrierkasse - ein wahres Schmuckstück mit dem ernst zu nehmenden Hinweis «Fragen Sie nach der Quittung»! Der Laden wird nach wie vor betrieben – hier können sich Einheimische wie Gäste mit dem Grundbedarf an Lebensmitteln versorgen –und fungiert zugleich als Rezeption für die Ferienwohnungen. Der Gasthof Oriana in einem der Keller bietet einfache Gerichte zum Bier. Ein wenig nobler geht es im Restaurant Karoline zu, wo man À-la-Carte-Gerichte serviert, die auch der Dorfbesitzer nicht verschmäht hätte.

Ferienort

Ab 2005 erlebte der Lofotenfischfang auf der Innenseite der Lofoten einen starken Einbruch, während sich die Aktivitäten auf der Außenseite des Archipels konzentrierten. Nusfjord hatte für die Fischerei plötzlich keine so gute Lage mehr und wurde schließlich aufgekauft und zum Ferienort umgestaltet. Das Ensemble wurde in Zusammenarbeit mit der Obersten Denkmalschutzbehörde komplett restauriert und präsentiert sich heute teils als Museum, teils als Feriendomizil. Als Tagestourist bezahlt man eine geringe Eintrittsgebühr, mit Hilfe derer Parkplatz, WC-Anlage etc. gepflegt werden können.

Urlaub in Nusfjord

Nusfjord eignet sich bestens, um den Alltag hinter sich zu lassen. Manch einer begibt sich auf die Spuren der Vergangenheit, eine Woche fischend auf dem Meer verbringend – Boote, Gerätschaften zum Ausnehmen der Fische und Tiefkühlmöglichkeiten sind vorhanden. Andere kommen mit dem eigenen Boot und legen am Gästehafen an. Viele nutzen Nusfjord auch als Ausgangspunkt für Wanderungen in die umliegenden Berge – besonders der Küstenpfad zum Nachbardorf Nesland ist sehr beliebt. Im Winter ist Nusfjord ein zauberhafter Ort, über den sich das grüne Licht des Nordlichts breitet, während sich am Horizont die schwarze Silhouette der Lofoten abzeichnet. Die meisten genießen einfach als Tagesgäste die Ruhe und Idylle dieses abgeschiedenen Winkels. Wer sich einem geführten Rundgang anschließt, erfährt Wissenswertes über die Lokalgeschichte und gelangt schließlich zum Amphitheater auf einer Felskuppe zwischen den Häusern und dem Meer. Entworfen von Architekturstudenten der Norwegischen Technisch-naturwissenschaftlichen Universität, präsentiert es sich kompromisslos modern in der Form, während in der Materialwahl auf bewährtes Holz zurückgegriffen wird, das elegant in das historische Holzhausambiente übergleitet.

Mehr über Nusfjord

Im Europäischen-Denkmalschutzjahr 1975 wurde Nusfjord als einer von drei Standorten ausgewählt, an denen die Erhaltung wertvoller historischer Architektur gefördert werden sollte. Nusfjord hat eine eigene Internetseite mit vielen Fotos und Hintergrundinfos. Die Anlage gehört zur Hotelkette Classic Norway. Der Tourismusverband Destination Lofoten informiert über weitere zahlreiche Möglichkeiten für Ferienreisende auf den Lofoten.