Ein Hotel ganz aus Holz, 1905 für die englischen „Lachs-Lords“ erbaut, rückte 1940 ins Zentrum der Geschehnisse. Heute geht es in Rundhaug beschaulich zu.

Altehrwürdige Herberge

Schon am Hoteleingang schlägt dem Gast historisch-feudale Atmosphäre entgegen: Durch die filigranen, weißen Sprossenfenster der Veranda blickt man über den Hotelrasen hinweg auf den breiten Strom des Målselv. Der Speisesaal empfängt mit Möbeln im Drachenstil und Ausstattungsdetails aus unterschiedlichen Stilepochen unter vornehm dunkler Deckentäfelung. Die Treppe führt in elegantem Jugendstil-Schwung zur oberen Etage. Die ganze Szenerie verströmt ein wenig Carl Larsson-Romantik vor der Kulisse des Gletscherpanoramas der fast 1500 Meter hohen „Eisgipfel“ Istindan – ein effektvoller Kontrast.

Die Lachs-Lords

Das 1905 eröffnete Hotel war vor allem bei den englischen „Lachs-Lords“ beliebt – wohlhabende Briten, die zum Lachsangeln nach Norwegen kamen; denn der Målselva gilt als einer der besten Lachsflüsse Norwegens. Auch der deutsche Kaiser Wilhelm II., der seinen Sommerurlaub gerne in Norwegen verbrachte, logierte mehrfach in den urigen Suiten. Im Übrigen waren die Gäste bunt aus Reisenden zusammengesetzt, die gehobenen Standard bevorzugten. Amanda Sandmo, die energische, rührige Hoteldirektorin, achtete penibel auf das Wohlergehen der Reichen und Schönen. Die Lokalbevölkerung wurde in gebührendem Abstand gehalten, mit Ausnahme der Hotelangestellten, die bei strenger Disziplin ihren Dienst verrichteten. Vermutlich wandelt Amanda noch heute durch die Räume und überprüft aufs Genaueste, ob alles am rechten Platz sitzt.

1940 – Krieg und Gesangstalent

Im Mai 1940, als in Narvik der Kampf tobte und Südnorwegen bereits von Deutschland besetzt war, hielten sich König Haakon, Kronprinz Olav und die Regierung auf der Flucht vor den Angreifern in Troms auf. Die bedrängten Landesoberhäupter übernachteten in den letzten Maitagen mehrmals im Hotel. Zu diesem Anlass wurde die vor Ort lebende 17-jährige Aase Nordmo Løvberg ins Hotel geholt, um die Gäste mit Liedern zu unterhalten. Dies war der Beginn einer Karriere – Løvberg wurde später eine international gefragte Opernsängerin. Als die Deutschen am 7. Juni schließlich auch am Målselv einrückten, besetzten sie das Hotel, das während des gesamten Krieges als Hauptquartier für die Region dienen sollte.

Entspannendes Dekor

Die Räume wurden in respektvoller, dezenter Manier restauriert. Die Palette der Hintergrundfarben erstreckt sich von Magnolie bis Französisch Weiß, während die Gardinen und Bettüberwürfe in lebhaften, frischen Farben und Mustern gehalten sind. Die Betten sind neu, im Übrigen besteht die Zimmerausstattung aus alten Möbeln, die nicht nur aus dem beginnenden, sondern dem gesamten 20. Jahrhundert stammen. Das Hotel wird über einen Kessel im Keller zentral beheizt und es gibt keine Lüftungsanlage –die Säle und Zimmer haben daher ein natürliches Raumklima und es ist völlig still.

Zimmervielfalt

Jedes der individuell gestalteten Zimmer ist nach einer bekannten Person benannt, die mit dem Hotel in Verbindung steht: Kaiser Wilhelm II. ist eine ganze Suite gewidmet und natürlich findet auch die Sängerin Aase Nordmo Løvberg entsprechend Würdigung. Die Eintragung der norwegischen Eiskunstläuferin Sonja Henie im Gästebuch, wo sie als «Filmstar, Hollywood» unterschreibt, hängt eingerahmt hinter Glas in ihrem Gemach. Es gibt Einzelzimmer, Doppelzimmer und Suiten, einige mit Bad, während sich bei anderen Dusche und WC auf dem Gang befinden – im Zimmer hängt für derartige Besuche ein Bademantel bereit.

Lachsabenteuer

Noch heute zieht es im Sommer Lachsangler ins Hotel Rundhaug, das traditionsgemäß Übernachtungen mit Fischgericht anbietet und bei Bedarf auch Angelguides organisiert. Der Fang wird abends nach Manier der Lachs-Lords im englisch inspirierten Keller-Pub begossen. Zu den Sommeraktivitäten gehören ebenso Wanderungen, Waldspaziergänge, Gipfeltouren, Fahrradtouren und Paddeltouren – doch auch für die Entspannung auf der Terrasse sollte man genügend Zeit einplanen, denn am Målselv herrschen meist sehr angenehme Sommertemperaturen.

Stelldichein mit dem Nordlicht

Das trockene Kontinentalklima um Rundhaug bietet perfekte Bedingungen für das Nordlicht. Für die Jagd nach der mystischen Himmelserscheinung bieten sich organisierte Touren mit dem Auto, Hundeschlitten oder Schneescooter, oder man zieht einfach auf eigene Faust los. Ein romantischer Aufenthalt zu zweit im Winter, bei dem man nach einer Skitour gemeinsam den Abendhimmel nach den tanzenden Irrwischen absucht, die erlesene Speisekarte im Restaurant und später die Sauna mit Wellnessabteilung im Keller genießt, oder einfach die Zweisamkeit, wird unvergesslich bleiben.

Nähere Informationen

Aktuelle Informationen bietet die schön illustrierte Internetseite des Hotels: www.rundhauggjestegard.no