Einen Leuchtturm zu besuchen ist, als sitze man in der Königsloge im Theater – man genießt die beste Sicht. Das Repertoire des Leuchtturms auf Tranøy ist alles: vom sommerlichen Lustspiel der Wellen und Sonnenuntergänge bis zum winterlichen Melodrama aus Unwetter und Sturm. Die Kulissen sind übertrieben theatralisch, aber an der Bedienung ist nichts auszusetzen, und hier kann man auch nachtsüber bleiben.

Erstes Parkett

Der Tranøyer Leuchtturm liegt weit draußen auf Hamarøy, am Vestfjord, dort, wo der Schiffsverkehr zum Narviker Erzhafen und weiter nach Norden entlanggeht. Ein rotweißer Leuchtturm ragt über eine Traube weißer Häuschen auf einem kleinen Holm. Dorthin führt eine 250 m lange Fußgängerbrücke – und zwar mitten in der hunderte Kilometer weiten dramatischen Küstenlandschaft Norwegens.

Ein Leuchtturmschicksal

Der Leuchtturm auf Tranøy wurde erstmalig 1864 entzündet und war von da an ganzjährig bewohnt. 1910 bekam er ein neues Leuchtfeuer mit Blinkapparatur und gibt seitdem alle 6 Sekunden 2 Blinksignale. 1936 wurde ein 20 m hoher gusseiserner Leuchtturm von Moholmen in Lofoten auf Tranøy gebracht und das alte Leuchtfeuer in den Turm gesetzt. Auch ein Nebelhorn wurde montiert. In den 1970er-Jahren nahm man eine schrittweise Modernisierung vor. Der letzte Leuchtturmwärter verließ seinen Posten 1994.

Auf Tranøy

Eternit, das Wunderpaneel aus den 1950er-Jahren, bedeckt die Außenwand des Leuchtturms. Man muss also etwas genauer hinsehen, um zu erkennen, dass einiges an diesem Bauwerk aus den 1860er-Jahren stammt. Ein paar robuste Buschrosen und ein Meer von Veilchen und Hornklee setzen Farbakzente. Im Frühsommer schießen die Seeschwalben auf die Köpfe herab, während das Eiderentenweibchen sich den Menschen gegenüber eher phlegmatisch zeigt. Auch Schwertwale, Westfjordwale und Grindwale kann man ab und an in der Nähe des Leuchtturms sehen.

Im Leuchtturm

Der Tranøyer Leuchtturm beleuchtet noch immer die Fahrrinne. An hellen Sommertagen jedoch nützt ein Leuchtturm wenig, sodass er dann von Gästen besucht werden kann. Von der Mechanik sieht man heute kaum etwas, das Leuchtfeuer ist automatisiert. Die Extrabirne, welche bei Ausfall automatisch eingesetzt wird, kann man jedoch sehen. Diese Mechanik macht einen Leuchtturmwärter überflüssig. Noch immer gibt es das Wartezimmer unter der Leuchte. Man kann sich lebhaft vorstellen, wie kalt es gewesen sein muss, stundenlang hier zu warten, wenn im Winter eiskalte Winde übers Land zogen. Vielleicht war der Sprit, der das Leuchtfeuer erhalten sollte, deshalb oft vorzeitig leer.

Værøy

Auf dem Balkon um das Leuchtfeuer hat man einen 360°-Blick und sieht die skulpturalen Gipfel auf Hamarøy, die imponierenden Steigartinden im Süden und die ganze Lofotenwand im Westen. An klaren Tagen sieht man weit draußen auch Mosken und Værøy. Der erste Blickfang vom Leuchtturm oben sind, die Brücke vom Festland, die Gebäude und das klare Wasser– man begreift plötzlich, wie weit man gerade von jeglichen Siedlungen entfernt ist

Das Leben eines Leuchtturmwärters

Auch auf Tranøy wohnte eine Leuchtturmwärterfamilie, wie auf allen Leuchttürmen an der Küste. Sie hatten Schafe, ein Schwein, eine Kuh und gingen fischen. Im Vorsommer lagen bis zu 300 Eiderentenweibchen überall in ihren Nestern, sodass man sich an den Eiern bedienen konnte. Die Kinder des Wärters hatten jedoch einen langen Schulweg und mussten 11 km pro Weg zu Fuß zurücklegen. Das aber taten sie gerne, denn andere Kinder zu treffen war etwas Seltenes..

Im Leuchtturm wohnen

Die Gebäude am Tranøyer Leuchtturm sind in große und kleine Einheiten aufgeteilt. Es gibt Einbettkammern, Doppelzimmer und Mehrbettzimmer, ein geteiltes oder eigenes Bad. Auch ein paar Küchen für die Selbstversorgung sind vorhanden. Die Übernachtung in diesen Häuser ist allerdings ein Angebot, welches sich auf den Sommer beschränkt, denn die Isolation und die Strom- und Wasserversorgung sind vorläufig für einen Winteraufenthalt ungeeignet. Einige Gäste genießen nur die Seeluft, ducken sich, wenn die Seeschwalben kommen, und trinken Kaffee mit dem Wirtspaar Inger und Villy. Für andere ist Tranøy Ausgangspunkt für viele Sehenswürdigkeiten abseits der E6.

Wie bei Großmutter

Als ich mich in den Gebäuden umblickte, kam es mir vor wie zu Hause bei Großmutter – die gestrichenen, etwas steilen Stufen, das Wandpaneel in klaren Farben, ein Küchenschrank mit Schiebetüren, Stühle aus Plastik. Die alten Häuser wurden in verschiedenen Abschnitten im 20. Jahrhundert renoviert. Alles wirkt zusammengewürfelt, so wie damals, als man sich den Luxus nicht leisten konnte, eine ganze Stube im gleichen Stil einzurichten. Man nickt anerkennend und fühlt sich zu Hause und hofft, dass sich Innenarchitekten auch zukünftig fernhalten.

Kaffee- und Mittagsbesuch

Der rot gestrichene Schuppen mitten auf dem Holm ist der Treffpunkt auf Tranøy. Hier serviert man Kaffee und wir von www.nordnorge.com bekamen Möhrenkuchen dazu gereicht. Die Einwohner von Hamarøy bevorzugen das Mittagessen: Lachs, Bacalao und gegrillter Dörrfisch, mit ein paar Fleischbällchen für alle Fälle. Hierher kommt man immer wieder und das ist die beste Auszeichnung, die ein Gasthaus bekommen kann.

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Details und viele tolle Bilder finden Sie auf der Internetseite von Tranøy, www.tranoyfyr.no. Die Touristeninformation, Visit Bodø, hat auf ihrem Website viel mehr in Hamarøy vorzuschlagen.