100.000 Seevögel, darunter die hocharktische Dickschnabellumme, bewohnen die Insel Hornøya an der äußersten Ostspitze Norwegens. Wer den Weg hierher nicht scheut, kommt den Vögeln näher als auf jedem anderen Vogelfelsen Nordeuropas.

Direkt vor Vardø

www.nordnorge.com ließ sich an einem strahlenden, eiskalten Junitag mit dem Boot vom Hafen Vardø zur Hornøya bringen. Bereits wenige Minuten nachdem wir die Mole in Vardø hinter uns gelassen hatten, stießen wir auf die „Bevölkerung“ der Hornøya: Das Meer war übersät mit tauchenden Trottellummen und die Papageientaucher flatterten auf ihre wenig aerodynamische Weise frenetisch über den Wellenkämmen. Nach nur 10 Minuten konnten wir an einem kleinen Kai anlegen, wo uns ein Leben ohnegleichen empfing.

Leicht zugänglich

An die meisten Vogelfelsen kommt man nicht allzu nahe heran. Die Vögel auf Hornøya sind es jedoch gewohnt, dass sich Forscher zwischen ihnen bewegen, und reagieren daher kaum mehr auf die Anwesenheit von Menschen. Vor Ort sind Kokosmatten ausgelegt, denen man folgen kann. Auf diese Weise kommt man den Vögeln näher als auf jedem anderen Vogelfelsen Norwegens. Die Redaktion von www.nordnorge.com war weitaus verblüffter als ihr Gegenüber, als sie Papageientauchern, Kormoranen und Dreizehenmöwen in die Augen blickte.

Vogelbeobachtungsposten

Auf der Insel gibt es einen überdachten Unterstand, von dem aus man windgeschützt die Vögel beobachten kann, ohne selbst gesehen zu werden. Das Gebäude des Architekten und Vogelliebhabers Tormod Amundsen ist Teil eines Programms zur Förderung der Vogelbeobachtung in der östlichen Finnmark.

Dickschnabellumme

Die Dickschnabellumme nistet in der Regel auf den Vogelfelsen der Bäreninsel, von Spitzbergen sowie in weiteren Regionen der Hocharktis. Auf dem norwegischen Festland ist sie nur in der Ostfinnmark anzutreffen, wobei Hornøya die größte Kolonie bildet. Sie erinnert etwas an ihre Verwandte, die Trottellumme, ist jedoch etwas kleiner und zeichnet sich durch einen weißen Streifen entlang des Schnabels aus. Auf Hornøya nimmt die Dickschnabellumme die steilste Felswand für sich in Anspruch und ist damit der Vogel mit der geringsten Höhenangst. Vogelbeobachter aus ganz Europa kommen regelmäßig auf die Insel, um die am leichtesten zugängliche Dickschnabellummenkolonie der Welt zu besuchen.

Zahlreiche Vogelarten

Trottellummen, Tordalke, Papageientaucher, Dreizehenmöwen, Gryllteiste und Kormorane bevölkern die steilen Hänge. Der Papageientaucher siedelt ganz oben, er gräbt sich Höhlen in den Grashang für seine Eier. Tordalk, Trottellumme und Dickschnabellumme dagegen legen ihre tarnfarbenen Eier direkt auf den Felsabsatz – die Eier sind birnenförmig, weshalb sie statt über die Felskante im Kreis herum rollen, falls sie doch einmal in Bewegung geraten sollten. Die Dreizehenmöwe macht den größten Lärm, während der Kormoran auf dem Felsen würdevoll seine Flügel zum Trocknen ausbreitet. Vor Staunen sprachlos läuft man zwischen den Vögeln umher und kehrt mit fantastischen Nahaufnahmen zurück.

Östlichster Punkt Norwegens

Hornøya ist der östlichste Punkt Norwegens – die Insel befindet sich auf demselben Längengrad wie Sankt Petersburg, Istanbul und Alexandria. Die Sonne erreicht hier ihren mittäglichen Höchststand eine Stunde früher als in Oslo. Der Leuchtturm Hornøya steht auf dem flachen Grashang auf der Ostseite der Insel und ist vom Kai aus in etwa einer Viertelstunde erreichbar. Von hier aus kann man im Südosten die russische Fischerhalbinsel sehen, im Übrigen verliert sich der Blick zwischen Meer und Himmel am Horizont.

Ganzjährig mitzuverfolgen

Für die Vogelbeobachterszene ist die Hornøya ein wichtiger Punkt, weshalb zwei Webcams am Vogelfelsen installiert wurden. Die eine überwacht ganz oben die Papageientaucher, während die andere unten im Steilhang auf die Dreizehenmöwen und Trottellummen gerichtet ist. Im Herbst und frühen Winter ist möglicherweise nicht viel zu sehen, doch ab März/April füllt sich der Vogelfelsen und man kann mit ein wenig Glück sogar die Kämpfe der Papageientaucher um die besten Nistplätze mitverfolgen.

Nähere Informationen

Die folgenden Internetseiten erleichtern die Planung von Touren nach Vardø. Vardø liegt ganz im Nordosten Norwegens und ist mit dem Bus, mit dem Postschiff Hurtigruten oder mit dem Flugzeug von Kirkenes aus zu erreichen. 

  • Webcam für Papageientaucher
  • Webcam für Dreizehenmöwen und Trottellummen
  • Der Tourismusverband Visit Varanger bietet zahlreiche Tipps für die Region
  • Eine nützliche Homepage für Vogelbeobachter ist varanger.net