Die Vogelinsel Nord-Fugløy ganz im Norden der Provinz Troms gehört zu den unzugänglichsten Punkten des Landes –nur die vielen Seeadler und Papageientaucher scheinen anderer Meinung zu sein. Nun gibt es endlich auch für uns nicht Gefiederte die Möglichkeit, das kleine Eiland zu erreichen.

Ehrfurcht gebietendes Felsmassiv

Wie eine Festung erhebt sich Nord-Fugløy 750 Meter hoch aus dem Nordpolarmeer, an den Flanken Schwindel erregend steil und am Gipfel nahezu eben. Je näher wir der Insel kommen, desto drohender und gewaltiger steigen die Felsmassen auf. Schließlich türmt sich die Klippe himmelhoch über uns auf – da erkennen wir, dass der Fels voller Leben ist. Papageientaucher mit leuchtend roten Schnäbeln flattern gestresst mit ihren kleinen Flügeln, landen auf dem Meer, um nach Nahrung zu tauchen und rudern über die Wasseroberfläche, um wieder abzuheben. Wenden wir den Blick gen Himmel, weit hinauf in Richtung des Felsens, wird uns das ganze Ausmaß bewusst: Tausende kleiner weißer Punkte wirbeln dort durch das Sonnenlicht.

Im Reich des Seeadlers

Hoch über den Klippen zieht die größte Bedrohung ihre Kreise: der Seeadler, Räuber und Meisterflieger. Nord-Fugløy ist Heimat der größten Einzelpopulation entlang der norwegischen Küste. Hier draußen ist der Tisch reich gedeckt: Eier sowie junge und erwachsene Papageientaucher bieten genügend Nahrung.

Die Vogelwelt

Nord-Fugløy ist einer der größten Vogelfelsen Norwegens. Papageientaucher bilden die größte Gruppe der Bewohner, desweiteren sind Tordalke, Trottellummen, Gryllteiste und die Große Raubmöwe anzutreffen. Der Papageientaucher gräbt sich hoch über dem Meer kleine Höhlen in den Hang, während Tordalke und Trottellummen ihr einziges, birnenförmiges Ei direkt auf dem Felsabsatz ablegen. Sollte es angestoßen werden, sorgt die Birnenform dafür, dass es im Kreis herum rollt, statt über die Felskante zu stürzen. Die Vögel suchen im April die Küste auf, um zu nisten, und ziehen im August wieder ihrer Wege.

Der Leuchtturm Fugløykalven

Die Seevögel bevorzugen die steilen Klippen an der Südspitze der Insel. In Richtung Norden entlang der Ostseite der Insel blicken wir auf die imposanten Felswände und spüren die Dünung des Loppmeers unter uns. Auf der Nordwestseite zeichnen sich einige Häuser ab, die noch immer der Witterung trotzen, obwohl seit 60 Jahren niemand mehr hier wohnt. Schließlich erreichen wir den Leuchtturm Fugløykalven, der den nördlichsten Punkt der Provinz Troms markiert – eine Handvoll solide gebauter Steinhäuser auf einem kleinen Holm mit einem Leuchtfeuer auf dem Dach. Hier spielte sich das Leben des Leuchtturmwärters auf wahrlich wenigen Quadratmetern ab. Das Bootshaus liegt nicht unten am Wasser, sondern deutlich nach oben versetzt, außerhalb der Reichweite der gewaltigen Brecher.

Besiedlung

Auch wenn es unwahrscheinlich klingt – Nord-Fugløy war tatsächlich einmal bewohnt. Saisonfischer und Eiersammler nutzten die Insel über Jahrhunderte hinweg zwar nur für kürzere Aufenthalte, in den 1830er Jahren etablierte sich jedoch eine dauerhafte Siedlung der Seesamen. Vom ausgehenden 19. Jahrhundert bis zum 2. Weltkrieg war Nord-Fugløy ein wichtiger Außenhafen für die Fischerei. 60-70 Personen hatten hier ihren festen Wohnsitz und betrieben eine Trankocherei, Trockenfischgestelle, eine Schule, eine Dampfschiffanlegestelle, ein Postamt und eine Funktelefonverbindung –so konnte man auch wochenlanges Unwetter aussitzen. Nach dem Krieg wurden die Schiffe größer und der Hafen zu klein, in den frühen Fünfziger Jahren wurde der Standort deshalb aufgegeben. Heute ist die Insel Eigentum der Nachkommen der ehemaligen Bewohner. Sie kommen jedes Jahr im Spätsommer, um die fantastischen Moltebeeren zu pflücken, die auf dem Gipfelplateau wachsen.

Ausflüge

Vegard Sjaavik auf der Insel Vannøya organisert auf Anfrage Ausflüge mit RiB-Booten.