Der legendären Schifffahrtslinie Hurtigruten ist in ihrem „Geburtsort“ Stokmarknes ein eigenes Museum gewidmet. Hier erhält man Einblick in den über hundertjährigen Werdegang dieser Hauptverkehrsader zwischen Bergen und Kirkenes. Höhepunkt ist der Besuch der aufgedockten, altehrwürdigen Finnmarken aus dem Jahr 1956.

Vesteraalen 1893

Am 2. Juli 1893 um 8 Uhr 30 legte Kapitän Richard With mit dem Dampfschiff Vesteraalen zur Jungfernfahrt in Trondheim ab. Er fuhr den ganzen Tag und die ganze Nacht und erreichte am 3. Juli schließlich Bodø. Hier wurde das Schiff von Tausenden von Schaulustigen in Festtagskleidung und unter den Fanfaren von Hornbläsern willkommen geheißen –dieses Ereignis durfte sich niemand entgehen lassen. Tags darauf in Tromsø war der Auflauf nicht geringer, ebenso in Hammerfest mitten in der taghellen Sommernacht. Die Vesteraalen präsentierte sich der Küstenbevölkerung als modernes Wunderfahrzeug, das eine so rasche Fahrt an den Tag legte, dass die neue Verbindungslinie zwischen Süd und Nord von Beginn an Hurtigruten genannt wurde – „Schnelllinie“.

Nachtfahrt

Richard With war ein erfahrener Kapitän, der in Risøyhamn auf den Vesterålen Handelsschiffe geführt hatte. Als treibende Kraft hatte er 1881 in Stokmarknes die Vesterålener Dampfschiffgesellschaft gegründet. Gemeinsam mit fähigen Küstenlotsen begann er zu dieser Zeit, mit Nacht- und Winterfahrten zu experimentieren. Die neuen Fahrtechniken erlaubten schließlich ein schnelleres Vorankommen und man konnte einen festen Fahrplan bieten, was mit den bisherigen, eher behäbigen Dampfschiffen bislang nicht möglich gewesen war. 1893 erhielt die Vesterålener Dampfschiffgesellschaft einen jährlichen Staatszuschuss von 70 000 Kronen für die Bedienung der Strecke Trondheim-Hammerfest im Sommer und Trondheim-Tromsø im Winter. Damit war der Betrieb gesichert und die Hurtigruten geboren.   

Navigation

Zu Beginn navigierte man unter freiem Himmel, die Brücke war auf dem Deck installiert. Für den Navigator war es damals wichtig, alle Geräusche hören zu können und sich Windrichtung und Windstärke zu merken. Als Kapitän galt es daher, sich für die langen winterlichen Schichten auf der Brücke gut einzumummen. Erst in den 1920er Jahren wurden die Brücken umbaut. Bevor die Echolote aufkamen, maß man die Wassertiefe mittels einer langen Schnur, an deren Ende ein Lot befestigt war. Traf das Lot am Meeresboden auf, las man den entsprechenden Wert an der Schnur ab. Die Geschwindigkeit ermittelte man mit dem Log, einem rotierenden Messgerät, das hinter dem Schiff hergezogen wurde.

Die Post

Während der Anfangszeit der Hurtigruten stellte die schnelle Beförderung der Post eine der wichtigsten Aufgaben dar. Bis in die 1980er Jahre befand sich ein Postbeamter mit eigenem Postamt an Bord. Obwohl heute der größte Teil der Post mit Flugzeugen und LKWs befördert wird, führen die Schiffe immer noch die Postflagge.

Maschine und Güter

Einen der merkwürdigsten Eindrücke im Hurtigrutemuseum bietet ein Film über den etwas ungewöhnlichen Maschinenraum der «Harald Jarl», der die Kolben in vollem Gang zeigt. Noch heute stellt Hurtigruten eine wichtige Kapazität für Gütertransporte dar. Bei den älteren Schiffen der Flotte wurde die Ladung mit Kränen an Bord gehievt und Autos balancierten auf einer Metallplattform in das Schiff.

Verladeboot

1893 verfügte noch keine einzige der Anlaufstellen über einen Kai, an dem ein Dampfschiff hätte festmachen können. Sämtliche Häfen wurden daher mit einem Beiboot bedient, das Post, Güter und Passagiere an Land und zum Schiff beförderte. Nach und nach baute man die Kaianlagen jedoch aus, zuletzt in Berlevåg 1973. Gamvik, die letzte Anlaufstelle ohne Kai, wurde 1990 aus dem Fahrplan genommen.

Kombüse, Speisesaal und Kabinen

Ein Küchenjunge klammert sich an die Spüle, während die Neigung des Decks der Kombüse bedrohliche 45 Grad erreicht, Geschirr und Besteck klirren –auch der Restaurantbetrieb ist Teil des Museums. Tafelsilber und Teller sind mit dem Emblem der verschiedenen Reedereien versehen, die auf der Hurtigruten verkehrten. Eine Erste-Klasse-Kabine der alten Midnatsol von 1949 gewährt zudem einen Einblick in die damals gehobene Unterbringung der Passagiere.

Die Finnmarken

Wer die Ausstellungsräume durchlaufen hat, erreicht schließlich das aufgedockte Hurtigrutenschiff Finnmarken aus dem Jahr 1956, das seit der Stilllegung 1993 so gut wie nicht verändert wurde. Im Salon der ersten Klasse, mit Edelhölzern verkleidet, laden ästhetische Holztische zum Schach- oder Kartenspiel ein. Auch der Speisesaal der ersten Klasse und die Cafeteria der zweiten Klasse verströmen eine gemütliche Atmosphäre. Wer auf das Flaggendeck hinaustritt, denkt unweigerlich an gleißende, herrlich faule Sonnentage im Liegestuhl, während der paradiesische Schärengarten vorbeizieht. Unter Deck erreicht man die Kabinen – im Mittelschiff liegen die schönen, «neuen» Kabinen aus den 80er Jahren, achtern die alten Kabinen der zweiten Klasse, die sogenannten „Propellersuiten“. 

Krieg und Untergang

1936 war der Ausbau der Hurtigruten abgeschlossen – jeder Fahrplan-Hafen verfügte nun über einen Anlauf pro Tag und Richtung. Doch schon nach wenigen Jahren traf der Zweite Weltkrieg die Flotte hart: 9 Schiffe wurden versenkt, etwa 700 Menschen fanden den Tod. Die «Vesteraalen» beispielsweise, das erste Hurtigrutenschiff, wurde 1941 vor Øksfjord torpediert. Schließlich verkehrten die Schiffe nur noch bis Tromsø, während der Bezirk Finnmark mit kleineren Fahrzeugen bedient werden musste, die die sogenannte Ersatzlinie bildeten. Nach dem Krieg baute man die Flotte jedoch nach und nach wieder auf, beginnend mit der 1949 fertiggestellten «Erling Jarl» bis hin zur «Nordnorge» aus dem Jahr 1964.

Besuch des Hurtigrutemuseums

Viele Besucher des Hurtigrutemuseums sind einst selbst mit den alten Schiffen gereist oder haben sogar an Bord gearbeitet. Für sie ist der Museumsbesuch ein persönliches Wiedersehen mit vergangenen Zeiten, das intensive Gefühle weckt. Alle anderen erleben eine spannende Zeitreise in eine Ära, als man für Reisen entlang der Küste ganz selbstverständlich Hurtigruten wählte.

Vesterålen Reiseliv informiert über die gesamte umfangreiche Palette an Aktivitätsmöglichkeiten auf den Vesterålen: www.visitvesteralen.no