Strahlend blauer Himmel, helle Abende und Plusgrade bei geschlossener Schneedecke: Der sogenannte Lichtwinter gehört bei den Nordnorwegern zu den beliebtesten Jahreszeiten. Tatsächlich gibt es reichlich Grund, diese Monate in vollen Zügen zu genießen.

Helle Abende

Etwa um den 21. März ist von der Polarnacht nicht mehr viel zu spüren, denn der Tag ist schon wieder genauso lang wie die Nacht. Im Norden geht es nun rasant helleren Zeiten entgegen. Die Sonne trotzt der Nacht Tag für Tag fünf weitere Minuten ab, weshalb sich der Sonnenuntergang innerhalb einer Woche um eine halbe Stunde nach hinten verschiebt. In Longyearbyen auf Spitzbergen geht es noch schneller, dort scheint am 20. April schon wieder die Mitternachtssonne! Auch auf dem Festland gehört nächtliche Dunkelheit nun der Vergangenheit an, denn die Sonne zieht sich auch nachts allenfalls ein wenig hinter den Horizont zurück, was um Mitternacht in einem bläulichen Schimmer resultiert.

Kein Frühling im klassischen Sinn

Auf Schneeglöckchen, Krokusse und Gänseküken muss man zugegebenermaßen in den meisten Teilen Nordnorwegens noch ein wenig warten. Ganz im Süden in Helgeland wagen sich jedoch bei mildem Südostwind schon die ersten Pflänzchen ans Licht. Die Küste von Nordland und Süd-Troms ist im April schon von schönen Tagen geprägt, an denen zumindest Frühling in der Luft liegt. Am Strand der Finnmarksküste jedoch schneit es bis in den Mai hinein und im Gebirge türmen sich gewaltige Neuschneemengen auf – Tromsøs Schneerekord, 240 cm, wurde tatsächlich an einem 29. April gemessen! Da diese Monate weniger den klassischen Frühling bringen, spricht man hier eher vom „Lichtwinter". Der Frühling schickt jedoch durchaus seine Vorboten, denn in ganz Nordnorwegen lässt sich die Schneeammer auf ihrem Weg zurück nach Spitzbergen sichten und die Vogelfelsen füllen sich mit lärmenden Brutkolonien.

Das schönste Wetter im ganzen Jahr

Da das Meer im Winter abkühlt, steigt an dessen Ende kaum mehr Wasserdampf auf, der als Niederschlag fallen könnte. Auch die Winterstürme haben sich gelegt. Somit ist das Wetter im Lichtwinter sehr stabil und trocken, weshalb man beste Chancen hat, Nordnorwegen bei schönstem Sonnenschein zu erleben.

Skitouren, Schneemobiltouren und Eisangeln

Der April und frühe Mai eignet sich am besten für die wirklich langen Skitouren von Hütte zu Hütte, entweder im Grenzgebiet nach Schweden oder auf der Finnmarksvidda. Wer es etwas gemächlicher liebt, begnügt sich mit Tagestouren, bei denen reichlich Zeit bleibt, auf einem Rentierfell sitzend die Sonne zu genießen. Schneemobilfans fahren weit ins Landesinnere bzw. hinauf zu den Schneemobilrouten. Die Angler schlagen ein Loch ins meterdicke Eis und lauern rund um die Uhr auf den großen Fang. Jedem ist bewusst, dass nun eine gute Sonnenbrille und Sonnencreme mit hohem Schutzfaktor angesagt sind, denn die weiße Landschaft sorgt für eine besonders starke Reflektion des Sonnenlichts.

Offpiste – den ganzen Tag im Schnee austoben

Die nordnorwegischen Tiefschneepisten sind mittlerweile weltweit bekannt. Gerade um diese Jahreszeit, wenn der Schnee andernorts schon längst verschwunden ist, lockt die bis an den Strand verschneite Gebirgslandschaft zahlreiche Freerider in diesen Landesteil. Die Abfahrten des Øksfjordjøkelen, der Lyngsalpen und der Küstenberge von Senja, die Gipfel der Lofoten und um Narvik und die anspruchsvollen Hänge im Bereich des Svartisen haben jeweils ihre Fangemeinde. Die Saison dauert oft bis Ende Mai, sodass Skifahren bei Mitternachtssonne tatsächlich möglich ist.

Die großen Wettkämpfe

Wenn der herannahende Frühling die Menschen beflügelt, findet das große Kräftemessen statt: in Form zahlreicher Outdoor-Wettkämpfe! Am letzten Märzwochenende wird die Weltmeisterschaft im Kabeljauangeln ausgetragen. Anfang April legen Langlauffans beim Reistadløpet  in Indre Troms 50 km über Berg und Tal zurück. Bei den Osterfestivals in Kautokeino und Karasjok steht samische Kultur auf dem Programm, unter anderem ein Rentierschlitten-Rennen.  VAKE ist ein Snowkiting-Rennen. Puls Lyngen meistert die steilen Offpisten der Lyngsalpen. Der der Svalbard Skimarathon auf Spitzbergen ist dem Nordpol so nahe, dass er von Eisbären-Wachen geschützt werden muss.

Frühjahrsdorschfang

Der Finnmarksfischfang oder Frühjahrsdorschfang ist eines der traditionsreichen Fischfangereignisse an der Küste. Zu dieser Jahreszeit laichen Lodden in großen Schwärmen an der Finnmarksküste, was junge Dorsche von der Barentssee an die Küste lockt. Der zweite große Saisonfischfang, der Lofotenfischfang, wird traditionell spätestens am 14. April abgeschlossen, woraufhin die Fischereiflotte an die Finnmarksküste weiter zieht und das Leben hier pulsieren lässt. Auch Sportangler wissen längst, dass der größte Dorsch ganz im Norden zu finden ist – nicht im Sommer, sondern im Frühjahr.

Kaffee auf der Sonnenterrasse

Auch in der Stadt sorgt die zurückkehrende Sonne allmählich für mildere, hellere Tage. Morgens sind die Pfützen zwar noch von einer Eisschicht bedeckt – diese schmilzt jedoch im Laufe des Tages schnell dahin. Nachmittags wagen sich bereits viele Menschen zum Kaffee auf die Terrasse, ausgestattet mit Sonnenbrille, Mütze und Handschuhen. Der Nachhauseweg von der Arbeit kann nun wieder bei Tageslicht angetreten werden, weshalb man abends das Sofa gerne gegen die eine oder andere Aktivität im Freien eintauscht. Nun gilt es den Augenblick zu genießen und sich auf den Sommer zu freuen!