Seit einigen Jahren siedet und schäumt das Meer in den tiefsten Wintermonaten nur so von Leben: Springende Buckelwale und gierige Schwertwale folgen neuerdings dem Hering in die Fjorde von Troms und den Vesterålen und mästen sich. Teilnehmer einer Walsafari können mit ihren Bildern dazu beitragen, wissenschaftliche Kenntnisse über diese faszinierenden Tiere zu vertiefen.

Heringsparadies

Die Verwunderung war groß, als 2011 die Fjorde an der Küste von Troms plötzlich voller Buckel- und Schwertwale waren. Warum zieht der Wal an die Küste, und was geschieht eigentlich im Meer? www.nordnorge.com nahm Kontakt mit Seniorwissenschaftler Martin Biuw von Akvaplan-Niva in Tromsø und Professor Audun Rikardens an der Norwegischen Arktischen Universität auf, um mehr zu erfahren.

Naturphänomen

Der norwegische, im Frühjahr laichende Hering mästet sich im Sommer hoch im Norden, in der Barentssee und der Norwegischen See. Gegen Herbst zieht er nach Süden in das Gebiet vor Tromsø, Senja und den Vesterålen. Audun Rikardsen erläutert, dass die Tiere dann im Schwarm stehen, um Energie für den kommenden Laichvorgang zu sparen. Irgendwann im Februar ziehen sie schließlich noch ein Stück weiter nach Süden, um zu laichen. Dem Hering folgen nicht nur die Fischerboote, sondern auch Raubfische.

Reiseproviant

Um Weihnachten herum ist der Buckelwal auf dem Weg von den nahrhaften Fischgründen der Barents- und Norwegischen See in die Karibik oder nach Westafrika. Für ihn – er gehört weltweit zu den Tierarten mit den längsten Zugdistanzen – ist dies die Zeit der Familiengründung, bei der Paarung und Geburt auf dem Programm stehen. Wenn nun auf seiner Reise plötzlich große Mengen an Hering auftauchen, ergreift er natürlich gerne die Gelegenheit, sich ausgiebig zu stärken –sozusagen ein «Boxenstopp», wie Rikardsen es nennt.

Höhensprung

Martin Biuw erläutert uns die Jagdmethode des Buckelwals. Steht der Hering in ausreichender Tiefe im Schwarm, vielleicht 60-70 Meter oder mehr, stößt der Buckelwal hinab und bedient sich. Hält sich der Hering in Oberflächennähe auf oder eher verteilt, nimmt der Buckelwal von unten Anlauf und schießt mit offenem Maul in die Höhe, wobei er Hunderte von Heringen erhascht, während das Wasser durch die Barten wieder abfließt. An der Oberfläche angekommen, befindet er sich für einen kurzen Augenblick in der Luft stehend und fällt anschließend ins Wasser zurück.

Gruppendynamik

Der Schwertwal hingegen ist als Wolf des Meeres bekannt. Er jagt im Rudel, wobei er den Heringsschwarm umkreist und dann in den Schwarm stößt, um sich zu bedienen. Oft schlägt er auch mit der Schwanzflosse ins Wasser, um den Fisch zu betäuben. Als der Hering vor einigen Jahren begann, die Küste aufzusuchen, gab es noch relativ wenige Schwertwale, heute können sie jedoch bereits zu Hunderten gleichzeitig beobachtet werden. Das Wissen um den neuen Heringsreichtum hat sich ganz offensichtlich im Meer verbreitet.

Unterseeischer Nachrichtendienst

Schwertwale kommunizieren mit einem hochentwickelten Lautesystem. Laut Martin Biuw scheinen die Buckelwale das Heringssignal der Schwertwale zu erkennen, denn sie tauchen zuweilen plötzlich auf und verspeisen den Hering, den die Schwertwale mühsam zusammengetrieben haben. Beide Wale erkennen den Laut der schweren Maschinen, die die Ringwadennetze in die Fischerboote ziehen, denn nach wenigen Minuten sind die Boote von Walen umgeben. Dafür halten wiederum die Fischer gerne nach den Walen Ausschau, denn sie zeigen an, wo sich die Heringsschwärme befinden.

Wandernde Nahrungsgrundlage

Das Naturphänomen ist auf absehbare Zeit begrenzt, denn in maximal 5-10 Jahren wird sich der Hering ganz oder überwiegend an anderer Stelle aufhalten. Die Ursache hierfür ist noch nicht ganz geklärt, doch scheint sie im Generationswechsel begründet zu liegen –nahezu wie bei einer Jugendrevolte beginnen jüngere Tiere, tradierte Verhaltensweisen über den Haufen zu werfen und ihren Lebensraum selbst zu bestimmen. In den 1990-er Jahren hielt sich der Hering im Tysfjord in Nordland auf, während er seit 2011 die Küstengebiete zwischen Tromsø und den Vesterålen bevorzugt. Wohin die Reise als nächstes geht, ist unbekannt, sie kann durchaus auch wieder weit auf das Meer hinaus führen.

Als Tourist die Registrierung unterstützen

Wale sind sehr individuelle Tiere: Die Schwanzflosse ist ein eindeutiges Identifikationsmerkmal, in etwa wie ein Fingerabdruck beim Menschen. Deshalb kann man die Forschung unterstützen, indem man als Teilnehmer einer Walsafari in Tromsø, Senja oder Andenes gute Fotos von Schwanzflossen zur Verfügung stellt:

  • Bilder von Buckelwalen kann man auf der Seite www.hvalid.no selbst laden.
  • Bilder von Schwertwalen kann man per E-Mail an die Wissenschaftlerin Eve Jourdain von Norwegian Orca Survey senden (evejourdain@yahoo.fr).
  • Wer von Tromsø aus an einer Walsafari teilnehmen möchte, findet eine große Auswahl:
  • Von Senja aus bieten folgende Unternehmen Walsafaris an:
  • Von Andenes aus gibt es zwei Möglichkeiten:

Wo kann man eine Walsafari buchen?

Wer an einer Walsafari teilnehmen möchte, kann sich an folgender Stelle informieren:

NB! DIE WALE SCHEINEN (NOVEMBER 2017) SICH NORDWÄRTS NACH SKJERVØY/KVÆNANGEN/ALTA BEWEGT ZU HABEN. ZUR ZEIT WERDEN ZWEI WALSAFARIS ANGEBOTEN: