Das Museum „Die Samischen Sammlungen“ in Karasjok vermittelt einen tiefen Einblick in die Geschichte und Kultur der Samen. Es beherbergt einen umfangreichen Fundus historischer Alltagsgegenstände der Samen.

Sámiid Vuorká-Dávvirat

Die Samischen Sammlungen in Karasjok, auf Samisch Sámiid Vuorká-Dávvirat, bilden zusammen mit drei weiteren Museen die Stiftung RiddoDuottarMuseat. Die übrigen Museen befinden sich in Kautokeino, Porsanger und Kvalsund. Die Samischen Sammlungen sind der Geschichte und Lebensweise der Samen gewidmet.

Goahti - Samenzelt

Mitten in einem der Ausstellungsräume steht ein Goahti – ein Samenzelt. Es stellt die mobile Variante der traditionellen Erdbehausung dar. Tragendes Element sind 2 bogenförmige, parallel zueinander aufgestellte Holzstämme, die von drei Querstreben fixiert werden. Um diese Grundkonstruktion herum werden dünnere Stangen aufgestellt und befestigt, die als Auflage für eine Abdeckung aus Wolle, loavdda, oder aus einem dünneren Material, beispielsweise Segeltuch, dienen.

Lavvo, Goahti und Gamme

Eine einfachere Variante dieser Behausung ist das Lavvo. Ein Goahti bietet mehr Platz und Komfort als ein Lavvo. Wo man sich dauerhaft oder über einen längeren Zeitraum aufhielt, wurde eine ortsfeste Goahti-Variante errichtet: eine Gamme. Ihre Wände bestehen aus Torf und Birkenrinde, die auf einer solideren Grundkonstruktion aus stärkeren Bögen und Stangen ruhen. Derartige Gammen können im Außenbereich des Museums besichtigt werden.

Ordnung im Zelt

Das Zelt bietet nur begrenzt Platz, daher haben alle Dinge ihren festen Platz. Die Bodenfläche des Goahti ist in fünf Abschnitte unterteilt. Von der Türöffnung gesehen bilden Uksageahče / das Türende, danach Ára / die Feuerstelle und ganz hinten Boaššu / der Küchenabschnitt eine Mittellinie. Der links und rechts dieser drei Abschnitte verbleibende Raum beherbergt Loaiddut, die Aufenthalts- und Schlafbereiche der Bewohner. Der Boden im Loaidu wird mit Birkenreisig ausgelegt, darüber werden Rentierfelle gebreitet. Im Loaidu werden auch diverse Utensilien aufbewahrt wie etwa das Heu der Blasen-Segge, das anstelle von Socken in den Fellstiefeln genutzt wurde. Die Familienmitglieder halten sich ganz im Innern des Zeltes auf, Gäste und Diener bleiben in der Nähe der Türöffnung. Unter der Feuerstelle wohnte Sáráhkká, eine Göttin, und es war üblich, ihr einen Spritzer Kaffee zu opfern. Um die Menschen beim Schlafen vor Insekten oder Kälte zu schützen, konnte zusätzlich ein Innenzelt aufgehängt werden.

Duodji und Dáidda / Kunsthandwerk und Kunst

Die Museumsvitrinen präsentieren sich wie kleine Schatzkammern gefüllt mit begehrenswerten Dingen. Löffel aus Horn, kleine Bandwebstühle aus Knochen, Messergriffe, Nadelkissen und Schalen aus Baumknollen sind mit schönen Mustern verziert. Bei den Südsamen herrscht strenge Geometrie, während die nordsamische Ornamentik leichtere, eher fließende Linien aufweist. Stickereien aus Zinndraht sind vor allem im Süden verbreitet, während farbenfrohe Perlenstickereien bei den Ostsamen in Finnland und auf der Kola-Halbinsel in Russland beliebt sind. Das Museum beherbergt darüber hinaus eine einzigartige Sammlung samischer Gegenwartskunst, die in wechselnden Ausstellungen präsentiert wird.

Trachtenmode

Die ständigen Ausstellungen enthalten Samentrachten sowie Mützen, Bänder und sonstige Trachtendetails. Die Trachtenmode ist je nach Region sehr unterschiedlich. In manchen Gebieten zeugen bestimmte Elemente der Tracht sogar von der Familien- und Stammeszugehörigkeit oder geben Auskunft darüber, ob der Träger oder die Trägerin verheiratet ist oder ledig. Da Trachten nach wie vor sehr beliebt sind und häufig genutzt werden, entwickelt sich die Trachtenmode ständig weiter. Die persönlichen Vorlieben des Trägers sowie der Näherin spielen ebenfalls eine Rolle.

Goavddis – Schamanentrommel

Das Museum beherbergt drei Schamanentrommeln. Die Schamanentrommel war das Hilfsmittel des Noaidis, des Schamanen, um mit der Götterwelt und Sáivo, dem Reich der Toten, zu kommunizieren. Auf der Trommelhaut befindet sich ein Gewimmel winziger Figuren, die Götter darstellen. Im südlichen Lappland gruppieren sich die Figuren im Kreis um ein Sonnenzeichen herum, im Norden sind sie in Reihen dargestellt. Der Schamane Poala-Ánde, geboren in Torneå und wohnhaft in Utsjok und später in Varanger, wurde 1692 ins Gefängnis geworfen. Eine Kopie seiner Trommel, die damals konfisziert wurde, ist im Museum ausgestellt.

Alte Häuser

Der Außenbereich des Museums besteht aus einer Reihe kleinerer Holzhäuser, einer Berghütte, Torfgammen und aus rekonstruierten Lagergebäuden, die den Baustil auf dem Hochplateau der Finnmarksvidda zeigen. Hier ist zudem ein einzigartiger Flusssamen-Hof zu besichtigen, der die Verwüstungen der "verbrannten Erde" seitens der deutschen Besatzer gegen Ende des 2. Weltkrieges überstand.

Öffnungszeiten des Museums

Das Museum ist ganzjährig geöffnet mit erweiterten Öffnungszeiten und regelmäßigen Führungen im Sommer. Nähere Informationen unter http://www.riddoduottarmuseat.no