Eine der größten Sammlungen vorhistorischer Funde finden Sie in Ceavccageađge/Mortensnes in Varanger. 10 000 Jahre als Versammlungsort für Jäger, Fischer und Händler haben ein paar monumentale und viele kleinere Spuren hinterlassen. Sie warten auf Betrachter mit Zeit und Blick fürs Detail.

Ein archäologischer Schwerpunkt

Die archäologischen Untersuchungen in Ceavccageađge, auf norwegisch Mortensnes, am Ende des Varangerfjordes, haben Licht auf große Teile der Finnmarksgeschichte geworfen. Das ungewöhnlich reiche Fundmaterial führt von der ersten Besiedlung vor 10 000 Jahren über Grab- und Opferstätten v. Chr. bis zu alten Höfen aus dem 19.Jh.

Die ältesten liegen am höchsten

Die jüngsten Kulturerbstücke liegen nahe am Wasser, während die ältesten am höchsten über dem Meeresspiegel liegen. Grund dafür ist die Landhebung nach der Eiszeit. Das große Inlandeis, dass vor ca. 18 000 Jahren seinen Maximalstand erreichte, drückte das Land herunter. Als das Eis anfing zu schmelzen stieg das Land langsam wieder an. Auf Mortensnes liegt die oberste Strandlinie von vor 11 000 Jahren 70 m über der heutigen Strandlinie. Die Anhebung ist noch nicht abgeschlossen. Man nimmt an, dass die Menschen immer so nahe wie möglich am Wasser leben wollten, denn sie lebten vom Meer. Aus diesem Grund kann man einen Fund nach der Höhe über dem Meer zeitlich datieren.

Spuren von Behausungen

In der älteren Steinzeit (10 000 bis 4000 v.Chr.) wohnten die Menschen in Lederzelten. Spuren dieser Zelte finden sich in Form von kreis – und halbkreisförmigen Steinringen, sogenannten Zeltringen. Man fand auch Steinwerkzeuge und Abschlag, also Steinsplitter, die losgeschlagen und als Pfeilspitzen, Messer und ähnlichem benutzt wurden. In den letzen 1000 Jahre v.Chr., als das Klima milder war als jetzt, wurden große Torfhäuser mit bis zu 50 qm Grundfläche von  Menschen errichtet, die den größten Teil des Jahres fest auf Mortensnes wohnten.

Die Kote

Wahrscheinlich haben die Menschen ungefähr ab unserer Zeitrechnung weniger Zeit auf Mortensnes verbracht, denn ihre Behausungen wurden einfacher. In dieser Periode fand die runde Bogenstangen- Kote bei den Samen Verwendung. Sie benutzten diesen Hüttentyp bis fast in unsere moderne Zeit hinein. Ab dem 18.Jh wurden die Seesamen sesshafter und man baute größere, rechteckige Koten, die noch bis zum zweiten Weltkrieg genutzt wurden.

Opferplätze

An einem Versammlungsort wie Ceavccageađge war es für die Menschen wichtig ihr Verhältnis zur Götterwelt Saivo zu pflegen. Der Transtein ist ein von Menschenhand aufgestellter, monumentaler Stein. Er ist von mehreren großen Steinen umgeben, die möglicherweise ein Labyrinth formen sollten. Ein Steinblock, der an das heilige Tier, den Bären, erinnert wird Bärenstein genannt. Außerdem gibt es zwei ringförmige Opferstätten auf Mortensnes. Hier wurden Rentiere und andere Tiere geopfert und die Heiligtümer mit Tierfett und Tran eingerieben.

Grabstätten

250-300 Gräber liegen in den Gesteinsfeldern auf Mortensnes. Seit 1000 v.Chr. bis ungefähr 1500 n.Chr. wurden hier Menschen begraben. Die Samen begruben ihre Toten, oft in Birkenrinde gepackt, in einem Holzschlitten, der dann in das Gesteinsfeld gelegt wurde. Auch Rentiere konnten eine solche Bestattung bekommen - es wurde eine große Zahl Rentiergräber gefunden. Viele Rituale waren mit der Bärenjagd verbunden. Die Knochen der Tiere bekamen eine zeremonielle Bestattung.

Warum ausgerechnet hier?

Ceavccageađge muss ein zentraler Treffpunkt für Jäger und Fänger gewesen sein. Die Wanderung der Wildrentiere vom Inland zur Halbinsel Varangerhalvøya, das Fischen der Frühjahrsdorsche und die Möglichkeiten zum Robben- und Walfang im Varangerfjord machten Mortensnes die meiste Zeit des Jahres zu einem guten Treffpunkt für größere Menschenmengen. Auch die Handelbeziehungen mit Menschen aus dem Süden und Osten hatten Bedeutung. Zu anderen Zeiten des Jahres waren die Gruppen kleiner und weiter verteilt. In den verschiedenen Perioden der 10 000 Jahre alten Siedlungsgeschichte mag dies sehr unterschiedlich gewesen sein.

Wanderung auf Mortensnes

Ziehen Sie gutes Schuhwerk und eine Windjacke an und machen Sie auf den Weg durch die alte Kulturlandschaft Ceavccageađge/ Mortensnes. Der Transtein und der Bjørnestein (Bärenstein) gehören zu den deutlichsten vorhistorischen Spuren. Ein gut markierter Kulturpfad weist aber auch den Weg zu den Grab-und Opferstätten. In Samischen Museum Varanger sind viele der Gegenstände in einer inhaltsreichen und modernen kulturgeschichtlichen Ausstellung zu sehen.

Mehr darüber erfahren Sie auf www.varanger.com. Mortensnes liegt an der Nationalen Landschaftsroute Varanger