Ans nördlichste Reiseziel der Welt, und das mitten im Winter? Durchaus – die Reise ist sicher, komfortabel und beeindruckend und verspricht gute Chancen, auch seltene Facetten des Nordlichts kennenzulernen.

Nordlicht am Tag

In der Polarnacht zeigt sich auf Spitzbergen auch tagsüber eine seltene, flüchtige Form des Nordlichts. Vermutlich gibt es kaum ein anderes für Normaltouristen zugängliches Reiseziel auf Erden, wo man dieses Phänomen beobachten kann. Natürlich fehlt auch hier die weiter im Süden auftretende, häufigere Aurora borealis nicht, die abends und nachts zu beobachten ist. Das arktische Wüstenklima beschert Spitzbergen viele klare Nächte mit guten Nordlicht-Chancen – mehr als an den meisten Orten des Nordlichtgürtels. Verschiedene Ausflugsangebote sowohl tagsüber als auch abends bieten die Möglichkeit, das beeindruckende arktische Himmelsphänomen zu erleben.

Polarnacht

Von November bis Februar ist es auf Spitzbergen völlig dunkel, selbst mitten am Tag. Trotzdem sieht man recht viel von der Landschaft, denn im Licht der Sterne treten die Konturen der Berge hervor. Mit guten Stirnlampen ausgerüstet geht es auf dem Schneemobil oder Hundeschlitten hinaus in die Natur – so vergisst man bald, dass man eigentlich von Dunkelheit umgeben ist. Die meisten Besucher unternehmen in dieser Jahreszeit kürzere Ausflüge und genießen anschließend das stimmungsvolle Leben in den Restaurants und Bars von Longyearbyen.

Übergangszeiten in Pastell

Die erste November- und die erste Februarhälfte markieren den Beginn und das Ende der Polarnacht. Dann wird die Dunkelheit am Südhimmel für eine Weile von Pastellrosa, Gold und Silber unterbrochen. Bevor die Finsternis die Herrschaft wieder übernimmt, badet die Landschaft in einem mystischen, samtartigen Tiefblau, weshalb diese Wochen in Spitzbergen die Zeit des blauen Lichts genannt werden.

Lichtwinter

Von März bis Mai kommt das Licht mit aller Macht zurück, und ab Ende April scheint schon wieder die Mitternachtssonne. Dies ist die Zeit des Lichtwinters, in dem die Einheimischen ausgedehnte Schneemobil-, Ski- und Hundeschlittentouren unternehmen. Erfahrene Outdoor-Aktivisten, die zu langen Expeditionen aufbrechen, wählen ebenfalls gerne diese Jahreszeit. Sie ist auch für den Tourismus die Hauptsaison, denn das Angebot organisierter Touren aller Art ist nun am größten.

Zahlreiche Möglichkeiten

Das Ausflugsangebot in Longyearbyen ist so umfassend, dass man als Gast gut planen muss, um die Aufenthaltszeit bestmöglich zu nutzen. Die Schneemobiltouren reichen von kleinen Panoramatouren zum Aussichtspunkt über dem Todalen bis hin zu langen Expeditionen zur Ostküste, bei denen man hier und da auch Eisbären zu Gesicht bekommt. Die Hundeschlittentouren finden in separaten Tälern weitab von den Routen der etwas lauteren Schneemobile statt. Organisierte Wanderungen führen unter den Longyeargletscher, wo man dessen faszinierendes Innenleben aus Eishöhlen, -zapfen und -kristallen erlebt. Skitouren mit Expeditionscharakter und Gipfeltouren richten sich an erfahrenere Bergsteiger und Skifahrer, während kleinere Touren oft auf Schneeschuhen unternommen werden und für jeden geeignet sind. Unter den Angeboten findet man auch Fahrten mit der Schneeraupe in die Wildnis, um dem Nordlicht aufzulauern. Die Touren auf Spitzbergen werden von kompetenten Führern geleitet, die für Sicherheit, Information und gute Stimmung sorgen.

Einkaufen und Gastronomie

Es gibt wohl weltweit kaum eine Kleinstadt mit gerade einmal 2.000 Einwohnern, die so viele Angebote bereithält wie Longyearbyen. Da Spitzbergen steuerfrei ist, lohnt es sich, die gut sortierten Outdoor- und Sportgeschäfte der Insel zu durchstöbern. Eine Kaffeepause in der nördlichsten Kaffeebar der Welt gehört ebenfalls zum Shoppingerlebnis. Für den schnellen Hunger bieten sich Pizza oder thailändische Gerichte in einem der Imbisse, während mehrere schöne Restaurants gehobenen Ansprüchen gerecht werden – insbesondere das alte Kulturhaus Huset, das für seine erlesene Küche und einen gut bestückten Weinkeller bekannt ist. Auch das Nachtleben ist beeindruckend: mehrere gemütliche Bars mit einer ausgesuchten, steuerfreien Getränkekarte sorgen für gute Stimmung. Die Einheimischen lieben gerade in der Polarnacht gute Gesellschaft und plaudern gerne über das Leben in der Arktis. Am nächsten Tag geht es dann vielleicht wieder etwa multikultureller zu – zum Beispiel in der Warteschlange an der nördlichsten Kebabbude der Welt.

Aktive Hocharktis-Gemeinde

Longyearbyen ist, obwohl Außenposten in der Arktis, eine gut funktionierende Gemeinde. Die Stadt wirkt verblüffend normal mit ihren Geschäften, mit Schule, Kindergärten, Krankenstation, Bank und dem Kulturhaus mit Kino. Auf der anderen Seite deuten kleine Schilder mit der Aufschrift "Gewehr bitte hier abstellen", ein ordentlich zusammengelegter Schneemobilanzug auf einem Stuhl in der Kaffeebar oder das Geräusch startender Schneemobile darauf hin, dass man sich auf 78 Grad nördlicher Breite und somit mitten in der Hocharktis befindet. Das preisgekrönte Svalbard Museum (die Norweger nennen die Inselgruppe „Svalbard“ – „kühle Küste“) vermittelt die Natur und Geschichte Spitzbergens. Viele Gäste besuchen auch die Galerie Svalbard und die kleine Kirche.

Sicher durch die Arktis

Spitzbergen ist für alle, die Longyearbyen als Ausgangspunkt nutzen und die Wildnis im Rahmen von organisierten Touren mit qualifiziertem Führer erforschen, ein sicheres Reiseziel. Die Führer sind für eine sichere Fortbewegung ausgebildet und führen alle notwendigen Ausrüstungsgegenstände mit sich, um ihre Gäste zu betreuen. Darüber hinaus wissen sie, wie man sich an geschützten Kulturdenkmälern und in der empfindlichen Natur verhalten muss – und natürlich den imposanten, oft überraschend auftauchenden Eisbären gegenüber. Es ist zwar erlaubt, sich auf eigene Faust außerhalb von Longyearbyen zu bewegen, dies erfolgt jedoch auf eigene Gefahr und ist nur für tourenerprobte Wildniskenner empfehlenswert. Die Eisbärengefahr, das Klima und die fehlende Mobilfunkverbindung außerhalb der Wohngebiete stellen besondere Anforderungen an ein derartiges Unterfangen. Beschließt man dennoch, sich ohne Führer auf den Weg zu machen, muss man die entsprechenden Bestimmungen kennen und wissen, wie man die eigene Sicherheit gewährleistet.

Nähere Informationen

Visit Svalbard, die offizielle Tourismusorganisation der Inselgruppe, informiert auf ihrer Homepage umfassend und inspirierend über Spitzbergen.