Auf dem zugefrorenen Langfjord bei Kirkenes wird die Königskrabbe in Reusen gefangen. Während die Krabben kochen, begeben wir uns auf eine Scootertour durch Hochebene und Wälder, und anschließend gibt es ein Krabbenfest!

Auf dem Scooter

Nachdem wir uns unserem Vorhaben entsprechend gut angezogen hatten, waren wir bereit für unsere Scootertour. Keiner der Gäste war bis dahin schon einmal auf einem Scooter gefahren, aber das Scooterfahren lässt sich leicht erlernen. Das Gas ist rechts, die Bremse links. Es gibt auch eine Notbremse, über die der Motor sofort angehalten werden kann. Zwei Personen teilen sich einen Scooter, und man wechselt sich als Fahrer und Beifahrer ab.

Zu den Reusen

Das Gewässer des langen, schmalen Langfjords südwestlich von Kirkenes friert jeden Winter zu. In kurzer Zeit waren wir über das Eis des Langfjord gefahren. Draußen, mitten auf dem Eis, war ein Punkt mit Hölzern markiert, und als wir näherkamen, sahen wir eine ins Eis eingelassene Holzplanke. Während unsere Kameras surrten und klickten, wurde die Planke hochgezogen, und ein viereckiges Loch im Eis kam zum Vorschein. Nach einer Nacht von -26 °C begann das Loch inzwischen schon wieder zuzufrieren, also mussten wir mit der Axt nachhelfen und auch ordentlich mit der Eissäge zu Werke gehen.

Überall Krabben

Mithilfe eines Schneescooters hoben wir die Krabbenreuse vom Grund des Fjords herauf. Ein paar extra Hände packten an, und schon landete die Reuse auf dem Eis, mit fünf, sechs großen Krabben darin. Mit geübtem Griff wurde eine der Krabben hochgehoben, und dann durften wir sie halten. Eine Fotosession mit Königskrabbe in den Händen ist obligatorisch. Krabben haben scharfe Scheren, aber es lässt sich leicht vermeiden, mit ihnen in Berührung zu kommen.

Tundra und Taiga

Am Ausgangspunkt der Tour bei Sandnes, südwestlich von Kirkenes gelegen, herrscht eine Landschaft mit niedriger Vegetation – genannt Tundra – vor. Weiter fjordeinwärts werden die Birken immer höher, und schneeschwere Äste neigen sich über das Fjordeis. Ganz zuinnerst nimmt der Kiefernbestand immer mehr zu, was den Beginn der tiefen Nadelwälder des Paskvikdal markiert. Diese bilden einen Teil des Nadelwaldgürtels, der sich bis hin zur Beringstraße erstreckt, dem Gebiet, das mit dem russischen Wort Taiga bezeichnet wird.

Namdalen

Im 19. Jahrhundert wurden südnorwegische Siedler von den norwegischen Behörden aufgefordert, in die Grenzgebiete um Süd-Varanger umzusiedeln. Denjenigen, die sich eine Auswanderung nach Amerika nicht leisten konnten, wurde angeboten, stattdessen in den Norden zu kommen. Im Jahr 1869 kam eine Großfamilie aus Namdalen in Trøndelag mit Haustieren, ein paar Möbeln und Haushaltsgerät an. Die Familie wurde zuinnerst im Langfjord abgesetzt, und nachdem alle einige Kilometer gegangen waren, ging ihnen die Kraft aus. Sie ließen sich nieder und benannten den Ort nach ihrem Heimattal.

Weiler

Namdalen wuchs mit der Zeit zu einem Weiler mit sechs Höfen an. Ein fehlendes Straßennetz und ein Mangel an Funksignalen (so sagen manche) führten schließlich dazu, dass der Hofbetrieb niedergelegt und der Weiler um 1970 aufgegeben wurde. Wir besuchten das erste Haus, das um 1870 in diesem Weiler im südnorwegischen Blockbaustil erbaut worden war. Hier nahmen wir einen Kaffee ein und lauschten den Geschichten über Menschen, die in diesem Gebiet und während des Kriegs um Kirkenes herum gelebt hatten. Unser Guide kommt aus dem Pasvikdal und ist ein wandelndes lokalgeschichtliches Lexikon. 

Krabbenfest

Zum Schluss erreichten wir wieder unseren Ausgangspunkt. Das Lavvo lud mit einem behaglichen Feuer ein, und es wurde uns frisch gekochte Königskrabbe serviert. Krabbe gab es reichlich, und dazu Brot, Mayonnaise und Weißwein. Die einfachsten Gerichte sind oft die besten, und das gilt auch für Königskrabbe. Der Kilopreis für Königskrabbe in Oslo ist astronomisch hoch, aber hier kann man sich nach Herzenslust satt essen. Die Tour klang in anderen Worten mit einem kulinarischen Höhepunkt aus.

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Im Winter locken vielerlei Ausflugsmöglichkeiten ab Kirkenes. Die Barentssafari, an der wir teilnahmen (www.barentssafari.no) bietet im Winter verschiedene Scootertouren und auch im Sommer ein reichhaltiges Programm an.